Günstige E-Autos aus China: Bei der Kfz-Versicherung sind die Schnäppchen oft teuer

In der Anschaffung günstig, in der Kfz-Versicherung extrem teuer: Warum bei manchen Autos aus China eine böse Überraschung lauern kann und um wie viel Geld es geht.

Chinesische Autohersteller wie BYD, Xpeng, Leapmotor, Zeekr und MG/SAIC Motor drängen mit einer teils aggressiven Preispolitik auf den deutschen Markt. Doch so günstig sie in der Anschaffung sind, so teuer sind sie oft in Kfz-Haftpflicht, Teil- und Vollkasko. Ein Experte der Stiftung Warentest Finanzen verriet der Mediengruppe Bayern hier mehr dazu.

So günstig kommen chinesische Autos oft auf den deutschen Markt

Eine Recherche unserer Online-Redaktion am Beispiel BYD zeigt: Der SUV Sealion 7 oder die Sportlimousine Seal kosten laut offiziellem Listenpreis und je nach Ausstattungslinie beide rund 50.000 Euro. Mit Herstellerrabatt und der maximal möglichen staatlichen Elektroautoförderung sind die Modelle im Oktober 2026 laut der BYD-Internetseite für 32.490 Euro (Seal) oder 35.990 Euro (Sealion 7) erhältlich.  

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Zum Vergleich: Der Skoda-SUV Enyaq beginnt in der Basis-Version Essence bei 43.490 Euro. Je nach Wunsch-Ausstattung sind es aber schnell 10.000 Euro mehr. Hersteller-Rabatte wie bei BYD bewirbt Skoda hingegen nicht. Ein 50.000-Euro-Auto würde bei maximaler staatlicher Förderung also 44.000 Euro kosten.

Stiftung Warentest: Versicherung kostet bei chinesischen Autos oft deutlich mehr

Im aktuellen Heft Stiftung Warentest Finanzennahmen Redakteur Michael Sittig und Untersuchungsleiterin Beate Bextermöller Kfz-Versicherungen unter die Lupe. Dabei fanden sie am Beispiel der Versicherungskosten für einen BYD Seal U heraus: Eine Familie hätte beim günstigsten Anbieter rund 900 Euro pro Jahr für eine Vollkaskoversicherung auszugeben, beim teuersten Anbieter 2900 Euro pro Jahr. Als Annahmen gelten laut Sittig dabei: Fahrer aktuell in Schadensfreiheitsklasse 20, angenommene Jahreskilometerlaufleistung von 8000 Kilometern.

Die Vollkaskoversicherung für einen vergleichbaren deutschen Wagen (Skoda Enyaq) würde die Familie "nur“ zwischen 530 Euro und 1120 Euro kosten.

Warum sind chinesische Autos bei der Versicherung so teuer?

"Grund für die hohen Versicherungskosten ist versicherungstechnisch die recht hohe Typklasse des BYD", erklärt Stiftung-Warentest-Redakteur Michael Sittig auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern. Das Modell habe Typklasse 29 in der Vollkasko; die Typklassen-Spannbreite in der Vollkasko gehe insgesamt von 10 bis 34.

Die Typklasse ist ihm zufolge eines von zahlreichen Merkmalen, die den Preis einer Kfz-Versicherung bestimmen. Je niedriger die Typklasse, desto günstiger wirkt sich dies auf den Versicherungsbeitrag aus. Die Typklassen spiegeln die Schaden- und Unfallbilanzen eines jeden in Deutschland zugelassenen Automodells wider. Zur Berechnung der Typklassen werden die Fahrzeugschäden und die dadurch verursachten Reparaturkosten der letzten drei Jahre betrachtet.

Zum Vergleich: Der Skoda Enyaq hat in der Vollkasko die Typklasse 20. Darum bezahlt die Modellfamilie für die Vollkaskoversicherung dieses Autos deutlich weniger.

Grund für die hohen Typklassen – und damit für die hohen Versicherungskosten – dürfte laut Sittig die teure, teilweise lange dauernde Lieferung von Ersatzteilen aus China sein. "Lange Reparaturzeiten erhöhen die Kosten, die von einer Kfz-Versicherung für die Reparatur zu bezahlen sind. In der Folge bekommen solche Autos eine "schlechte“ (teure) Typklasse", erklärt er gegenüber der Mediengruppe Bayern. 

Anmerkung der Online-Redaktion: Der von Stiftung Warentest oben genannte BYD Seal U ist auf dem deutschen Markt seit kurzem nur noch als Hybrid neu bestellbar. Allerdings sind auch andere BYD-Autos in hohen Vollkasko-Typklassen eingestuft – etwa der Sealion 7 (Typklasse 30) und der Tang (Typklasse 29). 

BYD ist kein Einzelfall: Auch andere Autos aus China sind teuer in der Versicherung

Der BYD ist laut dem Stiftung-Warentest-Finanzen-Redakteur kein Einzelfall. Viele E-Autos von chinesischen Herstellern seien von der Versicherungswirtschaft in der Vollkaskoversicherung in eine hohe und damit teure Typklasse eingestuft. Er nennt dabei diese Beispiele:

"Dass ausnahmslos alle "Chinesen“ in der Versicherung teuer sind, lässt sich allerdings nicht sagen", so der Experte. Der MG 4 Electric ist in der Vollkasko zum Beispiel "nur“ in Typklasse 19 eingestuft,  der Skoda aus dem Test in 20. Beim günstigsten Versicherer wäre der MG4 Electric aktuell für 650 Euro Jahresbeitrag zu versichern. Beim teuersten Anbieter wären 1080 Euro zu bezahlen. "Es geht, je nach Modell, also auch günstig", so Sittig gegenüber der Mediengruppe Bayern.

Was sollte man beim Kauf eine Elektroautos aus China beachten?

"Wir raten Verbrauchern, die den Erwerb eines E-Autos aus China in Erwägung ziehen, vor dem Kauf Informationen über die Typklasse einzuholen", erklärt Michael Sittig von der Stiftung Warentest Finanzen. Dies sei etwa über Internetseiten wie autoampel.de oder autoversicherungskompass.de und einen Vergleichsrechner bezüglich der Versicherungskosten zu nutzen (etwa über test.de/kfz-analyse).

Denn erst eine solche Recherche fördere zutage, ob das Auto eher teuer oder eher zu normalen Preisen versichert werden kann. "Viele chinesische Modelle sind ja deshalb so beliebt, weil sie vereinfacht gesprochen viel Technik zum guten Preis bieten. Ein hoher Versicherungsbeitrag kann die Freude über ein solches "Autoschnäppchen“ aber wieder zunichtemachen", erklärt Michael Sittig gegenüber der Mediengruppe Bayern.

Vorschaubild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa