Tabaksteuer 2026: Gesetzes-Panne – wie geht es mit den Zigaretten-Preisen weiter?

Tabaksteuer 2027: Gesetzes-Panne sorgt für Verwirrung. Gilt die Erhöhung schon jetzt? Was Zigaretten kosten und warum FDP-Chef Kubicki eine Bundestags-Sondersitzung fordert.

Die Tabaksteuer steigt, doch wann genau, ist derzeit umstritten. Im Bundesgesetzblatt steht ein Inkrafttreten am 21. Oktober 2026. Das Bundesfinanzministerium (BMF) spricht von einem technischen Fehler und will die höheren Sätze erst zum 1. Januar 2027 anwenden. Die Panne wirft zugleich neue rechtliche Fragen auf. Dieser Ratgeber erklärt, was aktuell gilt, wie viel Geld Zigaretten spätestens ab 2027 kosten und welche Forderungen FDP-Politiker Wolfgang Kubicki erhebt.

Gilt die höhere Tabaksteuer schon heute?

Die Lage ist widersprüchlich. Die wichtigsten Positionen im Überblick:

  • Bundesfinanzministerium: Die höheren Steuersätze sollen erst am 1. Januar 2027 gelten. Das Inkrafttreten am 21. Oktober sei ein Fehler bei den Daten in den Unterlagen. Das BMF habe bereits eine Berichtigung angestoßen.
  • Praktische Umsetzung: Eine Erhebung ab Inkrafttreten des Gesetzes wäre laut Bericht ohnehin nicht möglich gewesen, weil die Steuermarken fehlen. Zudem dürften Altbestände in den Geschäften noch verkauft werden.
  • Zoll: "Die Generalzolldirektion, die die Steuer administriert, ist entsprechend informiert“, erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums. "Die höheren Steuersätze sollen ab dem 1. Januar 2027 in Kraft treten, das ist der klare Wille des Gesetzgebers und des Bundesfinanzministeriums“, stellte er weiter klar.
  • Rechtliche Bewertung: Nach Ansicht des Passauer Rechtsprofessors Kai von Lewinski ist laut einem Bericht von "Ad Hoc News" eine bloße behördliche Berichtigung des Gesetzes durch das Bundesfinanzministerium ohne erneute Beteiligung des Bundestages unzulässig. Um den Fehler zu beheben, sei vielmehr ein neues Gesetz des Parlaments erforderlich. In seiner jetzigen Gestalt bleibe das Gesetz zunächst gültig.

Kubicki fordert Sondersitzung des Bundestags

In seiner Kolumne "Beruft den Bundestag ein!“ (24. Oktober 2026) bezeichnet FDP-Politiker Wolfgang Kubicki das Chaos um die Tabaksteuer als einmaligen Vorgang in der Geschichte der parlamentarischen Gesetzgebung.

Seine zentralen Aussagen:

  • Gesetz gilt nach Wortlaut: Ministeriumsankündigungen können laut Kubicki gegen den Buchstaben des Gesetzes kein Gericht binden. Der Satz "Das Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft“ sei eindeutig.
  • Kein Korrekturweg ohne Bundestag: Eine unbürokratische Berichtigung scheide aus, weil das Gesetz bereits verkündet ist. "Eine abändernde Gesetzgebung außerhalb des verfassungsrechtlich vorgegebenen Weges kann es nicht geben.“
  • Forderung: Eine Sondersitzung des Bundestags sei "der einzig gangbare Weg“. Die Bundestagspräsidentin müsse sie auf Verlangen des Bundespräsidenten, des Bundeskanzlers oder eines Drittels der Abgeordneten einberufen.
  • Gegenüber der Bild-Zeitung sagte Kubicki: "Das ist Anstiftung zur Steuerhinterziehung.“ Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) würde dazu auffordern, das neue Gesetz zu ignorieren und weniger Steuern als geschuldet zu zahlen. Dies ist die Bewertung Kubickis und nicht die einer Behörde oder eines Gerichts.

Was ist passiert?

DasTabaksteuergesetz erschien am Dienstag im  Bundesgesetzblatt  (BGBl. I Nr. 309) mit dem Hinweis, dass es am Folgetag in Kraft tritt, also am heutigen 21. Oktober 2026. Laut Bundesfinanzministerium ist dies ein technischer Fehler: Die höheren Steuersätze sollen erst zum 1. Januar 2027 gelten.

Das haben Bundestag und Bundesrat zur Tabaksteuererhöhung beschlossen

Rauchen ist ungesund und teuer – darüber sind sich viele einig. Dennoch wird mit Zigaretten jährlich ein Milliardengeschäft gemacht. Und das soll noch steigen: Schon 2027 müssen sich Raucher auf höhere Kosten einstellen, Zigaretten sollen deutlich teurer werden. Die Tabaksteuer soll gemäß dem Beschluss über vier Jahre lang regelmäßig erhöht werden.

In der Nacht zum Freitag (16. Oktober 2026) stimmte der Bundestag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen aus Union und SPD für die Gesetzesnovelle. Der Bundesrat hat laut "Deutschlandfunk"am 16. Oktober 2026 ebenfalls der schrittweisen Erhöhung der Tabaksteuer zugestimmt und auf die Anrufung des Vermittlungsausschusses verzichtet.

So wirkt sich die Steuererhöhung auf die Zigaretten-Preise aus

Aktuell werden für eine Schachtel mit 20 Zigaretten rund acht Euro fällig. Laut Gesetzentwurf soll ab 2027 ein gewichteter durchschnittlicher Kleinverkaufspreis von 8,77 Euro gelten. Für 2028 werden 9,56 Euro genannt, für 2029 dann 10,42 und für 2030 11,36 Euro. Bei Premium-Marken wie Marlboro oder Davidoff könnte es noch teurer werden. Ihr Preis könnte nach Schätzungen von Tabakhändlern auf bis zu 14 Euro steigen. 

Wer täglich eine Packung mit 20 Zigaretten raucht, kommt bei einem Preis von 9 Euro auf 3285 Euro pro Jahr. Bei einem Packungspreis von 14 Euro sind es 5110 Euro pro Jahr, rechnete die Mediengruppe Bayern kürzlich durch.

Steuererhöhungen gibt es auch für andere Produkte wie Feinschnitt, Pfeifentabak, erhitzten Tabak, Wasserpfeifentabak und sogenannte Substitute für Tabakwaren, zum Beispiel Liquids für E-Zigaretten.

Mehreinnahmen und Anreiz zum Aufhören: Das sind die Erwartungen an die höhere Tabaksteuer

Die Bundesregierung erwartet sich von der höheren Tabaksteuer mehrere Milliarden Extraeinnahmen. Das sei ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Haushalts in Zeiten knapper Kassen.

2025 nahm der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. Im kommenden Jahr werden durch die Neuregelung Steuermehreinnahmen in Höhe von 756 Millionen Euro erwartet, die laut Bundesregierung bis 2030 auf 3,59 Milliarden Euro ansteigen sollen.

„Die Gesetzesänderung dient auch dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und steht im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken“, hieß es bereits im Eckwertebeschluss der Bundesregierung vom 29. April.

Das kritisiert die Tabakindustrie am Gesetz

Der Verband der deutschen Rauchtabakindustrie ging bereits bei der Anhörung im Bundestag davon aus, dass die erhofften Mehreinnahmen „unter keinen Umständen“ fließen werden. Einziger Gewinner werde der Schwarzmarkt sein, heißt es in einer Stellungnahme vom 30. September an den Bundestag. In Deutschland würden illegale Zigarettenfabriken entstehen, warnte der Verband.

Der Bundesverband der Zigarrenindustrie warnte in seiner Stellungnahme vor einer Verzwanzigfachung der Steuer auf Zigarren, was zu Preiserhöhungen von 50 bis 60 Prozent führen werde. Statt zu Steuermehreinnahmen werde es zu einer ernsthaften wirtschaftlichen Bedrohungslage für die lokalen Zigarrenhersteller, ihre 1.600 tarifgebundenen Beschäftigten und für den Fachhandel kommen.

Halten höhere Preise wirklich vom Rauchen ab?

Ja, sagte zumindest der AOK-Bundesverband in seiner Stellungnahme vom 5. Oktober. Deutliche Tabaksteuererhöhungen seien die wirksamste Einzelmaßnahme, um den Tabakkonsum zu reduzieren und insbesondere junge Menschen vom Einstieg abzuhalten. Das würden internationale Erfahrungen zeigen. 

Davon geht auch Kathrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum aus. Es sei nicht zwangsläufig, dass der Schwarzmarkt durch die Steuererhöhung wachsen werde. Zudem verursache Rauchen mehr Kosten, als durch die Tabaksteuer eingenommen werden: Rund 90.000 Krebsfälle werden ihr zufolge durch das Rauchen verursacht. Die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Folgekosten dieser tabakbedingten Erkrankungen werden auf mindestens 97 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Diese Summe nannte auch Dr. Tobias Effertz von der Universität Hamburg in seiner Stellungnahme.

Vorschaubild: © Sven Hoppe/dpa