Lichtenfels
Spritpreise

"Graut uns davor": Tankrabatt läuft aus - Tankstellen-Pächterin hat jetzt schlimme Befürchtung

Zum 1. September 2022 läuft der Tankrabatt der Bundesregierung aus. Eine Tankstellen-Pächterin aus Lichtenfels befürchtet dann Schlimmes.
Lichtenfels: Tankrabatt läuft aus - Tankstellen-Pächterin äußert schlimme Befürchtung für September
Wie geht es weiter, wenn am Donnerstag (1. September 2022) der Tankrabatt endet? Eine Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin ahnt Böses. Foto: Walther-Tankstelle Lichtenfels
  • Lichtenfels: Tankstellen-Pächterin mit schlimmer Befürchtung
  • Tankrabatt läuft zum 1. September 2022 aus 
  • Erste Vorboten bereits jetzt an der Zapfsäule sichtbar
  • Weniger Kundschaft als üblich bei Tankstelle Walther

Der Tankrabatt der Bundesregierung läuft in der Nacht zum Donnerstag, dem 1. September 2022, aus. Doch was droht Autofahrern dann an der Zapfsäule? Darüber herrscht aktuell große Unsicherheit, Zahlen des ADAC deuten auf eine drohende erneute Preisexplosion hin. Die Pächterin der Tankstelle Walther in Lichtenfels, Melanie Förtsch, zumindest, hat große Befürchtungen mit Blick auf ihre Kundschaft und den September.  

"Mit Sicherheit": Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin geht von deutlich höheren Spritpreisen aus

Erste Vorboten einer deutlichen Preissteigerung sind bereits jetzt zu sehen, der ADAC meldete am Mittwoch nach wochenlangem Sinkflug und kurzer Stagnation wieder einen deutlichen Anstieg der Spritpreise. Grund für den Anstieg sei vermutlich eine höhere Nachfrage mit Blick auf einen drohenden Preissprung in der kommenden Woche, so der ADAC. Bei den Preisen handelt es sich allerdings um bundesweite Durchschnittswerte. Nach Angaben des ADAC gibt es zurzeit je nach Anbieter und Region größere Preisunterschiede als sonst.

Hinzu kommt ein weiter großes Nord-Süd-Gefälle: Unter anderem durch die hohen Transportkosten aufgrund des Niedrigwassers im Rhein müssen Menschen im Süden im Schnitt mehr für Sprit bezahlen als im Norden. Melanie Pförtsch von der Walther-Tankstelle im Lichtenfels habe keine Vergleichswerte aus dem Norden, erklärt sie gegenüber inFranken.de. Aber auch bei ihr merke man einen Preisanstieg. "Von Mittwoch auf Donnerstag sind die Literpreise um 4 Cent gestiegen", so Pförtsch. 

Sie glaube "mit Sicherheit, dass die Preise wieder hochgehen", nachdem der Tankrabatt in der kommenden Woche ausläuft. Für sie seien das keine guten Nachrichten. "Je teurer es wird, desto weniger Kunden kommen und die Umsätze sinken", sagt Pförtsch. Deshalb sei eine Verlängerung des Tankrabatts "aus meiner persönlichen Einschätzung natürlich gut" gewesen. "Ich tanke ja auch für das gleiche Geld wie alle anderen, während etwa Energie und Lebensmittel immer teurer werden."

"Dann geht Gejammer wieder los": Tankstellen-Mitarbeiter unverschämt angegangen - droht das jetzt wieder?

Zu Beginn des Ukraine-Kriegs hatte die Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin bereits mit inFranken.de gesprochen - und von Beleidigungen und Beschimpfungen seitens wütender Kunden und Kundinnen erzählt. "Wir sind das schwächste Glied in der Kette. Aber wir sind vor Ort, wir sind das Druckventil", sagte Pförtsch im März.

Mit Einführung des sogenannten Tankrabatts sanken die Preise dann auch - allerdings nicht in dem Maß, wie es angesichts der Steuersenkung um 35 Cent pro Liter für Benzin und 17 Cent für Diesel erwartbar war. In der Folge gab es Diskussionen darüber, ob Mineralölkonzerne die Steuersenkung vollständig an die Kunden weitergeben.

Schon zu Beginn des Krieges hatte es Aufregung um die Spritpreise gegeben - teils stiegen sie weiter, während der Rohölpreis schon sank. Das Bundeskartellamt startete deshalb Mitte April eine sogenannte Sektoruntersuchung, erste Ergebnisse sollen im Herbst präsentiert werden.

Tankrabatt brachte "Entspannung bei der Kundschaft"

Der ADAC hält die Spritpreise angesichts etwa des Rohölpreises auch jetzt nach wie vor für zu hoch. Bei der Tankstelle Walther habe der Tankrabatt, "nachdem er irgendwann im Juli sichtbar war" doch zu einer deutlichen Entspannung bei der Kundschaft geführt, so Pächterin Pförtsch. 

"Es graut uns davor, wenn es den Tankrabatt nicht mehr gibt. Dann geht das Gejammer wieder los", so ihre schlimme Befürchtung. Mit dem Ende der Maßnahme könnten die Preise weiter steigen - was bis 1. September 2022 möglicherweise viele Autofahrer an die Zapfsäule lockt.

Der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen Uniti warnt deshalb für die kommenden Tage vor Wartezeiten an Tankstellen. Bei einer extrem hohen Nachfrage seien kurzzeitig und regional begrenzt auch Kraftstoff-Engpässe möglich.

Verlängerung des Tankrabatts? "Wäre gar nicht so verkehrt"

"Wir sehen bei uns noch keinen Ansturm", erklärt die Lichtenfelser Pächterin gegenüber inFranken.de. Bemerkbar sei lediglich, dass die Kundschaft nicht so zahlreich komme "wie ansonsten im Sommer". Daran sei aus ihrer Sicht auch das 9-Euro-Ticket schuld, "es ist natürlich Konkurrenz für uns". Auch generell bemerke Pförtsch, dass trotz Tankrabatt oft am Sprit gespart werde. 

Der ADAC rechnet nicht damit, dass die Preise mit dem Ende des Rabatts sofort und sprunghaft ansteigen. Der Grund: Durch den Rabatt kaufen auch Tankstellenbetreiber günstiger ein. Deshalb sei davon auszugehen, dass sie ihre Treibstofftanks vor dem 1. September 2022 noch einmal auffüllten und Benzin und Diesel dann zunächst weiter vergünstigt abgäben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Während der Tankrabatt in Deutschland wegfällt, wird er in anderen Ländern verlängert - oder sogar erhöht, in Frankreich etwa. Die Regierung in Paris wollte die Hilfe für Autofahrer zunächst abschmelzen, nun steigt der Preisabschlag pro Liter an der Zapfsäule vom 1. September an noch einmal von 18 auf 30 Cent. Im November und Dezember soll er dann auf 10 Cent verringert werden und dann zum Jahresende ganz auslaufen - so zumindest der bisherige Plan. "Das wäre gar nicht so verkehrt, wenn er länger bleiben würde", findet die Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin

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