Fix und fertig war Andreas Dreitz am Sonntag. "Ich wusste nicht, wie ich mich bewegen sollte", sagte der 31-jährige gebürtige Michelauer. Als Vierter hatte der Oberfranke seinen sechsten Langdistanz-Triathlon beendet. In Panama City Beach in Florida (USA) lief er (wir berichteten) mit 4:06 Minuten Rückstand zum Sieger Chris Leiferman (USA, 7:52:44 Stunden) ins Ziel.

Muskel droht mit Krampf

Das Problem für Dreitz war beim Marathon, dass er auf Platz 2 liegend ab Kilometer 28 mit Anzeichen von Krämpfen zu kämpfen hatte. "Immer wenn ich beschleunigen wollte, zuckte es in der Muskulatur. Es war ein Balanceakt, ein hohes Tempo zu laufen, aber nicht so schnell, dass ich einen Krampf riskiere", beschrieb der Oberfranke seine Lage. So musste er in der Folge Matt Hanson und später auch noch Sam Long passieren lassen, verteidigte aber immerhin den vierten Rang in diesem Geisterrennen bis ins Ziel. "Da kam überhaupt kein Rennfeeling auf. Zeitweise lief ich völlig allein an der Straße am Strand. Außer ein paar Autos war nichts los."

Als einen Grund für die Muskulaturprobleme gab der 31-Jährige die überraschend hohen Temperaturen in Panama City Beach an. "Das zehrt. Vor allem die Kanadier und Europäer, die nicht bei solchen Temperaturen trainiert haben, bekamen Probleme und waren dehydriert", berichtet Dreitz. "Klar hat nach ganz vorne nicht viel gefehlt, doch dafür muss halt alles passen", weiß er aus seiner langjährigen Profi-Erfahrung.

Freude über Planungssicherheit

Der Ärger über den verpassten Podiumsplatz am Golf von Mexiko war jedoch tags darauf schnell verflogen, als der Profi vom Team Erdinger-alkoholfrei die Bestätigung erhielt, dass er als Vierter einen der drei dort zu vergebenen Startplätze für die Weltmeisterschaft auf Hawaii 2021 ergattert hatte. Der drittplatzierte Amerikaner Sam Long hatte das Ticket für das Mekka der Triathleten bereits sicher, so dass Dreitz als Vierter noch zum Zug kommt. Das nimmt dem Michelauer im kommenden Jahr den Qualifikationsdruck. "Vor allem für die Planung im nächsten Jahr, in dem ja wohl auch nicht so viele Rennen stattfinden können, ist das echt Gold wert", ist die Erleichterung aus Dreitz' Worten förmlich herauszuhören.

Die Triathlonszene hofft auf eine normale Saison 2021 mit dem Höhepunkt im Oktober auf Hawaii. Bis dahin kann der 31-Jährige nun auf seinen dritten Start in Kona hinarbeiten.

Vier Wochen noch im Sunshine-State

Am Montagmorgen war der als Einzelkämpfer reisende Dreitz bereits wieder auf dem Rad unterwegs, um "die Muskulatur zu lockern". "Die wenigen Stufen zum Strand waren eine Herausforderung. Vielleicht suche ich mir hier noch einen Masseur", meinte er am Telefon. Vier Wochen wird der Michelauer noch im Sunshine-State Florida verbringen, nur unterbrochen von einem Trip nach Texas. Dort wird er am 22. November den Ironman-70.3 in Galveston bei Houston bestreiten. Höhepunkt des Jahres wird der Start am 6. Dezember bei der PTO-Weltmeisterschaft in Daytona Beach, an der Atlantik-Küste Floridas, sein. Bei dem Einladungsrennen der Organisation der Profitriathleten kämpft die Weltelite der Frauen und Männer um ein Preisgeld von 1,15 Millionen US-Dollar.

Über die halbe Ironmandistanz will Dreitz vorne landen. Vor allem durch das 20-Meter-Windschattenfahrverbot rechnet er sich Vorteile auf dem Oval der Autorennstrecke aus. "Wenn es denn durchgesetzt wird", fügt der Michelauer hinzu, der inzwischen mit seiner Freunding in Goslar im Harz wohnt.