In einem ungewohnten Outfit präsentiert sich zurzeit die Michelauer Johanneskirche. Der gesamte Kirchturm an der Ostseite ist mit einem dicken Baugerüst ummantelt, das sich seit einigen Tagen hinter festen Planen verbirgt. Das Ganze erinnert ein wenig an die Verhüllungskunst von Christo und Jeanne-Claude, hat aber weniger einen künstlerischen, sondern einen rein praktischen Hintergrund.

In mehreren Bauabschnitten soll die Johanneskirche restauriert werden. "Dabei konzentriert man sich zunächst auf die äußere Hülle", verrät die Dekanin Stefanie Ott-Frühwald. Unübersehbarer Hinweis darauf, dass etwas unternommen werden muss, war die Wetterfahne auf der Turmspitze. Die begann sich bereits im zurückliegenden Jahr zu neigen. Der Kaiserstuhlstiel, so wird das Gebälk und die innere Spitze der Turmkonstruktion bezeichnet, in dem das Turmkreuz verankert ist, auf der äußerlich Kugel und Wetterfahne aufsitzen, war durchgemorscht. "Wir sind dankbar, dass da nichts Schlimmes passiert ist", so die Dekanin Stefanie Ott-Frühwald.

Wetterfahne entfernt

In einer spektakulären Aktion wurde am 17. Januar mithilfe eines riesigen Krans die Wetterfahne nebst der dazugehörenden Säule entfernt. Seitdem ist der Turm spitzenlos. Ferner entdeckte man an der Wetterseite des Turms lockere Fugen. Hier laufen noch die Untersuchungen, ob dies allein der Verwitterung geschuldet ist, oder ob die Schwingungen des Glockenstuhls die eigentliche Ursache sind.

Was steckt in der Zeitkapsel?

Zu den aufregenden Besonderheiten der Dachsanierung gehört es, dass in der Spitze des Turms eine Zeitkapsel entdeckt wurde. Es handelt sich um ein etwa 70 Zentimeter langes Kupferrohr, das auf beiden Seiten verschlossen ist. Dieses wurde offensichtlich bei früheren Arbeiten am Turm dort deponiert. Das Klappern verrät, dass im Innern wohl Münzen aus der damaligen Zeit eingeschlossen sind. Auch dürften sich darin weitere Zeitdokumente in schriftlicher Form befinden. Laut Dekanin Stefanie Ott-Frühwald soll die Zeitkapsel in einer der nächsten Sitzungen des Kirchenvorstands geöffnet werden. "Gern hätten wir dies im Rahmen einer Gemeindeveranstaltung unter Beteiligung vieler Interessierter getan. Aufgrund der Corona-Pandemie ist dies leider nicht möglich."

Momentan ist man dabei, die Verblechung der Haube zu entfernen, um den Zustand der acht darunterliegenden Holzstreben untersuchen zu können. Inklusive des Gerüstbaus dürften allein für die Sanierung des Turmes Kosten in Höhe von 150 000 Euro anfallen. Wichtig ist, dass die Erneuerung der Kirchturmspitze noch vor der Schlechtwetterphase abgeschlossen werden kann.

Ein weiterer Schwachpunkt sind die Kirchenfenster. Hier besteht die Gefahr, dass einzelne der Butzenglasscheiben herausfallen. Als Experte für diese anspruchsvolle Restaurierung konnte Günther Johrend aus Schwebheim bei Schweinfurt gewonnen werden. Der gerät angesichts der vorhandenen Fenster regelrecht ins Schwärmen. Diese wurden im Rahmen der Kirchensanierung in den Jahren 1932/33 eingebaut. Sie stammen, wie die Signatur verrät, aus dem Atelier des Glaskünstlers Christian Abel, der in Nürnberg eine renommierte Werkstatt für Glasmalerei führte. Christian Abel war ein akademischer Maler, der in Berlin studiert und in Sofia eine Glasmalschule eröffnet hat.

Was die Fenster zeigen

Die bunten Fenster beschreiben vier herausragende Ereignisse aus dem Alten und Neuen Testament: Moses mit den zehn Geboten, die Bergpredigt, die Opferung Isaaks und die Kreuzigungsszene. Die vier Fenster wurden 1932 von zwei Familien gestiftet. Zum einen von Johann Schardt zum anderen von den Gebrüdern Stamm. Die Butzenglasscheiben wurden nach einem bewährten Verfahren hergestellt. Die Gläser sind mit Schwarzlot (geriebenes Glaspulver) bemalt. Dieses wird bei einer Temperatur von 680 Grad in das Glas eingebrannt. Anschließend wurden die Gläser mit einer Lasur überzogen.

Die Begeisterung des Restaurators rührt daher, dass es sich um Glastechniken handelt, die so bereits im Mittelalter angewandt wurden. Zudem sind alle Fenster im Originalzustand erhalten. Sie blieben von Beschädigungen in Kriegszeiten ebenso verschont wie von negativen Einflüssen in der Nachkriegszeit. Allerdings sind an einigen Stellen inzwischen die Kupferhaften, welche die runden Glasscheiben fixieren, lose geworden. Hier muss unbedingt für Abhilfe gesorgt werden.

Insgesamt dürften sich die Arbeiten an der Johanneskirche noch einige Zeit hinziehen. Eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen, die seit längerem beschlossen sind, stehen an. So sollen die Schäden an der Außenfassade, die durch einen verunfallten Lkw entstanden sind, beseitigt werden. Geplant sind weiterhin Veränderungen im und vor dem Altarraum mit einem barrierefreien Zugang zum Altarraum und der Einbau einer Toilette. Alles in allem handelt es sich um eine gewaltige logistische und nicht zuletzt finanzielle Herausforderung im hohen sechsstelligen Bereich.