"Keine Kürzung und kein Beschluss", bekräftigte Streeck nochmals, und stellte sich auf die Seite Aminatis: "Das Beitragsstabilisierungsgesetz bringt nur Zeit, aber wir müssen ein Gesundheitssystem und eine Vision entwerfen, das präventionszentriert ist", meinte er und fügte hinzu: "Das ist der größte Schalthebel."
Was muss sich im Gesundheitssystem ändern?
Aber nicht der Einzige. Es müsse Ordnung ins System kommen, betonte Streeck: "Wir haben ein extrem teures Gesundheitssystem, aber es gibt keine richtige Steuerung." Ein Primärarzt könnte alle Arzttermine auf dem Versorgungspfad koordinieren. "Das bedeutet, dass man eine gute Digitalisierung braucht", sagte er.
"Bei der Digitalisierung sind wir ungefähr so gut aufgestellt wie bei Ergebnissen des Eurovision Song Contests", erklärte Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, und sorgte mit seiner Bemerkung für Lacher im Publikum. Dann aber wurde er wieder ernst. Durch mehr Steuerung könnten auch Terminengpässe vermieden werden, stimmte er Streeck zu. "Das Hauptproblem ist der ungesteuerte Zugang zu allen Ärzten. Niemand muss sich einer medizinischen Notwendigkeitsprüfung unterziehen", kritisiere er.
In manchen Regionen gelange man schnell an eine Vergütungsobergrenze bei den gesetzlichen Krankenkassen. "Wenn nach 10 Wochen das Budget aufgebraucht ist, verdienen sie (Anm.: Ärzte) gar nichts mehr", beschrieb er den Druck auf die Praxen. Gerade in diesen strukturschwachen Regionen müsse durch Telemedzin der digitale Austausch erleichtert werden, fügte Gesundheitsökonomin Clara Schlagowski hinzu.
Aminati empört - "Das ist unfassbar"
Aminati konnte ihre Empörung nicht verbergen. "Das ist unfassbar", sagte sie. Dass es keine Bezahlung für Ärzte gebe, sei "unmöglich", fügte sie hinzu und stellte sogleich die Gretchenfrage: "Wo können wir einsparen?" Ihr Vorschlag: Man könne beispielsweise die Anzahl der aktuell 93 gesetzlichen Krankenkassen und damit den bürokratischen Aufwand reduzieren.
"Das bringt leider nicht so viel", erklärte Gassen und zerpflückte im nächsten Atemzug auch die Maßnahmen zur GKV-Beitragssatzstabilisierung: Die aktuellen Vorschläge seien nicht zielführend. "Die zwei großen Brocken, die nicht angegriffen wurden, sind Pharma", zählte er auf, sowie "die fehlende Gegenfinanzierung von Versicherungsfremden Leistungen - das ist der Elefant im Raum."
Er sprach von den Krankenkassen-Beiträgen der Bürgergeldempfänger: "Das sind 45 Milliarden Euro - da haben wir das Geld." Würden diese Beiträge vom Bund übernommen, hätte das Gesundheitssystem ausreichende Finanzmittel.
"Ich hoffe, dass Frau Warken zuhört", erklärte Aminati zum Schluss der Sendung und schickte "herzliche Grüße" an die Bundesministerin. Moderator Klamroth war zuversichtlich: "Ich bin sicher, sie guckt zu", sagte er.
Quelle: teleschau – der mediendienst