Quirliges Treiben im Schulhof. Angeregtes Geplapper. Alle freuen sich an diesem sonnigen Vormittag auf das Himmelsereignis. Unter stahlblauem Himmel tummeln sich die Gymnasiasten im Schulhof. Dort hat Physiklehrer Alfred Förner ein 20-Zentimeter-Spiegelteleskop aufgestellt. Außerdem präparierte er ein Fernglas auf einem Stativ so, dass es als Projektor diente und die zunehmend zur Sichel werdende Sonnenscheibe auf eine dahinter aufgestellte Tafel abzeichnete. "Das ist völlig gefahrlos", sagt Alfred Förner.

An diesem Tag kommen gleich drei Ereignisse zusammen: Sonnenfinsternis, Frühlingsanfang und Weltglückstag. Wenn das keine himmlisch gute Konstellation ist, das Ereignis zu einem Erlebnis werden zu lassen, was sonst?

Erster Kontakt um 9.34 Uhr

"Wir warten auf den ersten Kontakt", sagt Alfred Förner. Er meint damit die erste sichtbare Überlagerung der Sonnenscheibe durch den Mond, also "wenn der Schatten beginnt, die Sonne anzuknabbern". Kurz darauf ist es soweit: "9.34 Uhr - erster Kontakt." Das Sonnenrad ist nun eingedellt.

Während mehrere Physiklehrer den Schülern das Geschehen am Himmel wissenschaftlich erklären, wird die Sonnenscheibe auf der Projektionsfläche mehr und mehr zu einer Sichel. Mit bloßem Auge können die Gymnasiasten hier verfolgen, was am Himmel geschieht. Zahlreiche Schüler haben aber auch Spezialbrillen dabei. Die meisten besitzen Modelle, die sie im Physikunterricht mit ihren Lehrern selbst gebastelt haben - dazu nutzten sie die Folie einer handelsüblichen Rettungsdecke.

Schulleiter Stefan Völker ist begeistert vom Himmelsereignis und davon, den Kindern und Jugendlichen die Freude am Beobachten des Naturereignisses nahebringen zu können. Für alle Siebtklässer, sagt er, biete sein inzwischen pensionierter Kollege Alfred Förner seit rund 30 Jahren den Wahlkurs Astronomie an. Das Erfreuliche daran sei, dass das Interesse an diesen Samstagsveranstaltungen ungebrochen fortbestehe, lobt Völker: "Da kommen Eltern mit ihren Kindern und verbringen eine gemeinsame Zeit." Zwischen 20 und 40 Teilnehmer werden jeweils bei den Kursen gezählt.

Halbmonde auf dem Schreibtisch

Über die Schreibtischplatte des Oberstudiendirektors wandern inzwischen kleine halbmondförmige Lichtpunkte. Das Sonnenlicht fällt durch kleine Öffnungen der Jalousien, die wie eine Lochkamera wirken. "Wenn mich Alfred Förner nicht darauf hingewiesen hätte - ich hätte das vielleicht gar nicht bemerkt", sagt Stefan Völker und justiert das Rollo nach, damit die Halbmonde noch schärfer auf Schreibtischplatte und Teppichboden zu sehen sind.

Währenddessen krabbelt ein Sonnenfleck über die Projektionsfläche hinter dem Fernglas unten auf dem Schulhof. Kunsterzieher Anton Köcheler scherzt über die Sonnenfinsternis: "Das hab ich bei mir zu Hause auch - wenn ich das Licht ausschalte. Das ist dann Kunst."

Inzwischen ist die Atmosphäre milchig trüb, das gleißende Sonnenlicht fällt wie durch einen Filter auf die Erde. Ganz dunkel wird es freilich nicht.

Im Gebüsch sitzt ein Schwarm Spatzen. Die Vögel tschilpen munter weiter, ebenso heiter wie die Schüler. Wäre es eine totale Sonnenfinsternis, hätten zumindest die Spatzen das Schwätzen einige Zeit eingestellt.