Den zweiten "Rathaussturm" im Staffelsteiner Rathaus innerhalb kürzester Zeit erlebten die Stadträte bei ihrer Sitzung am Dienstagabend. Die Feuerwehr rückte mit zwei Dutzend Einsatzkräften an, um ihrem Antrag, die Beschaffung eines Kommandowagens, Nachdruck zu verleihen.
Kommandant Stefan Liebl, seine Stellvertreterin Nicole Trapper und die Mannschaft waren dann enttäuscht, dass die Volksvertreter den Antrag ablehnten. Allerdings mit sieben Gegenstimmen quer durch die Fraktionen, ein außergewöhnliches Ergebnis, bei den sonst überwiegend einstimmig gefassten Beschlüssen.
"Aus fachlicher Sicht ist die Beschaffung eines Kommandowagens nicht erforderlich", stellte Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) fest. Er berief sich auf Stellungnahmen des Kreisbrandrats Timm Vogler und der zuständigen Sachgebieten der Regierung von Oberfranken. Mithilfe des vorhandenen neuwertigen Mehrzweckfahrzeugs könnten sämtliche Tätigkeiten, die außerhalb des klassischen Einsatz- und Übungsdienstes verrichtet werden müssen, erledigt werden.
Der Hintergrund für die Ablehnung des Antrags der Brandschützer, der am 16. April 2015 gestellt wurde, war der sogenannte Feuerwehrbedarfsplan, den der Stadtrat beschlossen hatte. "Wir stehen in den nächsten fünf Jahren vor einer Mammutaufgabe. Es werden erhebliche öffentliche Mittel eingesetzt, um den Feuerschutz im gesamten Stadtgebiet zu gewährleisten", sagte der Bürgermeister. Es gelte zunächst, den Bedarfsplan zu finanzieren. Freiwillige Leistungen, wie das beantragte Fahrzeug, müssten zurückstehen.


Auch für Einsätze am Staffelberg

Der Kommandowagen soll laut Feuerwehr als reguläres Führungsfahrzeug eingesetzt werden, aber auch für den überörtlichen Einsatz bei Gefahrengutunfällen oder Starkregen. Gebraucht werde er als Erkundungsfahrzeug in unwegsamen Gelände, als Absturzsicherung und bei Einsätzen am Staffelberg oder an der ICE-Neubaustrecke. Christian Ziegler (Junge Bürger) schlug vor, in den Beschluss aufzunehmen, dass die Beschaffung des Kommandowagens nach Möglichkeit vorzuziehen sei. Aus feuerwehrtaktischen Gründen sei das Fahrzeug wichtig, unterstrich Jürgen Hagel (CSU). Allerdings räumte er dem Bedarfsplan mit seinen zahlreichen Pflichtaufgaben Vorrang ein. Trotzdem solle man weiter im Gespräch bleiben. Dem pflichtete Walter Mackert (CSU) bei, der grundsätzlich für die Anschaffung war.
Für Bürgermeister Kohmann war das letzte Wort noch nicht gesprochen: "Vielleicht finden sich Finanzierungsmöglichkeiten". Holger Then (Junge Bürger) machte in diesem Zusammenhang den Vorschlag, ein Fahrzeug zunächst für ein Jahr zu leasen. Bei erfolgreichem Einsatz könne der Vertrag verlängert werden. Winfried Ernst (Freie Wähler) regte an, Sponsoren fzu finden. Hans Bramann (Freie Wähler) konnte sich eine Großveranstaltung zugunsten des Fahrzeugs vorstellen.
Kommandant Stefan Liebl machte im Anschluss deutlich, dass laut der Regierung von Oberfranken für Gemeinden über 2000 Einwohner Kommandofahrzeuge anzuschaffen seien. Am 14. April 2015 hätte das auch Kreisbrandrat Timm Vogler bei einer Sicherheitsbegehung in der Adam-Riese-Halle bestätigt. "Daraufhin haben wir den Antrag zwei Tage gestellt", sagte er. Man hätte sich auf die Suche nach einem geeigneten Fahrzeug gemacht und sei vor drei Monaten fündig geworden. Es handele sich um einen allradgetrieben Pkw aus dem Jahre 2008 mit einer Laufleistung von 100 000 Kilometern zum Preis von 14 000 Euro. Liebl versicherte, dass er großen Wert auf den Bedarfsplan lege, den er selbst mit ausgearbeitet hätte. Die Verbesserung der Ausrüstung kleinerer Wehren stehe im Mittelpunkt.