"Schubert pur". Doch welcher Franz Schubert? Am Sonntag gestaltete sich das Programm der Kammermusik in Kloster Banz in zwei Schubert-Richtungen aus: seine Liedkunst und ein Streichquintett. Zehn Lieder, zu denen auf Wunsch auch die Texte ausgegeben wurden, hatte die Sopranistin Lydia Teuscher gemeinsam mit Korrepetitor Lukas Maria Kuen vor sich. Sie bildeten ein interessantes Gespann mit vielen Stationen: Sie war einst Ensemblemitglied der Dresdener Semperoper oder der Bayerischen Staatsoper, zudem im Concertgebouw Amsterdam, im London Symphony Orchestra oder in der Carnegie Hall in New York. Er ist Professor für Klavier an der Hochschule München und Mitglied des BR-Symphonieorchesters.

Emotionaler Gesang

Gemeinsam gingen Lydia Teuscher und Lukas Maria Kuen die Ausgestaltung großer emotionaler Gegensätze an. Was die Hintergründe dieser auch bilden mochte, erwähnte in seiner Publikumsbegrüßung auch der Künstlerische Leiter der Kammermusik auf Banz, der eine Passage aus einem Schubert-Brief verlas.

In ihr sprach Schubert (1797-1828) davon, dass das Erkennen der Wirklichkeit fatal sei, er sich die Wirklichkeit aber durch seine Fantasie "zu verschönern suche". Diese Fantasie setzte er in Noten, schuf Passagen zu dramatischen oder zartfühlenden Textstellen.

Das Einfühlungsvermögen zur Ausgestaltung und zum Einfinden in jeweilige Seelenlagen fehlte auch Lydia Teuscher nicht. Die Frau bewies ihren angenehmen Sopran, kommt ohne allzu süßlich-flirrendes Timbre aus und hat eigene Qualitäten. Als stellvertretend für ihr Können mochte besonders das Lied "Die Liebende schreibt" gelten, in welchem die Seelenlagen höchst unterschiedlich ausfallen, in welchem es Hoffnung und Enttäuschung authentisch zu gestalten gilt.

Nach der Pause war die Zeit für das Streichquintett C-Dur, op. 163 D 956 gekommen, welches von Dagmar Puttkammer, Michaela Reichel-Silva (jeweils Violine), Paulina Riquelme (Viola), Tobias Tauber und Achim Melzer (jeweils Cello) zu bewältigen war. Allesamt sind sie Mitglieder der Bamberger Symphoniker und manche von ihnen sind immer wiederkehrende Künstler im Kaisersaal.

Anspruchsvolle Umsetzung

Das Publikum und die Musiker bekamen es mit einem Werk zu tun, welches abwechslungsreich ist und die Ungewöhnlichkeit besitzt, für zwei Celli komponiert worden zu sein. Mit hoher Kunstfertigkeit formte das Quintett das Leitmotiv des Satzes aus, baute es Takte später neu auf, wobei dem Pizzicato der Celli sogar taktgebende Funktion beikam. Was es an Dunklem zu gestalten gab, wurde präzise von den Celli übernommen, bevor man zum Leitmotiv mit leichter melodischer Abweichung zurückkehrte.

Nächste Saison gesichert

Das Publikum war vom umfangreichen Programm und der Umsetzung angetan. Zwischenzeitlich wurde verlautbart, dass die nächste Saison der Veranstaltungsreihe gesichert sei.