Monate nach dem Fußballspiel zwischen Nürnberg und Köln zieht der Fall jetzt weitere Kreise. Die Polizei hat mehrere Durchsuchungen vollzogen - 5 davon in Franken.
Der Abpfiff des Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Köln liegt fast ein Jahr zurück, doch eine Schlägerei unter Fußballfans beschäftigt die Ermittler weiter. Am Dienstag, 5. Mai 2026, wurden in diesem Zuge fünf Durchsuchungen in Franken vollzogen, teilt die Polizei Mittelfranken mit.
Im Mittelpunkt steht die Fan-Schlägerei vom Freitag, 9. Mai 2025, im Nürnberger Stadtteil Rennweg. Laut Polizei fanden die Maßnahmen in Nürnberg, Windsbach und Ebelsbach statt, während Ermittler zu Fußballfans, Ultras, möglicher Tatkleidung, Handys sowie zu Kokain und Testosteron weitere Spuren sichern konnten.
Nürnberg: Schlägerei nach letztem FCN-Heimspiel der vergangenen Saison
Besagte Schlägerei ereignete sich im Kontext des Fußball-Zweitligaspiels zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Köln am Freitag, 9. Mai 2025. Während des letzten FCN-Heimspiels der Saison 2024/2025 hatten zahlreiche Passanten am Abend gegen 19.55 Uhr die Auseinandersetzung über den Notruf gemeldet. Wie es im damaligen Polizeibericht hieß, sollen in der Ludwig-Feuerbach-Straße zwei vermummte Gruppen aufeinander losgegangen sein, sich geschlagen haben und anschließend in unterschiedliche Richtungen geflüchtet sein. Der Polizei zufolge nahmen Streifen der Nürnberger Polizei und Einsatzkräfte des mittelfränkischen Unterstützungskommandos anschließend mehrere Dutzend Tatverdächtige fest. Wie die Polizei Mittelfranken mitteilt, bestätigten erste Erkenntnisse den Verdacht, dass es sich um Personen aus den Ultraszenen des 1. FC Nürnberg und des 1. FC Köln gehandelt haben soll.
In der Folgezeit seien es der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und der Kriminalpolizei Nürnberg gelungen, auf Grundlage der vorliegenden Beweismittel weitere Tatverdächtige zu identifizieren.
Der Tatvorwurf wegen Delikten wie gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch richtet sich "derzeit gegen insgesamt 68 Tatverdächtige", so die Polizei wörtlich.
Monate nach Fan-Prügelei: 5 Durchsuchungen in Franken
In diesem Zusammenhang erließ das Amtsgericht Nürnberg zwischenzeitlich elf Durchsuchungsbeschlüsse gegen nachträglich identifizierte Personen. Fast genau ein Jahr nach den Ereignissen, am Dienstag, 5. Mai 2026, teilt die mittelfränkische Polizei mit, dass "am heutigen Dienstag (05.05.2026) mehrere Durchsuchungsbeschlüsse in Bayern und Nordrhein-Westfalen vollzogen" worden seien.
Der Polizei zufolge gab es in Franken insgesamt fünf Durchsuchungen: drei im Stadtgebiet Nürnberg, eine in Ebelsbach im Landkreis Haßberge und eine weitere bei einer Arbeitsstelle in Windsbach im Landkreis Ansbach. In Nordrhein-Westfalen waren laut der Polizei sechs Wohnungen in Köln von den Maßnahmen betroffen.
In mehreren Fällen verschafften sich Einsatzkräfte der Polizei mit unmittelbarem Zwang Zugang zu Wohnungen, wobei Sachschaden entstand. Verletzt wurde bei den Durchsuchungen nach Angaben der Polizei niemand. Sichergestellt wurden in mehreren Wohnungen mutmaßliche Tatkleidung sowie bei mehreren Betroffenen Mobiltelefone.
Neue Beweise gefunden, aber auch Kokain und Dopingmittel
Den Angaben zufolge fanden Einsatzkräfte neben Beweismitteln in einer Nürnberger Wohnung auch Kokain. Gegen den 23-jährigen Bewohner wurde laut Polizei zudem Haftantrag gestellt, weil er im Verdacht steht, an weiteren fußballbezogenen Gewalttaten beteiligt gewesen zu sein. Er wurde festgenommen und soll einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.
In der Wohnung in Ebelsbach stellten Beamte der Polizei außerdem das Dopingmittel Testosteron sicher. Gegen den 25-jährigen Besitzer wird der Polizei zufolge ein Verfahren wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz eingeleitet.
Nach Angaben der Polizei Mittelfranken sollen die sichergestellten Beweismittel nun dazu dienen, die Tatbeteiligung nachzuweisen und weitere bislang unbekannte Tatverdächtige zu identifizieren. Die Ermittlungen dauern laut der Polizei an.
Windsbach liegt im Landkreis Ansbach in Mittelfranken, rund 20 Kilometer östlich von Ansbach und südwestlich von Nürnberg. Ebelsbach liegt im unterfränkischen Landkreis Haßberge am Nordufer des Mains und an den südlichen Ausläufern der Haßberge. Auch ein anderer Fall aus Nürnberg macht deutlich, wie stark Ermittlungen bei Gewaltdelikten auf Zeugenhinweise, Fahndung und anschließende richterliche Maßnahmen angewiesen sind: Nach einer schweren Gewalttat am Nürnberger Hauptbahnhof konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden, nachdem die Ermittlungen weiter verdichtet worden waren.