Er ist kein Freund langen Palavers. Wenige Gesprächsminuten reichen, um das über Michael Zapf zu wissen. Er fokussiert sich auf das, was ansteht, will den Überblick behalten. Das ist auch ein Grund, weshalb er morgens in der Regel der Erste im Rathaus ist - um 6.30 Uhr. Dabei muss er nicht gegen seinen persönlichen Biorhythmus arbeiten, denn er mag das frühe Aufstehen, ein Morgenmensch also. Dann und wann eine lange Sitzung am Abend, wie es zum Kommunalpolitikerdasein dazugehört, könne er trotzdem gut verkraften, versichert er auf Nachfrage. Und merkt an, dass ihm daran gelegen sei, keine ausufernden Diskussionen über Nichtigkeiten aufkommen zu lassen. Mit der Uhr im Augenwinkel wird auch unser Gespräch über die persönliche 100-Tage-Bilanz des neuen Bürgermeisters geführt; die Termine sind an diesem Vormittag eng getaktet. Vom obligatorischen Foto hat Zapf seine eigene und ebenfalls zeitverkürzende Vorstellung, nämlich bestehende Aufnahmen digital weiterzugeben.

Den Haushaltsplan abgespeckt

Vor kurzen hat der 38-Jährige die Weismainer darüber informiert, dass eine für die Kernstadtsanierung wichtige finanzielle Förderung des Freistaates, mit der fest gerechnet wird, vorerst ausgesetzt wurde. Auch darüber, dass der Haushaltsplan für das laufende Jahr vor der Abstimmung durch den neu zusammengesetzten Stadtrat noch einmal überarbeitet, sprich abgespeckt wurde. Was nütze es, Projekte, von denen man wisse, dass man sie in absehbarer Zeit ohnehin nicht anpacken kann, immer wieder fortzuschreiben und drin stehen zu lassen? Der Beschluss fiel einstimmig. Doch nicht nur für den Etat wurde eine Prioritätenliste erstellt. Auf einer Idee des Geschäftsleiters basierend zeigt eine digitale Übersicht den jeweiligen Sachgebietsleitern die anstehenden Aufgaben verschiedenfarbig markiert und in alphabetischer Rangordnung an: A bedeutet höchste Dringlichkeit, F niedrige. Die Notizen, die er sich in seinem schwarzen Terminbuch macht, überträgt der Bürgermeister jeden Tag in eine Excel-Liste im Computer. Das ist ihm wichtig, um zu gewährleisten, dass nichts verloren geht.

Aus verschiedenen politischen Lagern wird Michael Zapf eine "gute Sacharbeit" konstatiert. Seine eigene Fraktion der Gemeinschaft Unabhängiger Bürger (GUB) haben wir wohlgemerkt gar nicht gefragt, weil da diese Antwort anzunehmen gewesen wäre. Keine Selbstverständlichkeit indes ist die Einlassung seitens der CSU, die mit der Abwahl des Amtsvorgängers, "ihres" Bürgermeisters, auch den Verlust der Mehrheit akzeptieren musste. Man blicke nun auf die bevorstehenden Herkulesaufgaben wie Rathaus- und Kanalsanierung und empfinde das Miteinander im Gremium gerade als sehr gut, äußert Michael Bienlein. SPD-Vertreter Michael Dreiseitel attestiert Michael Zapf die Fähigkeit, auf Leute zugehen zu können und "gut durchgestartet" zu sein.

Das wiederum deckt sich mit dem, wie jener selbst das Hineinfinden in die neuen Aufgaben erlebt hat. Er spricht von einem "Superteam" im Rathaus. Ihn eingerechnet sind es 17 Personen, und der größte Teil von diesen hatte sich übrigens bei der Wahl nicht zwischen ihm und Vorgänger Udo Dauer entscheiden müssen, weil sie gar nicht Bürger des Jurastädtchens sind.

Michael Zapf findet, seine Erfahrungen aus 20 Jahren bei der Bundeswehr seien ihm durchaus dienlich, denn auch hier habe man es zu einem Großteil mit Projektarbeit zu tun. Und was das Verwaltungsspezifische angeht, meint er: "Da wächst man schnell rein."

Eine Aufzählung dessen, was schon getan oder noch zu tun ist, folgt an dieser Stelle nicht. Drei Monate im Amt sind kein Zeitraum, um eine Bringschuld zu suggerieren. Da stehen Kennenlernen und Sich-Einarbeiten im Vordergrund, dem Amt die eigene Handschrift verleihen. Daran hat Michael Zapf ganz offensichtlich Spaß. Er will die Bürger besser einbinden in das, was getan wird, mehr erklären. Ein Instrument dafür ist das Amtsblatt "Jurabote", das es schon seit 25 Jahren in Weismain gibt. In den jüngsten Ausgaben finden sich Übersichten zum Stand wichtiger Vorhaben, auch die jeweiligen Ansprechpartner im Rathaus werden dabei genannt. Es ist eine Möglichkeit, die Bürger mitzunehmen, aber auch keine Gewähr dafür, dass sie sich mitnehmen lassen. Zumindest hat Zapf auf die Veränderung im Mitteilungsblatt hin schon positives Feedback wahrgenommen.

Besprechungen lieber vor Ort machen als in seinem Dienstzimmer ist ein weiterer Ansatz, den der neue Bürgermeister vorhat. Apropos Dienstzimmer: Wo das in den nächsten Jahren sein wird, wenn die große Sanierung anläuft und die Verwaltung ausgesiedelt werden muss, ist noch nicht entschieden. Da zeigt sich Zapf unkompliziert, weil auslandseinsatzerfahren: "Solange ich Computer und Handy habe und meine Leute außenrum, ist das ausreichend."