Das Ehepaar aus Schmalkalden kommt gerne in den Geldner-Saal. Hier haben die beiden schon viele unterhaltsame Stunden verbracht. Was das Ehepaar am meisten schätzt, ist die besondere Atmosphäre dieses Saals. Am Samstagabend war das Tegernseer Volkstheater mit dem Klassiker "Schmuggler-Alm" hier zu Gast. Das Bühnenbild zeigte eine Alm im bayerischen Grenzgebiet zu Österreich, die von der Sennerin Babette Hufnagl und ihrer Tochter Elisabeth bewirtschaftet wird.
Anton Geldner war noch ein Bub von gerade einmal zehn Jahren, aber er erinnert sich gut daran, dass sein Vater den Tanzsaal 1949 bauen ließ. "Die Arbeiter wurden damals mit DM bezahlt", sagt er. Wenige Monate zuvor, am 21. Juni 1948, war die Deutsche Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in den drei westlichen Besatzungszonen eingeführt worden. Der bestehende Saal aus dem Jahr 1911 hatte den Anforderungen nicht mehr genügt, weshalb er deutlich erweitert und ausgebaut werden musste.
Nach dem Umbau bot er 200 Personen Platz.
Der Eintritt kostete damals eine Mark, ein Glas Bier 45 Pfennig und ein Paar Bratwürste 90 Pfennig. Dem niedrigen Preisniveau entsprachen auch die Löhne. "Ein Maurer verdiente 2,70 DM in der Stunde", erinnert sich Anton Geldner. Tanz war alle 14 Tage, immer sonntags mit vier bis fünf Musikern, die aufspielten. Allerdings ging es nicht immer ganz friedlich zu. Manchmal gab es sogar Schlägereien - der Mädchen wegen, wenn sich zwei Männer um die Gunst der Angebeteten stritten. Anders als heute wurde bei den handgreiflichen Auseinandersetzungen aber keine Polizei gerufen. "Die haben von selber wieder aufgehört", berichtet Anton Geldner. Das Ergebnis waren meist blutige Nasen und blaue Augen.

Aus Tanzsaal wird Raum für Feiern

Im Geldner-Saal fanden bis 1974 Tanzveranstaltungen statt. Heute werden hier hauptsächlich Betriebs-, Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern sowie kulturelle Veranstaltungen abgehalten. Ereignisse also, für die eine Stadthalle zu groß wäre.
Der Tanzsaal wurde im Baustil der damaligen Zeit errichtet. In der Mitte befindet sich ein größerer Bogen, links und rechts je ein kleinerer. Ähnliche Säle finden sich auch in Ebensfeld und Zapfendorf.
Im Tegernseer Volkstheater ging es turbulent zu an diesem Abend. Mitten im Krieg zwischen dem Königreich Bayern und Napoleons Bündnispartner Österreich treffen 1809 im Grenzland der bayrische Dragoner Benedikt Kreuzpaintner (Andreas Kern) und der österreichische Regimentskoch Fritz Schindler (Hanno Sollacher) aufeinander. Beide haben sich im Eifer des Gefechts auf die Huagl-Alm geflüchtet und wollen diese für ihr jeweiliges Land in Besitz nehmen. Doch so einfach wie sich beide das vorstellen, ist es nicht. Zwar markiert eine Linie mitten durch die Alm das jeweilige Hoheitsgebiet, aber es geht nicht ohne einen gewissen Grenzverkehr. Küche und Speis befinden sich auf bayerischer Seite, das Häusl (Toilette) dafür auf österreichischem Hoheitsgebiet. Einzig die Kammer der beiden Frauen ist eine neutrale Zone. So ohne weiteres geben sich Babette Hufnagl (Barbara Kutzer) und Tochter Elisabeth (Claudia Loy) aber nicht geschlagen. Beide finden ihre "Besatzer" zwar mehr als attraktiv, doc h ihr einträglicher Schmugglerhandel darf darunter nicht leiden. Durch Zufall wird ihr Schmugglerversteck schließlich doch enttarnt. Jetzt hilft nur noch mit Hexenkraut versetzter Schnaps. Wortwitz, österreichischer Schmäh und bayerischer Dialekt machten das Stück zu einem Vergnügen. Am Ende gibt es viel Applaus für die vier Schauspieler.