Der Tiergarten Nürnberg hat sich ein Ziel gesetzt: 20 Prozent des bisherigen Gas-Verbrauchs möchte man einsparen. "Zu den Maßnahmen gehört auch das Absenken der Temperaturen in verschiedenen Häusern und Ställen", erklärt der stellvertretende Direktor Jörg Beckmann auf Anfrage von inFranken.de. Doch nicht alle Tiere können einen Temperaturunterschied so gut wegstecken - "das ist von Tierart zu Tierart unterschiedlich". 

Bei den Manatis beispielsweise, auch Rundschwanzseekühe genannt, bleibe die Wassertemperatur bei 26 Grad. "Würde man die Temperatur verringern, würden die Manatis nicht mehr fressen oder im schlimmsten Fall einen Schock bekommen und sterben", weiß Beckmann. In der Natur sei das bereits vorgekommen. Auch bei wechselwarmen Tiere wie Fröschen sei eine konstante Temperatur nötig. In anderen Gehegen habe man dagegen jedoch mehr Spielraum.

Tiergarten Nürnberg senkt Temperaturen - diese Tiere müssen mit kälteren Räumen auskommen

Die Temperatursenkungen seien bei endothermen Tierarten, die ihre Körpertemperatur im jeweils artspezifischen Rahmen regulieren können, weniger problematisch. "In vielen Tierhäusern können wir die Temperaturen um zwei Grad senken, so zum Beispiel im Tropenhaus, in dem Tapire und Hirscheber leben", erklärt Beckmann. "Hier lag die Temperatur früher bei 20 Grad, nun sind es 18." Dabei orientiere man sich am sogenannten Säugetiergutachten, das 2014 vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit Unterstützung von Tierschutz- und Naturverbänden, Verbänden der Zoos und Tierparks sowie wissenschaftlichen Experten erarbeitet wurde. 

Das Gutachten beschreibt die Anforderungen an die Haltung von Säugetieren, insbesondere in Zoos, aber auch in privaten Haushalten. Dazu gehören auch Empfehlungen hinsichtlich der Temperatur. "Bei der Beurteilung, ob und um wie viel Grad die Temperatur reduziert werden kann, spielen aber mehrere Faktoren eine Rolle", erklärt der stellvertretende Direktor. "Bei den Gorillas haben wir die Raumtemperatur von 21 auf 18 Grad gesenkt, da zusätzlich eine Bodenheizung für Wärme sorgt. Entscheidend ist letztlich das Tierwohl." Größere Huftiere wie Zebras, Kamele oder Antilopen seien durch ihr Fell ohnehin gut isoliert.

Die niedrigen Raumtemperaturen versucht der Tiergarten außerdem durch andere Maßnahmen zu kompensieren, für die kein Gas benötigt wird. "Im Giraffenhaus haben wir beispielsweise Kunststofflamellen angebracht, um die Wärme besser im Haus zu halten und die Zugluft zu verringern." Auch Rotlichtlampen kämen zum Einsatz, etwa bei den Kronenmakis, unter denen sich die Tiere aufwärmen können. Für alle Maßnahmen gilt: "Bei Tierarten, für die keine Ersatzwärmeplätze geschaffen werden können und bei denen eine Temperaturabsenkung ein Risiko darstellen könnte, bleiben wir bei den bisherigen Temperaturen", hält Beckmann fest.

Energiekosten steigen auch für Tiergarten Nürnberg - erwartet auch Gäste eine Preissteigerung?

Neben den Temperatursenkungen in so manchen Tierhäusern spart der Tiergarten auch in den anderen Räumlichkeiten. Die Temperaturen würden ebenso in Büros, Besprechungsräumen, Werkstätten und anderen Zimmern gesenkt. "Grundsätzlich versuchen wir überall dort, wo es sinnvoll ist, möglichst energieeffiziente Technik zu verwenden, so zum Beispiel bei Leuchtmitteln", so Beckmann. Aufgrund der deutlich gestiegenen Energiekosten werde man dadurch jedoch im Vergleich zum Vorjahr trotzdem kein Geld sparen, sondern nur die Mehrausgaben mindern können.

"Welche Kosten aufgrund der Preissteigerungen jedoch genau auf uns zukommen, wissen wir erst im Laufe des Jahres. Da geht es uns genauso, wie derzeit jedem Privathaushalt." Zuletzt lagen die Energiekosten des Tiergartens demnach bei rund 1,3 Millionen Euro. "Wir rechnen im äußersten Fall mit einer Verdopplung", sagt der stellvertretende Direktor. "Ob aus dieser Kostensteigerung auch höhere Eintrittspreise resultieren, muss sorgfältig abgewogen werden", im Anschluss entscheide über diese Frage der Stadtrat. "Denn diese Frage betrifft den gesamtstädtischen Haushalt und ist politisch zu beurteilen."

Obgleich das Gas-Einsparziel von 20 Prozent eine große Herausforderung sei, halte man das Ziel für richtig. "Wir müssen vom Gas wegkommen." Ziel des Tiergartens sei es, den Betriebshof, die dortigen Wohnungen sowie das Delfinarium II ausschließlich über eine neue Hackschnitzelheizung zu beheizen. Holz trage bereits die Grundlast, für die Spitzenlast im Winter sei jedoch noch Gas nötig. "Die Einsparungen haben aktuell aber keine Auswirkungen auf die Artenvielfalt im Tiergarten und somit auch nicht auf Besucherinnen und Besucher", hält Beckmann fest.

Im Nürnberger Land entsteht derzeit ein neues Wohngebiet mit 52 Wohneinheiten. Was Interessenten wissen müssen.