"Energiewende" und "digitales Zeitalter" sind zwei im Hinblick auf zukunftsweisende Entscheidungen oft genannte Schlagworte. Und diese fielen auch bei der letzten Sitzung des Gemeinderates in diesem Jahr im Zusammenhang mit wichtigen Weichenstellungen.

Im Sommer wurden nach einem Beschluss des Gemeinderats 150 iPads für die Nutzung durch Schüler der Pater-Lunkenbein-Schule geleast. Ein weiterer wichtiger Schritt wird nun folgen, um die Schule zukunftsfit zu machen. Wie aus der Sitzungsvorlage zu entnehmen war, bestätigte die Schulleitung mit Rektorin Ursula Hoydem in Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung, dass eine fest installierte WLAN-Lösung in allen Klassenzimmern für den Unterricht - unter anderem auch für die Nutzung der iPads - benötigt wird und sinnvoll ist.

14 000 Euro Gesamtkosten

In der Sitzung ging es nun um die Umsetzung beziehungsweise die Fassung eines entsprechendes Beschlusses als Startschuss hierfür. Das eingeschaltete Planungsbüro Net Consulting empfahl eine Lösung, deren Gesamtkosten sich auf rund 14 000 Euro belaufen. Das Gremium stimmte über diese Variante ab und fasste einen einstimmigen Grundsatzbeschluss, so dass die Maßnahme im Zusammenwirken mit dem Planungsbüro ausgeschrieben und ausgeführt werden kann.

Otto Weidner (Grüne) hatte in der vorausgehenden Diskussion auch eine aus seiner Sicht denkbare LAN-Lösung (also mit Kabelverlegung statt des kabellosen WLAN) ins Spiel gebracht, thematisierte die Frage der Intensität der Strahlenbelastung. Seine Befürchtungen konnte der für technische Angelegenheiten seitens der Gemeindeverwaltung zuständige und fachkundige Tobias Walter aber dann offenbar entkräften: "Man kann hier von einer sehr geringen Strahlenbelastung sprechen. Das WLAN kann bei Nichtnutzung sofort heruntergefahren werden, jeder Lehrer kann es abschalten." Auch die Schulleitung rät von einer Kabellösung ab, die laut Walter zudem nur sehr schwer umsetzbar wäre. Auch Bedenken, Schüler könnten im Unterricht die iPads als "Handy-Ersatz" zweckentfremden, trat Walter entgegen. Es gebe ganz einfache technische Einstellungsmöglichkeiten, durch die die Lehrkräfte sicherstellen können, dass die iPads ausschließlich für den Unterrichtszweck nutzbar sind, erläuterte er. Gleichwohl handelt es sich aber nur um eine Übergangslösung. Im Zuge der Planungen zur Generalsanierung der Pater-Lunkenbein-Schule ist ferner noch eine "große Lösung" angedacht, um dem digital-technischen Aspekt langfristig Rechnung zu tragen.

Noch fünf Hektar für Photovoltaik

Vor knapp drei Jahren hatte der Gemeinderat das Ziel definiert, dass maximal ein Prozent der Acker- und Grünflächen im Gemeindegebiet für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen zugelassen werden, was rund 40,1 Hektar ausmacht. Unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Photovoltaik-Anlagen in Eggenbach, Draisdorf, Oberbrunn und Unterneuses mit einer Gesamtfläche von rund 35 Hektar können demzufolge noch Anlagen auf einer Fläche von fünf Hektar errichtet werden. Derzeit liegen der Verwaltung drei Anträge von Interessenten vor. Um eine möglichst große Transparenz zu erreichen, soll durch eine Veröffentlichung im gemeindlichen Mitteilungsblatt allen interessierten Grundstückseigentümern die Möglichkeit eingeräumt werden, einen entsprechenden Antrag bis zum 29. Dezember zu stellen. Diese Vorgehensweise wurde in der Sitzung nun mit 19 zu einer Stimme beschlossen.

Nicht nur Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) war sich bei der Diskussion hierzu im Klaren darüber, dass die Ein-Prozent-Regelung natürlich nicht in Stein gemeißelt ist, sondern man sich über eine Aufweichung oder andere Kriterien als Maßstab für eine künftige Zulassung von PV-Flächen Gedanken machen muss. "Das wird in der Zukunft eine erste Entscheidung sein müssen." In dieselbe Richtung gingen auch Wortmeldungen von Otto Weidner, Bernhardt Gehringer für die CSU-Fraktion oder Christian Böhmer für die Freien Wähler. Heinrich Kunzelmann (Freie Wähler) meinte, dass bei Anträgen auf Errichtung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen Einzelfallentscheidungen die bessere Lösung wären als die herrschende Ein-Prozent-Regelung. Es gebe sogar einen Interessenten für eine Fläche mit neun Hektar, merkte Bürgermeister Storath an. Der oben genannte Beschluss beinhaltet, auch solche Anträge zuzulassen und darüber zu befinden. So bleibt der Gemeinde also gar nichts anderes übrig, als sich im Zuge dessen über die Frage der Aufweichung der geltenden Regelung beziehungsweise über die Schaffung anderer Kriterien Gedanken zu machen.

Firma Waves erweitert

Die in Unterneuses ansässige Firma Waves Wassertechnik möchte ihr Betriebsgebäude um ein Bürogebäude mit Ausstellungsfläche sowie Lagerhallen erweitern. Durch den Erwerb des benachbarten Grundstücks wurde nun die Grundlage für die Schaffung des Baurechts gelegt. Mit einem Gremiumsbeschluss von 18 zu zwei Stimmen wurde der dort geltende Bebauungsplan Gewerbegebiet Unterneuses-Nord II erweitert. Otto Weidner hatte vor dem Beschluss das Thema Flächenversiegelung angesprochen. Er kritisierte, dass Ausgleichsflächen außerhalb des Gemeindegebiets angesetzt würden, dadurch verlöre man über diese den Überblick. "Und das widerspricht nach meinem Dafürhalten auch der Grundidee von Ausgleichsflächen."

Seit Oktober werden Bescheide für die Verbesserung und Erneuerung der Entwässerungseinrichtungen erlassen. Nach der Geschäftsordnung ist für die Behandlung von Widersprüchen eigentlich der Verwaltungsausschuss zuständig. Es sei hier mit einem erhöhten Aufkommen an Widersprüchen zu rechnen, heißt es dazu in der Sitzungsinfo. Um auch in Corona-Zeiten eine zeitnahe Bearbeitung dieser Widersprüche zu gewährleisten, wurde seitens der Verwaltung vorgeschlagen, die Zuständigkeit der Bescheide für die Verbesserung und Erneuerung der Entwässerungseinrichtungen vom Verwaltungsausschuss an den Ersten Bürgermeister zu übertragen. Diese Vorgehensweise, die im Vorfeld mit der Rechtsaufsichtsbehörde abgeklärt wurde, beschloss der Gemeinderat mit 18 zu zwei Stimmen.

Normalerweise lassen Bürgermeister und Gemeinderäte in einer Gaststätte nach der letzten Sitzung das Jahr noch einmal Revue passieren, auch in Ebensfeld war dies immer Usus. Doch "normal" ist heuer bekanntlich gar nichts. So wurden diesmal ganz schlicht in der Pater-Lunkenbein-Turnhalle als letzter Punkt der Tagesordnung einige Jahresschlussworte gesprochen.

Diese waren geprägt von Besinnlichkeit, Dankbarkeit und nicht nachlassender Zuversicht trotz der weiteren Ungewissheit, wie weit die Normalität 2021 zurückkehren kann. "Für alle Mitarbeiter war das zu Ende gehende Jahr nicht einfach", so Bürgermeister Bernhard Storath. Er dankte den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, hob dabei diesmal Tobias Walter, hervor, der mittlerweile die in Mutterschutz befindliche Geschäftsführerin der Marktgemeinde, Katrin Lienert, vertritt.

Natürlich geht das Pandemiegeschehen auch an einem Bürgermeister nicht spurlos vorüber. "Corona hat uns halt alles Schöne versaut, was das Leben ausmacht", versuchte er es erst gar nicht mit Schönrednerei. Angesichts der bevorstehenden Feiertage plädierte Storath aber auch dafür, die Kirche im Dorf zu lassen: "Manche denken jetzt, die Welt geht unter, wenn sie einmal eben nicht wie gewohnt Weihnachten feiern können." Die Menschen trügen eben nicht nur für sich selbst Verantwortung, sondern auch für andere, betonte der früher als Intensivpfleger tätige Rathauschef. Für alle Bürger der Gemeinde und auch für die Vereine hoffe er, dass das kommende Jahr wieder erfreulicher werde. In Anbetracht der schwierigen Umstände, die freilich auch die Gemeindeverwaltung 2020 vor Herausforderung stellte, zog er aber in der Beurteilung der Gesamtsituation der Kommune ein insgesamt positives Resümee: "Ich denke, wir brauchen uns nicht verstecken. Wir haben die Gemeinde trotz Corona heuer wieder ein Stück weitergebracht", so Storath, der bei dieser Gelegenheit auch dem im März neu gewählten Gemeinderat für das konstruktive Miteinander Dank aussprach.

Finanziell sei man heuer "mit einem blauen Auge davongekommen", so seine Einschätzung, wohlwissend, dass die Situation auch 2021 nicht einfacher werden dürfte. Besonders dankte er auch allen, die sich für das soziale Miteinander einsetzen. Dieser für eine Gemeinde wichtige Aspekt müsse bei allen Kontaktbeschränkungen auch jetzt so gut es geht gepflegt werden, so der Tenor seiner Schlussworte. Er lud die Bürger dazu ein, dieses Weihnachten einmal ganz bewusst zu erleben. Angesichts der derzeitigen Widrigkeiten brachte er ein wenig Galgenhumor ins Spiel, zitierte den berühmten Karl Valentin, der das offenbar schon zu seiner Zeit hektische - heuer allerdings durch Corona-Auflagen ausgebremste - Treiben rund um die Feiertage schon seinerzeit thematisierte mit dem Ausspruch "Und wenn die stade Zeit vorüber ist, wird's auch wieder ruhiger". Storath wünschte für 2021 allen Bürgern alles Gute, vor allem Gesundheit, und Gottes Segen.

Zweite Bürgermeisterin Gabriele Böhmer (CSU) stellte Storath ein gutes Zeugnis aus: "Du bist auch jetzt, unter schwierigsten Bedingungen, mit viel Herzblut dabei." Man dürfe sich jetzt nicht unterkriegen lassen und den Kopf in den Sand stecken, betonte sie.

Mehr denn je komme es 2021 darauf an, mit Weitblick und Augenmaß zu agieren, so Christian Böhmer für die Freien Wähler. Im Gemeinderat arbeite man "mit- statt gegeneinander", lobte Otto Weidner (Grüne), der auch der Gemeindeverwaltung eine professionelle Tätigkeit bescheinigte.

Tobias Engel (SPD) plädierte dafür, den Fokus darauf zu legen, was machbar ist, statt darüber zu mäkeln, was derzeit nicht möglich ist.