Versucht ein Heimleiter seinen Ruf zu retten? Oder schlampen Landratsamt und Impfteams? Nach dem Covid-Ausbruch im Pflegeheim St. Elisabeth, bei dem über 50 der knapp 60 Bewohner infiziert wurden, gibt es einen Streit zwischen einer Einrichtung und den Behörden, wie es sie im Verlauf der Pandemie im Landkreis noch nie gegeben hat.

Auch unsere Redaktion hat in den vergangenen Tagen mehrfach mit Heimleiter Fabian Franke gesprochen. Und wenn durch so ein Geschehen fast ein ganzes Heim und die Hälfte der Mitarbeiter erkranken, sind das keine leichten Zeiten - und auch keine leichten Gespräche. Warum konnte das passieren? Franke betonte, dass man bisher von Corona-Fällen verschont gewesen sei.

Er führte das darauf zurück, dass man in seinem Heim penible Kontrollen und regelmäßige Tests durchgeführt habe. Es könne nicht sein, dass hier das Virus ins Heim gelangt sei. Doch umgekehrt sagte er in mehreren Gesprächen mit unserer Redaktion, dass er dem Impfteam nicht unterstelle, das Virus eingeschleppt zu haben. Denn das war am 27. und 28. Dezember im Heim vor Ort, um hier als einer der ersten Einrichtungen im Landkreis Bewohner zu impfen. Dies mehrfach und auf klare Nachfrage.

Doch was ist nun passiert? Gegenüber anderen Medien sagt er nun das Gegenteil und unterstellt dem Landratsamt schwere Fehler in allen Bereichen - bis hin zu der Aussage, seine Mitarbeiter seien schlecht informiert wurden, so dass die Impfbereitschaft unter seinen Mitarbeiten nur bei 50 Prozent gelegen habe. Erst als er eine Broschüre verteilt habe, sei die Bereitschaft auf 70 Prozent gestiegen.

Auch scheint er inzwischen öffentlich zu betonen, dass das Impfteam schlampig gearbeitet habe, Masken falsch getragen worden seien oder teilweise auch keine Schutzanzüge.

In zehn Einrichtungen unterwegs

Nur in einer von zehn Senioren-Einrichtungen, in denen Impfteams um dieselbe Zeit herum unterwegs waren, ist es zu einem Ausbruch gekommen, eben im Pflegeheim St. Elisabeth. Im Impfteam gab es keinen Corona-Fall. Bisher lief auch die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Pflegeeinrichtungen ruhig.

"Es ist das erste Mal, dass wir erleben, dass jemand so mit dem Finger auf andere zeigt und dort die Schuld sucht", sagt Sprecher Andreas Grosch. Schon den Vorwurf, man sei schlampig mit Schutzkleidung umgegangen, weist man deutlich zurück. Und man weist auch darauf hin, dass der Kontakt beim Impfen nur kurz sei und der Mindestabstand von 1,5 Meter nur für den Impfvorgang kurz unterschritten werde.

Im Vorfeld der Impfung habe das Landratsamt alle Heime und Einrichtungen nach der Impfbereitschaft abgefragt, die Impfung ist freiwillig - es wurde die Zahl der impfwilligen Mitarbeiter und Bewohner ermittelt. Die Impfberatungsbögen seien im Vorfeld verteilt worden.

Es habe mehrere gemeinsame Videokonferenzen mit den Heimleitungen gegeben und der Besuch des Impfteams wurde mit ihnen abgesprochen. Die Mitglieder des Impfteams seien alle fassungslos über diese Vorwürfe, so das Landratsamt in einer Mitteilung.

Erstmals meldet sich auch Landrat Christian Meißner (CSU) direkt öffentlich zu Wort: "Es werden hier Personen nachgewiesenermaßen zu Unrecht an den Pranger gestellt, die sich über das übliche Maß hinaus zur Bekämpfung der Pandemie seit Monaten engagieren - im Gesundheitsamt, bei der Heimaufsicht, in der Führungsgruppe Katastrophenschutz und natürlich auch im Impfzentrum. Dass wir ständig neue Vorwürfe entkräften müssen, bindet unnötige Kapazitäten, die besser bei der Bekämpfung des Ausbruchsgeschehens investiert sind. Nachdem das Ausbruchgeschehen abgeschlossen ist und eine Analyse vorliegt, findet sich sicherlich Zeit für eine Manöverkritik."

Weiter im Austausch

Auch sei man weiterhin im ständigen Austausch, um die Heimleitung bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Heimaufsicht unterstütze etwa bei den Dienstplänen und bei der Personalplanung. Auch habe das Landratsamt einen Antrag auf Unterstützung durch die Bundeswehr im Pflegeheim gestellt, der mittlerweile auch bewilligt wurde.

Man müsse gemeinsam versuchen, das Ausbruchsgeschehen in dem Heim in den Griff zu bekommen, und nachdem eine Analyse vorliegt, eine Manöverkritik ziehen, sagt Meißner.