Im Januar 1980 wurde die Partei Bündnis 90/Die Grünen gegründet. Bei der Bundestagswahl 1983 gelang den Grünen der Einzug in den Bundestag. In den Folgejahren etablierte sich die Partei auf der Landesebene. Zunehmend traten die Grünen auch in der Kommunalpolitik in Erscheinung. 2013 stellte die Partei bereits 40 Bürgermeister. Umgekehrt war der Michelauer Gemeinderat ein unbeackertes Feld, als Ralf Hirle als bisher erster und einziger Gemeinderat am 15. März 2020 den Sprung in das Michelauer Gremium schaffte.

Initiiert wurde der grüne Aufbruch in der Korbmachergemeinde durch den langjährigen SPD-Gemeinderat Paul Habich nach dessen Austritt aus der SPD. Auf der Suche nach einer neuen politischen Heimat liebäugelte er, unterstützt durch den Lichtenfelser Stadtrat Siegbert Koch, mit der Partei der Grünen. Auf der Suche nach weiteren Mitstreitern wandten sich die beiden an Ralf Hirle, dessen grüne Gesinnung dem Ringerfreund und Mannschaftkollegen Siegbert Koch nicht verborgen geblieben war. Seit Jahren war Ralf Hirle von den Zielen der Grünen überzeugt und gehörte zu deren Stammwählern auf Bundesebene. Das Eintreten der Partei für Klimaschutz und die Menschenrechte waren für ihn wichtige Ziele, deren Verfolgung er bei den anderen Partien nicht erkennen konnte. Angeregt durch Paul Habich und Siegbert Koch kandidierte er im März 2020 für den Michelauer Gemeinderat und war von seinem persönlichen Abschneiden bei der Gemeinderatswahl positiv überrascht. Einmal mehr erwies sich die Kommunalwahl als reine Persönlichkeitswahl.

Ralf Hirle ist kein Unbekannter. Er pflegt enge Kontakte zum Turnverein. Immer wieder kann man ihn als DJ Ralf bei Rock-Partys erleben. Damit pflegt er einen engen Kontakt zur Jugend. Seit über 20 Jahren engagiert er sich in der Vereinsarbeit beim AC Lichtenfels.

Letztlich lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Paul Habich, der den Listenplatz 1 für sich beanspruchte. Es war ein denkbar knappes Rennen. Erst die Auszählung der Briefwahlstimmen brachte die Entscheidung. Er hatte mehr Stimmen als Paul Habich. Damit zog der 53-jährige Vertriebsleiter als erster und einziger Gemeinderat der Grünen in das Michelauer Gremium ein.

Er sieht sich gut vernetzt

Kommunalpolitik war für ihn Neuland. "Ich musste einiges nachlesen, wie Gremien, Fraktionen und Ausschüsse funktionieren", bekennt er freimütig. Im neuen Gemeinderat fühlt er sich durchaus wohl, zumal er den Eindruck hat, dass der neue Michelauer Bürgermeister Dirk Rosenbauer seinem Wahlversprechen, als Teamplayer zu agieren, gerecht wird. Als Einzelkämpfer gehört Ralf Hirle keiner Fraktionsgemeinschaft an und hat auch keinen Sitz in einem der drei Ausschüsse.

Klimaschutz, ein globales Thema: Hier gelte es, Bürgerenergiekonzepte wie Solarprojekte zu fördern und alle Entscheidungen im Gemeinderat auf ihre Klimaverträglichkeit hin zu überprüfen. Dazu gehöre es auch, den Durchgangsverkehr in Michelau in geordnete Bahnen zu lenken. Gleichzeitig wünsche er sich den Ausbau von Fahrradwegen, etwa im Bereich der Bahnhofstraße. Ökologisch und ökonomisch sinnvoll sei es sicher auch, die vorhandenen Leerstände zu nutzen. Hirle: "Wenn irgendwo etwas im Argen liegt, dann ist es wichtig, dass sich die Bürger aktiv an mich als den grünen Gemeinderat wenden." Er sieht sich als Einzelkämpfer im Gemeinderat gut vernetzt. Hilfreich ist der enge Kontakt zum Kreisverband der Grünen in Lichtenfels. Kontakte gibt es auch zum Bund Naturschutz. Natürlich sei es nicht ganz einfach, wenn man in der Meinungsbildung ganz auf sich allein gestellt sei, meint Hirle. Als Gast war er schon bei den Fraktionssitzungen der CSU, SPD und den Freien Wählern. Eine Fraktionsgemeinschaft könne er sich am ehesten mit der SPD oder den Freien Wählern vorstellen. Aber man müsse ja nichts überstürzen.

Ralf Hirle gehört zu den Räten, die sich aktiv in die Gemeindepolitik einbringen wollen. "Grüne Themen" gebe es zur Genüge und "selbst übergeordnete Ziele wie der Klimawandel oder die Verkehrspolitik müssen vor der eigenen Haustür in Angriff genommen werden".