Die hausärztliche Versorgung in Oberfranken ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Es werden mehr junge Mediziner gebraucht, die sich für den Hausarztberuf entscheiden und sich auch im ländlichen Raum niederlassen wollen. Zu diesem Thema führte der Verein "Oberfranken Offensiv" in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Hausärzteverband, dem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Verein "Förderung der Hausarztmedizin in Bayern" am Donnerstag eine Veranstaltung im Klinikum Lichtenfels durch.


Ungleichgewichte erkannt

Mit Spannung wurde das Referat von Gesundheitsministerin Melanie Huml von Medizinstudenten, Ärzten in der Weiterbildung und Bürgermeistern aus dem Landkreis Lichtenfels erwartet.
Die Ministerin unterstrich, dass die Menschen ausreichend mit Haus- und Fachärzten versorgt werden müssen, insbesondere in den ländlichen Regionen. Es gebe genug Ärzte, aber nicht überall dort, wo sie gebraucht werden. Ungleichgewichte entstünden durch das Verteilerproblem. Sie wolle darauf hinwirken, dass die bisher großen Planungsbereiche aufgeteilt werden. Dabei konzentrierten sich die niedergelassenen Ärzte in den Ballungszentren, in den ländlichen Gegenden bestehe wenig Chancen für Ärzte, die sich dort niederlassen wollen.


Hof, Kronach und Bamberg

Als Beispiel nannte sie die Landkreise Hof, Kronach und Bamberg. "Wir haben keinen generellen Ärztemangel. Ein Großteil der Planungsbereiche ist sogar überversorgt", stellte sie fest. Allerdings drohe das Wurzelgeflecht von Hausärzten dünn zu werden. Ein Drittel der Hausärzte sind 60 Jahre oder älter. Zum anderen fehle es an Nachwuchs. Nur zehn Prozent der Ärzte in der Weiterbildung absolvierten diese in einem Fach, das in einer hausärztlichen Tätigkeit münde. Und von den zehn Prozent könne man diejenigen an einer Hand abzählen, die bereit sind, sich auf dem Land niederzulassen.
Vor allem in kleineren Gemeinden falle es schon jetzt immer schwerer, Praxisnachfolger zu finden. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns habe bereits einen Strukturfonds eingerichtet, um daraus Arztniederlassungen in schlechter versorgten Gebieten attraktiver zu machen, erläuterte die Ministerin. Auch die Staatsregierung habe ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. In den Jahren 2012 bis 2014 standen 15,5 Millionen Euro zur Verfügung, bis 2016 weitere 11,7 Millionen Euro. Medizinstudierende erhielten 300 Euro Stipendium, wenn sie ihre Weiterbildung auf dem Land absolvierten und anschließend dort fünf Jahre tätig sind. Innovative medizinische Konzepte würden mit 200 000 Euro gefördert. Bis zu 60 000 Euro Startkapital erhielten Ärzte und Psychotherapeuten, wenn sie sich auf dem Land niederlassen.
"Wenn wir junge Ärzte für das Land gewinnen wollen, müssen wir Köpfe und Herzen des ärztlichen Nachwuchses gewinnen", so die Botschaft an die Studierenden. Der niedergelassene Einzelkämpfer in eigener Praxis sei für den Nachwuchs nicht mehr so attraktiv wie früher. Es biete sich die Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis in einem Angestelltenverhältnis an.


Image des Landarztes verbessern

So könnte Familie und Beruf miteinander vereinbar sein. Ein Punkt war der Ministerin besonders wichtig: "Bei der jungen Generation muss ankommen, dass Landarztsein ist interessant, attraktiv, manchmal anstrengend, aber auf jeden Fall erstrebenswert". Nicht nur das Image des Landarztes müsse verbessert werden, sondern Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten in Bayern eingerichtet werden. Zusätzlich sei auf Bundesebene ein "Masterplan Medizinstudium 2020" erarbeitet worden, um wirklich alle Stellschrauben für mehr Hausärzte auf dem Land zu drehen.
Huml forderte darüber hinaus mehr Medizinstudienplätze in Bayern. In Augsburg wird es 250 Plätze in der neuen medizinischen Fakultät geben. Auch die Auswahlkriterien müssten verbessert werden. Die Abiturnote allein könne nicht entscheidend sein. Soziale Kompetenz oder Engagement im medizinischen Bereich seien genauso wichtig. Ein kleiner Teil der Studienplätze müsste für Bewerber reserviert werden, die nach dem Studium in unterversorgte Gebiete gehen. Wenn es auch dagegen Bedenken gebe, halte sie die Landarztquote für richtig. "Für eine hochwertige medizinische Versorgung auf dem Land brauchen wir kein Klienteldenken, sondern Offenheit gegenüber neuen Ansätzen und Entwicklungen", war die Ministerin überzeugt.