Die Wasserversorgung Burgthann verwende deswegen aktuell Eisen(III)-sulfat als alternatives Flockungsmittel. "Leider unterscheiden sich die beiden Eisensulfate trotz chemischer Verwandtschaft nicht unerheblich und der Ersatzstoff bringt bisher nicht die gewünschten Ergebnisse, die Arsen-Konzentration lässt sich durch das Eisen(III)-sulfat bisher im Hinblick auf die Vorgaben der Trinkwasserverordnung nicht ausreichend reduzieren", so die Behörde weiter.
Landratsamt gibt Entwarnung: Arsen-Gehalt in Burgthanner Trinkwasser weiter niedrig - keine "Vergiftungserscheinungen"
Die Gemeinde habe mehrere Ingenieure herangezogen, unter anderem vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Entsprechend ihrer Empfehlungen habe der Wasserversorger Anpassungen an der Aufbereitungsanlage vorgenommen, die Ergebnisse stehen aber noch aus.
"Bei einer oralen Aufnahme hoher Arsengehalte über einen langen Zeitraum können chronische Vergiftungserscheinungen und Tumore auftreten. Dies wird in der Literatur mehrfach beschrieben und hat auch zum Eingang in die Liste der Berufskrankheiten geführt", heißt es aus dem Landratsamt.
Dafür seien jedoch "weit höhere Mengen und ein längerer Zeitraum erforderlich als es jetzt im Nürnberger Land der Fall ist". Bei der "Reichensteiner Krankheit" – einer chronischen Arsenvergiftung durch Trinkwasser – gehe es um Werte von 0,6 mg/ Liter, die über Jahre regelmäßig aufgenommen würden, also um dreißig bis sechzig Mal höhere Konzentrationen als die von 0,014-0,017 mg/l, die sich zurzeit im Trinkwasser in der Gemeinde Burgthann befänden.
Wegen drohender Einstellung der Trinkwasserversorgung: Gesundheitsamt Nürnberger Land erteilt Ausnahmegenehmigung
Nach einer aktuellen toxikologischen Einschätzung des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit könne für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ein Arsengehalt im Trinkwasser bis zu 0,03 mg/l toleriert werden, "da akute und chronische gesundheitliche Effekte für diesen Zeitraum und bis zu diesem Wert unwahrscheinlich sind". Dies gelte für alle Bevölkerungsgruppen, auch für Schwangere und Säuglinge, betont das Landratsamt Nürnberger Land.
Vor diesem Hintergrund habe sich das Gesundheitsamt dazu entschieden, eine Ausnahmegenehmigung für die Wasserversorgung von Burgthann bis zu einem Höchstwert für Arsen im Trinkwasser von 0,02 mg/l bis Mai 2025 zu erteilen. "Ohne diese Ausnahmegenehmigung wäre der Wasserversorger gezwungen gewesen, die Trinkwasserversorgung einzustellen", so die Behörde.
Der Arsengehalt des Trinkwassers werde dabei "laufend engmaschig überwacht". Die Ausnahmegenehmigung durch das Gesundheitsamt werde "selbstverständlich nur aufrechterhalten, solange keine alternativen Abhilfemaßnahmen möglich sind". Eine dauerhafte Grenzwertüberschreitung werde "nicht toleriert". Die Wasserversorgung Burgthann und das Gesundheitsamt Nürnberger Land arbeiten demnach "unter Einbeziehung der übergeordneten Behörden weiter intensiv daran, dass der Grenzwert so bald wie möglich wieder eingehalten wird", heißt es.
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