Tragisch nannte Rechtsanwältin Anett Raumschüssel den Entscheid von Richter Stefan Hoffmann, ihren Mandanten ins Gefängnis zu schicken. Unverständlich nannte sie ihn nicht. Weil er unter Bewährung ein Delikt beging, für das er schon vorgeahndet war, muss ein Altenkunstadter für 13 Monate einrücken.

Der 8. November 2015 sollte sich für den 23-jährigen Arbeiter als verhängnisvoll erweisen. Gegen 6.30 Uhr fuhr er zwischen seinem Ort und Weismain mit 1,24 Promille in einen Graben. Doch nicht nur das kam heraus, auch seine Fahrten unter Urkundenfälschung wurden offenbar. So nennt sich das, wenn man mit falschem Kennzeichen fährt. Tatsächlich soll der Beschuldigte an mehreren Terminen mit dem falschen Nummernschild am falschen Auto unterwegs gewesen sein. Unstrittig war, dass er ohne Führerschein startete.


Einiges konnte er nicht erklären

Doch so sortiert das Auftreten des Angeklagten auch war und so entgegenkommend er wirkte, es gab Dinge, die konnte er dem Gericht nicht erklären. Auch sich selbst gegenüber nicht. Denn beispielsweise just nach einer Alkoholsause, von der er von einem Freund heimgebracht wurde, stieg er unter falschem Kennzeichen in sein nicht zugelassenes Auto und fuhr mit ihm davon. Eine Idee, wie er überhaupt in das Auto hineingekommen sein mochte, hatte er nicht.

Drei Zeugen sollten gegen den Altenkunstadter auftreten. Doch am schwersten mochte die Aussage eines Polizeibeamten gewogen haben, der es am Tag des Unfalls mit Ausflüchten des 23-Jährigen zu tun bekam. Er sei "drei betrunkenen Radfahrern" ausgewichen und darum von der Straße abgekommen. So die damalige erste Version des Angeklagten, der bald das Eingeständnis der wahren Ursache folgen sollte.

Dann folgten bald die Plädoyers. Das von Staatsanwalt Hain musste in den Ohren des Altenkunstadters bedrohlich klingen, wurde es doch mit den Worten "Er ist ein hartnäckiger Fahrer ohne Fahrerlaubnis" eingeleitet. Auch zählte der Staatsanwalt weitere Punkte auf, die gegen ihn und auch gegen eine Bewährungsstrafe sprachen: Hafterfahrung, eine unter offener Bewährung begangene Tat, eine weitere kommende Verhandlung. Zu seinen Gunsten konnte der junge Mann vorbringen, dass er seine Abhängigkeit eingesehen und eine Suchttherapie in Angriff genommen habe.

"Ich bitte um Bewährung", waren seine letzten Worte. Es begann das Warten darauf, ob der Begriff Bewährung im Urteil fallen würde. Er fiel nicht. Hofmann zeigte sich davon überzeugt, dass der Verurteilte angesichts seiner Altlasten und Delikte mit 13 Monaten gut genug bedient sei, zumal der Staatsanwalt 15 Monate gefordert hatte. Überraschend war das Urteil nicht. Tragisch für den Verurteilten mochte es aber doch sein. Immerhin erwartete ihn ein sicherer Ausbildungsplatz. Noch vor ihrem Mann verließ eine enttäuschte Ehefrau den Gerichtssaal.