Stell Dir vor, es gibt eine Feuerwehr, aber nicht mehr genügend Floriansjünger, die an einem Werktag ausrücken! Ein Gedanke, der im Landkreis Lichtenfels bereits Realität ist. "In kleineren Orten sind tagsüber mitunter nur noch drei bis vier Leute vorhanden, da die anderen tagtäglich zur Arbeit in größere Kommunen pendeln. In der Gemeinde Altenkunstadt sind von den 248 Aktiven an Werktagen nur 60 Personen greifbar", verdeutlichte Kreisbrandrat Timm Vogler am Dienstagabend im Gemeinderat den Zuhörern die Notwendigkeit des Handelns.
Gegengesteuert werden soll mit sogenannten Alarmierungseinheiten. Auch am Obermain sollen solche Einheiten gebildet werden, auch über kommunale Grenzen hinweg: "Die Wehren von Maineck und Prügel, die sich auf Altenkunstadter Gemeindegebiet befinden, könnten mit der Wehr des Burgkunstadter Ortsteils Mainklein eine Alarmierungseinheit bilden", sagte der Experte.
Wiederfinden wird man die
Alarmierungseinheiten im Feuerwehrbedarfsplan, der der eigentliche Grund für den Besuch des obersten Feuerwehrchefs im Landkreis war. Die Bildung solcher Einheiten würden keine Auflösung der einzelnen Ortswehren bedeuten: "Sie bleiben als Rettungsorganisationen und als Feuerwehr-Verein weiterhin eigenständig erhalten", stellte er klar. Zudem erläuterte Vogler, wie das Ganze bei einem konkreten Schadensereignis vor sich gehe: Mehrere Wehren würden gemeinsam alarmiert, um die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten nach Eingang der Meldung zu erfüllen. Die Feuerwehrleute würden dann von einem zentralen Standort aus, der mit einem Fahrzeug besetzt sei, gemeinsam an die Einsatzstelle ausrücken. Auch gemeinsame Übungen seien vorgesehen, so Vogler.

Bauhof-Mitarbeiter sollen in FFW

Um die Zahl der Aktiven zu erhöhen, empfahl er der Gemeinde, Mitarbeiter im Bauhof unter der Prämisse einzustellen, dass sie Dienst bei der Feuerwehr leisten müssten. "Das ist rechtlich zulässig. Das haben wir von der Feuerwehr juristisch prüfen lassen", sagte er.
Zudem ermunterte er die Kommune, eine Feuerschau durchzuführen. Öffentliche Gebäude und größere Firmen werden bei einer solchen Untersuchung auf brandgefährliche Zustände hin überprüft. "Die Feuerschau, die dem vorbeugenden Brandschutz dient, existiert seit 40 Jahren. In Altenkunstadt wurde sie bislang noch nicht durchgeführt", schrieb der Referent dem Gemeinderat und der Gemeinde ins Stammbuch.
Zudem führte er die Notwendigkeit eines Feuerwehrbedarfs planes vor Augen: "Um objektiv feststellen zu können, wie gemeindlichen Feuerwehren technisch und personell ausgestattet werden müssen und ob die Hilfsfrist in allen Gemeindeteilen eingehalten werden können, ist es sinnvoll, dass die Gemeinden vor Ort das Gefahrenpotenzial und die vorhandenen gemeindlichen Gefahrenabwehrkräfte erfassen, die Situation analysieren und gegebenenfalls Verbesserungsmöglichkeiten, wie die Bildung von Alarmierungseinheiten, formulieren."
Bis zum 1. Januar nächsten Jahres soll in allen Kommunen im Landkreis Lichtenfels eine Feuerwehrbedarfsplanung durchgeführt und ein Plan entworfen werden. Ein Muster-Feuerwehrbedarfsplan werde, so Vogler, federführend seitens der Kreisbrandinspektion in Abstimmung mit den federführenden Kommandanten erstellt und mit den politisch Verantwortlichen abgestimmt.

Energienutzungsplan

Die Gemeinde Altenkunstadt möchte die Energiewende aktiv mitgestalten. Den ersten Schritt hierzu machte sie bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Einstimmig wurde die Verwaltung beauftragt, Angebote für einen Energienutzungsplan einzuholen. Neben der Nachbarkommune Burgkunstadt, die ebenfalls mit der Durchführung des kommunalen Planungsinstruments liebäugelt, will man nun auch die Stadt Weismain mit ins Boot holen. "Ich werde bei der Stadt Weismain anfragen, ob sie Interesse an der Durchführung eines Energienutzungsplanes haben. Ich bin auf das Ergebnis gespannt und werde es dem Gremium mitteilen", erklärte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU).
Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Oberfranken hatte am 22. April die Gemeinde- und Stadträte aus Alten- und Burgkunstadt in der Altenkunstadter Synagoge über den Plan ausführlich informiert. Dass Weismain nicht eingeladen war, stieß Frank Novotny von den Sozialen Bürgern (SB) und Walter Limmer von der Jungen Wähler Union (JWU) sauer auf. "Als Baiersdorfer habe ich nach Weismain den gleichen Weg wie nach Altenkunstadt", stellte Novotny klar. Deutlichere Worte wählte Limmer: "Für mich hat dieses Kirchturmdenken ein Geschmäckle."
"Wegen der räumlichen Nähe haben wir Burgkunstadt eingeladen", rechtfertigte sich Bürgermeister Robert Hümmer (CSU). Er erinnerte daran, dass Weismain wegen des Erhalts von Konsolidierungshilfen nicht alles Wünschenswerte umsetzen dürfe. Zugleich versprach er, Weismain zu einer Teilnahme zu ermuntern.
Limmer machte darauf aufmerksam, dass Weismain dank seiner Solar- und Windparks fast schon energieautark sei. Für den Gemeinderat sind Synergieeffekte zwischen den drei Kommunen denkbar. Konkret dachte er an ein Fernwärmenetz, an das man alle drei Kommunen anschließen könnte.

Hohe staatliche Förderung

Gemeinderätin Almut Schuhmann (SPD) befürchtete mit Blick auf den Bearbeitungszeitraum von 15 Monaten, der für die Ausarbeitung des Energienutzungsplanes vorgesehen ist, dass dringend notwendige Maßnahmen, wie die energetische Sanierung der Grundschule für längere Zeit auf Eis lägen. "Diese Maßnahmen können vorgezogen werden", zerstreute Hümmer die Bedenken. Zudem rief er den Zuhörern noch einmal die Kosten für einen solchen Plan in Erinnerung, die sich auf rund 35 000 Euro belaufen. Die staatliche Förderung bezifferte er auf 70 Prozent.