"Tiere können wie Kinder sein"

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Sandra Schunk, hier mit Hund Sami, trägt die Verantwortung für die Tierheimbewohner. Foto: Stefanie Gleixner
Sandra Schunk, hier mit Hund Sami, trägt die Verantwortung für die Tierheimbewohner. Foto: Stefanie Gleixner

Sandra Schunk leitet das Tierheim in Lichtenfels. Sie übernimmt Verantwortung für Tiere, die ihr nicht gehören und versorgt sie dennoch so, als wären es ihre eigenen.

Für viele Tierbesitzer sind die eigenen Vierbeiner gleichzusetzen mit Kindern. "Als Erwachsener ist man sowohl für sein Kind, als auch für sein Tier verantwortlich. Beide können sich nicht alleine versorgen", bestätigt Sandra Schunk. Sie leitet das Tierheim in Lichtenfels und weiß, wie groß die Verantwortung gegenüber einem Tier ist.

"Man sollte ein Tierleben lang Verantwortung für es übernehmen und es umsorgen", sagt Sandra Schunk. Wenn man das nicht schultern kann, dann werden die Tiere oft bei ihr abgegeben.

Sechs Katzenbabys auf einmal

Bei Katzen ist das oftmals der Fall bei Schwangerschaften. "Die Besitzer lassen ihre Katzen nicht kastrieren, können die Babys dann nicht versorgen und bringen sie dann zu uns." Bis zu sechs Jungtiere können bei einen Wurf zur Welt kommen. Da kann es im Tierheim voll werden im Sommer. "Bis zu 60 Katzen haben wir dann hier", erzählt Sandra Schunk.

Dabei könnte man das Problem mit einfachen Mitteln umgehen: "Eine Kastration ist eine einmalige Sache, wenn die sowohl bei männlichen und weiblichen Katzen gemacht wird, dann tauchen keine Babys auf, die keiner haben möchte."

An jeden, der Babys bei ihr abgibt, appelliert sie, dass er seine Katzen bitte kastrieren lassen soll, damit sowas zumindest nicht noch einmal passiert.

Drei bis vier Wochen im Heim

Lange bleiben die abgegebenen Tiere aber meist nicht im Tierheim. Rund drei bis vier Wochen seien die meisten hier, danach gehe es in ein neues Zuhause, sagt Sandra Schunk aus Erfahrung. Seit zwölf Jahren arbeitet sie im Tierschutz.

"Wir freuen uns über jedes Tier, das wir wieder vermitteln können, denn die Tiere sollen ein Zuhause bekommen", sagt Sandra Schunk.

Dennoch sind manche Tiere aus dem Tierheim nicht einfach. "Bevor wir ein Tier an die neuen Besitzer rausgeben, führen wir viele Gespräche mit ihnen. Denn Tierheimhunde können bereits viel erlebt haben und sind nicht immer die einfachsten Tiere. Es ist wichtig, dass man sich bewusst ist, dass es am Anfang Probleme geben kann, aber man trotzdem weiter an das Tier glaubt und verantwortlich dafür ist, auch wenn es schwierig sein kann", betont Sandra Schunk. Unterstützung gibt es von Seiten des Tierheims aber immer: "Wir sind verantwortlich für die Tiere, solange sie bei uns sind, aber auch danach sind wir noch Ansprechpartner und statten dem neuen Zuhause Besuche ab. Wir geben jedem Tipps, der sie brauchen kann und möchte."

Denn das Einsehen von Problemen ist auch ein Teil der Verantwortung gegenüber dem Tier. "Wenn man merkt, dass man mit seinem Tier nicht zurecht kommt, dann sollte man sich Hilfe suchen. Wir als Tierheim oder auch Hundetrainer sind ein guter Ansprechpartner", sagt Sandra Schunk.

Und wenn das nicht hilft, dann kann das Tier immer noch abgegeben werden: "Wir sind niemandem böse, der sein Tier bei uns abgibt. Lieber ist es bei uns sicher und findet ein neues Zuhause, bevor es irgendwo ausgesetzt wird - oder im Internet verkauft wird."

Durch Verkäufe über eBay werden die Tiere teilweise an den Erstbesten weitergegeben, ohne zu wissen, wie erfahren er im Umgang mit Tieren ist. "Wir hatten einen Hund hier, der neun Monate alt war und bereits sechs mal über eBay verkauft wurde, bevor er bei uns landete", sagt Sandra Schunk. "Als Verkäufer bin ich doch in der Pflicht dafür zu sorgen, dass das Tier in gute Hände kommt."

Diese Tiere entwickeln sich dann meist zu Problemtieren, da sie es nicht kennen, sich auf Menschen einzulassen und diesen zu vertrauen. Viel Arbeit, Zeit, Einfühlsamkeit und Erfahrung ist da gefragt. Und das auch außerhalb eines geregelten Arbeitstages. "Wir sind hier aktuell zu dritt und würden uns über eine weitere helfende Hand freuen. Wenn es Probleme gibt oder ein Notfall ist, dann sind wir auch außerhalb unserer normalen Arbeitszeit zur Stelle. Denn ein Kind kann ich ja auch nicht nach Feierabend zur Seite stellen."

Ein Problem gibt es für Sandra Schunk bei der Verantwortung, die sie da übernimmt nicht: "Für mich macht es keinen Unterschied, Verantwortung für meine eigenen Tiere oder die im Tierheim zu übernehmen. Sie sind mir alle gleich wichtig."