Palim-Palim. In dem kleinen Laden mit den weißen Fliesen an der Wand geben sich die Kunden die Klinke in die Hand. "Was darf`s denn sein?", fragt Margarethe freundlich und legt das Messer beiseite. "Natürlich ein paar Bratwürste", sagt die Kundin und zeigt erst auf die Würste hinter und dann auf den großen Silberpokal auf dem Tresen. "Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz beim Bratwurst-Gipfel", sagt die Frau und wendet sich damit strahlend einem Mann zu, der auf seinen starken Armen gerade eine schwere Wurstplatte spielerisch in die Auslagen bugsiert. "Vielen Dank", sagt Jürgen Brunner, der locker auch als Dressman durchgehen könnte, und macht mit der Hand eine abwehrende Geste, die sicher Bescheidenheit ausdrücken soll.

"Das Bratwurst-Rezept ist von meinem Urgroßvater. Ich habe die Rezeptur bloß aweng frisiert", sagt der 41-jährige Metzger-Meister aus Erlangen, der am Wochenende in Pegnitz zum fränkischen "Bratwurst-König" gekürt worden ist. Über die Auszeichnung freut sich der Metzgermeister freilich trotzdem. "Aber ein Luxus-Metzger will ich deshalb nicht werden. Ich bin einfach ein echter Metzger, der die Wurst noch selber macht", sagt Brunner. "Eigentlich ein Metzger wie früher", sagt er und lässt seine Augen durch seinen Laden in der Vierzigmannstraße wandern. Links stehen die Wurstdosen, rechts stehen die Senftuben. Die Wurst ist hier der Star. Seit über 85 Jahren gibt es den "Brunner" schon. Das Geheimnis der guten Wurst hat sich dabei praktisch nicht verändert. "Fleisch, Pfeffer und Majoran - mehr sag` ich nicht", sagt der Metzger und verschränkt die Arme. Wichtiger als die genaue Rezeptur sei sowieso die gute Handwerkstradition. Entscheidend für den Geschmack der "Sieger-Wurst" sei, dass das Fleisch täglich frisch in groben Stücken in den Naturdarm wandere. "Schon aweng dicker als bei den Nürnbergern, damit die Wurst beim Braten schön saftig bleibt." Mit den kleinen Würstchen aus der Frankenmetropole kann Brunner sowieso nicht allzuviel anfangen. Es stößt ihm sogar "brutal" auf, dass die Nürnberger erst ihre Wurst schützen lassen und dann einfach das Fleisch aus allen Herren Länder nach Franken kutschieren lassen.


Zur Feier des Tages gibts Bratwürste


Er hole - ja, das gehört auch zur Wahrheit der sauguten Wurst - die Schweine und Rinder noch selber vom Bauern. "Ich fahre die Tiere nicht 28 Stunden in der Gegend herum." Höchstens eine halbe Stunde hockt der Metzger hinter dem Steuer, um die Tiere in den Schlachthof zu bringen.

Derweil wird der Laden immer voller. Bald schlägt der Zeiger am Kirchturm ein Uhr. Die meisten Kunden wissen wohl, dass die Metzgerei hier noch eine Mittagspause einlegt und nicht rund um die Uhr geöffnet hat. In der Küche neben dem Laden steht derweil Anita Brunner am Herd. "Zur Feier des Tages gibt es heute natürlich Bratwürste", erzählt sie freudestrahlend und hebt einen Kochtopfdeckel, um das fassfrische Sauerkraut umzurühren. Vor dem Essen will der Meister noch sein Heiligtum vorstellen: die Werkstatt. Man braucht keinen Wallraff, um bei Jürgen Brunner hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Hier räuchert die Wurst, dort reift die Salami. Einen Tag nach dem Pokalgewinn gönnt sich Brunner heute eine Pause. "Heute sind wir König und Königin", sagt Brunner und nimmt erst seine Anita in den Arm und beißt dann in eine frischgebratene Gewinnerwurst.

Kurz bevor Margarethe den Laden zusperren will, schlüpft noch ein Kunde mit Sonnenbrille und kurzen Hosen durch die Tür. Vom großen Pokalgewinn hat Alex Hoffmann noch nichts gehört. "Ich will nur ein paar Wurstsemmeln", sagt er und Margarethe fragt: "Mit Gurke?" Er komme eigentlich immer zum Brunner, wenn er Hunger hat. "Hier schmeckt alles gut." Logisch, würde Jürgen Brunner wohl sagen: Ist ja auch alles noch selbst gemacht.