Hochrangige Politiker sprechen von einem "Lockdown light". Für die direkt Betroffenen klingt das wie Hohn. Gastronomiebetriebe, Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen sind seit dem 1. November geschlossen. Erlaubt bleiben lediglich Lieferdienste und Essen zum Mitnehmen. Ebenfalls betroffen sind Hotels und Pensionen. Sie dürfen keinen Touristen mehr aufnehmen.

Angesichts galoppierender Infektionszahlen spricht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) von einer dramatischen Lage. "Gesundheitsschutz hat generell Vorrang", das sieht auch Volker Gagel so. Er ist der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bayern). Aber dass man speziell die Gastronomie komplett herunterfährt, das ärgert ihn. "Wir Wirte haben ein Super-Hygienekonzept umgesetzt, mit Desinfektion, Einmal-Handtüchern, Abstandsregelung und Dokumentation. Ein Konzept, das oft in anderen Bereichen nicht so streng umgesetzt wird." Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Einkaufswägen im Supermarkt. "Wir, die kleinen und mittelständischen Betriebe, habe eh schon zu kämpfen." Es würde ihn auch nicht wundern, wenn auch in der bevorstehenden Vorweihnachts- und Weihnachtzeit alles geschlossen wird.

Abhol- und Lieferservice

Seit dem Frühjahr gibt es beim "Finkenhof", dem Gastronomiebetrieb von Volker Gagel, neben dem Gaststättenbetrieb einen Abhol- und Lieferservice. Denn wenn von den zehn Tischen im Lokal nur jeder zweite besetzt werden darf, dann braucht man schon ein zweites Standbein. Wenn nun aber der Gaststättenbetrieb komplett wegfällt, dann bedeutet dies einen erheblichen Verlust.

"Die Situation ist für uns katastrophal, weil wir noch vom Frühjahr zu knabbern haben", verrät Volker Gagel. Der Betrieb hat auch in der Zwischenzeit die Verluste nicht wettmachen können. Dabei ist Volker Gagel im Vergleich zu anderen Gastronomiebetrieben noch in einer durchaus "komfortablen" Situation. Der Familienbetrieb muss nur zwei Leute in Kurzarbeit schicken. Hinzukommt, dass die Übernachtungsmöglichkeiten im "Finkenhof" nicht von Touristen in Anspruch genommen werden. Dauermieter, die berufsbedingt in Michelau übernachten, belegen die Zimmer.

Auf jeden Fall hat sich Volker Gagel als Antwort auf den Lockdown etwas einfallen lassen. Schon jetzt wurde der Abhol- und Bringservice gut angenommen. Ein "Drive in" soll den Außerhausverkauf noch einfacher machen. Am Bratwurststand draußen vor der Gaststätte wird es in den kommenden Sonntagen jeweils eine Spezialität des Hauses zum Mitnehmen geben. Los geht's mit Schäufele. Wer etwas anderes möchte, muss sich direkt an die Küche wenden. Auch der bekannte Wurstverkauf im Freien an den anderen Tagen bringt etwas Geld in die Kassen.

Viel Geld investiert

Zu den größten Gastronomiebetrieben im Landkreis gehört der Landgasthof Karolinenhöhe, ein Familienbetrieb wie der "Finkenhof". Seit Juli 2017 haben die Familien Jakob-Zenk ihr Unternehmen speziell im Beherbergungsbereich enorm erweitert. Um dem Ansturm der Gäste Rechnung zu tragen, an schönen Sonn- und Feiertagen sind es Hunderte Gäste, wurden auch die Parkflächen großzügig erweitert. Der finanzielle Aufwand war beachtlich.

Und dann kam der "Lockdown" und jetzt der "Lockdown light". So etwas hat es in der 170-jährigen Geschichte der Karolinenhöhe bisher noch nicht gegeben. In den letzten Jahren ging es ständig aufwärts. Deshalb hat man auch investiert. Mit so einem totalen Einbruch hatte niemand gerechnet. "Das ist für uns schon ein Schock, dass wir völlig schließen müssen. Im Sommer schien doch alles wieder in Ordnung zu sein", verrät Cornelia Zenk, die das Unternehmen in der dritten Generation führt. Persönlich glaubt sie auch nicht, dass Ende November wieder eine gewisse Normalität einkehrt.

"Für uns als Unternehmen fühlt sich das schrecklich an, weil die Einnahmen wegbrechen. Niemand macht eine betriebliche Weihnachtsfeier. Wir waren vor Weihnachten immer ausgebucht, jeden Tag. Alle Hoffnungen richteten sich auf die Gäste, die immer zum Essen kommen oder eine kleine Familienfeier ausrichten.

Alles wurde gecancelt. Schlimm findet sie es persönlich, dass sie ihre Mitarbeiter nicht mehr beschäftigen kann. Die müssen jetzt ihren Resturlaub abfeiern oder in Kurzarbeit gehen. Betroffen sind sechs festangestellte Mitarbeiter sowie mehrere Aushilfen. Die Zeiten, in denen diese Mitarbeiter nicht arbeiten können, werden mit 60 Prozent durch die Bundesagentur für Arbeit entlohnt. Cornelia Zenk erkennt die Bemühungen der Politik durchaus an: "Es wird schon viel gemacht, aber letztlich müssen diese Beträge ja auch wieder durch Steuern ausgeglichen werden."

Bleiben die Mitarbeiter?

Zudem befürchtet Cornelia Zenk, dass sie durch die Sparmaßnahmen gute Mitarbeiter verlieren könnte. "Dann hat man im Sommer volles Haus und plötzlich keine Mitarbeiter mehr." Ihre Helfer reagieren zwar sehr verständnisvoll, aber dennoch ist die Ungewissheit für die junge Geschäftsführerin sehr belastend. "Man kann doch nicht immer wieder die Wirtschaft anhalten", meint sie.

Genau wie Volker Gagel empfindet sie es als ungerecht, dass die Gastronomie zu den Hauptbetroffenen zählt. "Wir haben alle Vorschriften eingehalten und selbst im Sommer bei 30 Grad mit Mundschutz gearbeitet. Und jetzt stehen wir wieder mit Null da." Natürlich gebe es auch Kollegen, die sich nicht an die Vorgaben hielten, räumt sie ein. "Da müsste halt auch mehr kontrolliert werden."

Der erweiterte Beherbergungsbereich der Karolinenhöhe steht nur noch Geschäftsreisenden offen. Ein paar Vertreter kommen weiterhin, aber keine Urlauber. Die Gäste im Hotel dürfen nur auf ihren Zimmern bewirtet werden, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Das Einzige, was momentan bleibt, ist der Abholservice zu den üblichen Öffnungszeiten. Abgeholt werden kann unter der Woche abends, am Samstag und Sonntag mittags und abends. Geblieben sind auch die bekannten Aktionstage mit Schaschlik und Spareribs.

" Wir sind froh, dass dieses Angebot, das Abholen von Speisen nach Vorbestellung, so gut angenommen wird. Denn es steht zu befürchten, dass trotz aller staatlichen Hilfen viele Betriebe einen mehrmaligen Lockdown nicht überleben werden", meint Cornelia Zenk.