Am oberen Tor, dort wo einst in der Brauerei Dietz wohlschmeckender Gerstensaft gebraut wurde, werden in nicht allzu ferner Zukunft Senioren ihren Lebensabend verbringen. Das alte Gebäude wird abgerissen und durch ein Haus ersetzt, in dem seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen sowie Gastronomie und Gewerbe ihren Platz finden sollen. Diplom-Ingenieur Christian Dietz teilte in der Stadtratssitzung am Montagabend mit, dass im Juni mit den Abbrucharbeiten für das fünf bis sechs Millionen Euro teure Projekt begonnen werde. Bauherr ist die Projektentwicklungsgesellschaft Dileo, hinter der sich die Baufirma Dietz verbirgt.

"Die Abfüllanlage wird im Herbst nach dem Ende der Biergartensaison in der angrenzenden Schänke im Oberen Tor abgerissen", teilte der Experte mit. Erhalten beziehungsweise freigelegt werde die Stadtmauer entlang des Mühlweges. Ebenfalls unangetastet bleiben soll die historische Brauerei-Fassade neben dem Oberen Tor.
Der Bürgerblock (BB) wollte in einem Antrag wissen, mit welcher Summe sich die Stadt Weismain an dem Vorhaben beteilige. "Im Rahmen der Städtebauförderung beteiligen wir uns mit 65 000 Euro an den Abbrucharbeiten", sagte Bürgermeister Udo Dauer (CSU). Großen Wert legte er darauf, dass die Entsorgungskosten von der Firma Dileo getragen werden. "Die öffentliche Wohlfahrtspflege gehört zu den Pflichtaufgaben einer Kommunen", rechtfertigte der Bürgermeister die Beteiligung.

Der Badbauverein, der 1964 mit dem Ziel angetreten war, Weismain ein Schwimmbad zu ermöglichen, löst sich wegen Mitgliedermangels auf. Sein Ziel hatte er übrigens nie verwirklichen können. Was passiert mit seinem Vermögen? Diese Frage wurde im Weismainer Stadtrat aufgeworfen. Bürgermeister Udo Dauer hatte nämlich von der DLRG aus Burgkunstadt ein Schreiben erhalten. Darin fordert der Verein, das Geld für den Bau des geplanten Lehrschwimmbeckens zu verwenden. "Das kommt nicht in Frage", winkte Vorsitzender Andreas Dietz ab. In der nächsten Sitzung werde man die Auflösung beschließen. "Unser Vermögen werden wir der Stadt zweckgebunden zur Gründung einer Bürgerstiftung zukommen lassen." Um was für eine Summe handelt es sich? Dietz hielt sich in dieser Frage bedeckt, ließ nur so viel durchblicken: "Es sind keine 150 000 oder 250 000 Euro, wie in Weismain immer hinter vorgehaltener Hand behauptet werde. Auch das Gerücht, wir könnten damit ein Schwimmbad ins Weismainer Waldstadion integrieren, stamme aus dem Reich der Phantasie. "Das Geld reicht gerademal für eine Busfahrt und ein Essen." Wohin man mit dem Betrag fahren könne, das ließ der Redner allerdings offen.


Weil es tagsüber an Werktagen an Feuerwehraktiven mangelt


Ob in Altenkunstadt, Lichtenfels oder Weismain - überall im Landkreis Lichtenfels haben Feuerwehren mit dem gleichen Problem zu kämpfen: An Werktagen herrscht tagsüber ein Mangel an Aktiven. In Weismain ist dieses Problem besonders ausgeprägt. Das verdeutlichten die Ausführungen von Kreisbrandrat Tim Vogler zum Feuerwehrbedarfsplan, der zum 1. Januar nächsten Jahres in allen Kommunen im Landkreis Lichtenfels eingeführt werden soll: "In ihrer Nachbarkommune Altenkunstadt sind von den 250 Aktiven am Tag 24 Prozent erreichbar, in Weismain, das über 550 Aktive verfügt, die sich auf 18 Wehren verteilen, sind es nur unter 20 Prozent."

Wie kann gegengesteuert werden? Der Experte sprach sich für die Schaffung von Alarmierungseinheiten aus. Auf dem Lichtenfelser Jura würden die Orte Köttel, Lahm, Rottmansthal und Eichig bereits eine solche bilden. Dies bedeute nicht die Auflösung einzelner Wehren: "Sie bleiben als Rettungsorganisationen und als Feuerwehr-Verein weiterhin eigenständig erhalten", stellte der Fachmann klar.

Hauptamtlich auf Teilzeitbasis?

Trotz der Bildung von solchen Einheiten, werde sich die Feuerwehrlandschaft im Landkreis Lichtenfels in den kommenden Jahren gravierend verändern. Davon ist Vogler mit Blick auf die demographische Entwicklung und die steigende Zahl an Pendlern felsenfest überzeugt.
Welche Auswirkungen hätte das für Weismain? "Die Stadt wird nicht darum herumkommen, den Kommandanten ihrer Stützpunktwehr hauptamtlich auf Teilzeitbasis zu beschäftigen. Er wird einige Stunden weniger bei seinem Arbeitgeber arbeiten. Und von der Kommune gibt es dafür einen finanziellen Ausgleich", sagte der Referent.
Zudem zeigte er auf, mit welchen Problemen die Floriansjünger in der Stadt am Fuße des Jura zu kämpfen haben. Im Unterschied zu Altenkunstadt liege die Stützpunktwehr Weismain am Rande des Stadtgebiets und nicht in der Mitte. Die Topografie und die im Winter schlechten Witterungsverhältnisse ließ er nicht unerwähnt.

Experte warnt

Ferner führte er den Zuhörern die Notwendigkeit eines Feuerwehrbedarfsplanes vor Augen: "Um objektiv feststellen zu können, wie gemeindlichen Feuerwehren technisch und personell ausgestattet werden müssen und ob die Hilfsfrist in allen Gemeindeteilen eingehalten werden können, ist es sinnvoll, dass die Gemeinden vor Ort das Gefahrenpotenzial und die vorhandenen gemeindlichen Gefahrenabwehrkräfte erfassen, die Situation analysieren und gegebenenfalls Verbesserungsmöglichkeiten, wie die Bildung von Alarmierungseinheiten, formulieren." Im November dieses Jahres wird der Stadtrat über den Plan abstimmen.
Was passiert, wenn das Votum negativ ausfällt, sprich der Plan abgelehnt wird? "Dann gibt es in Zukunft keine staatlichen Zuschüsse mehr für Weismain, was sie Feuerwehren anbetrifft", warnte der Experte.