In den neonlichterhellten, dumpfen Betonkellern ist der Geist des Kalten Krieges spürbar. An den Wänden künden Zettel in Klarsichthüllen vom ehemaligen Zweck der Räume: Röntgenraum, Krankenzimmer, Ambulanz, Gipsraum. Die Atmosphäre ist bedrückend. Tageslicht dringt nicht bis hier unten vor. Das war auch gar nicht beabsichtigt, denn die 1,20 Meter dicke Betondecke sollte einen Atomschlag überstehen und das Hospital im Bunker schützen.

Unter der Adam-Riese-Halle war Anfang der 1980er Jahre mit Bundesmitteln ein Hilfskrankenhaus für den Katastrophenschutz gebaut worden. Dieses Notkrankenhaus mit 400 Betten war dafür vorgesehen, zivile Kriegsopfer möglichst schnell zu versorgen.

14 Tage Leben im Bunker
Entsprechend einfach war die Ausstattung. Das Hilfskrankenhaus sollte eine atomare Explosion überstehen und anschließend 14 Tage lang autark betrieben werden können. Die Heizungs- und die Überdruck-Lüftungsanlage sowie zwei Notstromaggregate und ein eigener Brunnen sollten das gewährleisten. Klaus Langer, der im Landratsamt Lichtenfels für den Katastrophenschutz zuständig, ist: "Man konnte hier wie in einer Burg leben."
Ein einziges Mal wurde die Infrastruktur des Hilfskrankenhauses gebraucht: Als 1989 Übersiedler aus der DDR etwa eine Woche lang verpflegt werden mussten.

Als Anfang der 1990er Jahre die Wende zu einer Entspannung zwischen Ost und West führte, entschloss sich der Bund, das Mobiliar von Behandlungstrakt und Ambulanz sowie Sterilisationsgeräte und Apparate der vier Operationsräume nach Usbekistan zu verkaufen - schon allein um die Wartungskosten zu sparen.

Für Wohnzwecke nicht geeignet
Der Arbeitskreis Katastrophenschutz des Landratsamts Lichtenfels, dem Vertreter der Feuerwehren, der Polizei, der Rettungsdienste, des THW und der Bundeswehr angehören, sahen sich kürzlich in den weitläufigen Bunkeranlagen um. Sie konnten sich davon überzeugen, dass diese Räume völlig ungeeignet sind, um auch nur vorübergehende Asylbewerber hier unterzubringen.

In den Kellern unter der Adam-Riese-Halle befinden sich unter anderem Umkleideräume für Sportler. Außerdem ist inzwischen das Archiv der Stadt Bad Staffelstein in einigen Räumen untergebracht.

Der Regierungspräsident von Oberfranken hatte aufgrund des anhaltenden Zustroms von Asylbewerbern die Landratsämter angewiesen, die Unterbringungskapazität zu ermitteln. Der Landkreis musste einen Notfallplan erstellen. Dabei war kurzfristig auch die Adam-Riese-Halle ins Gespräch gekommen. Jede oberfränkische Kreisverwaltungsbehörde ist aufgefordert, winterfeste Einrichtungen einzuplanen, die zur Aufnahme von einer großen Zahl an Personen und für eine Verweildauer von fünf bis sechs Wochen geeignet sind. Die Quartiere müssen sofort belegbar sein.

Der Landkreis bereite sich nun intensiv darauf vor, eine Unterkunft in der Berufsschulturnhalle in Lichtenfels bereitzustellen und mit Doppelstockbetten eine Belegung mit 130 Personen zu ermöglichen, erklärte Andreas Grosch, der Pressesprecher des Landratsamts. Dafür sei auch eine enge Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen erforderlich, die bereits im Oktober über derartige Pläne ins Bild gesetzt worden seien. Im Kreis könne bislang niemand auf Erfahrungen mit einer so großen Notunterkunft zurückgreifen.

Nach Auskunft der Regierung von Oberfranken sollen die Flüchtlinge nur sechs bis acht Wochen in den Notunterkünften bleiben. Welche Flüchtlinge kommen werden, ist derzeit noch unklar - Frauen mit kleinen Kindern, unbegleitete Jugendliche oder alte Menschen, junge Männer...

Für die zweite Stufe des Notfallplans werden außerdem Grundstücke gesucht, die bereits erschlossen sind und auf die Container gestellt werden können. Momentan ist jedoch noch nicht gesichert, ob auch der Notfallplan des Kreises Lichtenfels aktiviert werden muss.