Es gärt im Dorf. Viele Bürger fühlten sich offenbar überfahren von der Planung für den "Tag der offenen Gartentür", der im Sommer stattfinden sollte. Deshalb wählten die Vereinsmitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Horsdorf-Loffeld bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend die bisherige Vereinsspitze ab und ersetzten sie durch eine neue. Mit 32 Stimmen wurde Peter Donath zum Vorsitzenden als Nachfolger von Monika Schmitt gewählt, die elf Stimmen erhielt.

Die Fronten sind verhärtet. Die bisherige Vorsitzende, Monik Schmitt, wollte sich zum Sachverhalt in der Zeitung nicht mehr äußern, sie habe den Horsdorfern am Donnerstagabend alles gesagt, was es zu sagen gebe, erklärte sie auf telefonische Anfrage des FT.

Kreisfachberater Michael Stromer erläuterte das Procedere, das zur Auswahl eines Ortes führt: "Wir haben's in Horsdorf gemacht, wie in allen Dörfern vorher auch." In der Regel sei es so, dass die Ortschaften ihr Interesse bei ihm anmelden. Im vergangenen Jahr habe er zusammen mit der Vereinsspitze des Obst- und Gartenbauvereins eine Info-Veranstaltung in Horsdorf abgehalten, um den "Tag der offenen Gartentür" vorzustellen und den Bürgern zu sagen, was bei dieser Veranstaltung auf sie zukommt.

Das Interesse ausgelotet

Dann, so Stromer weiter, sei ausgelotet worden, wie viele Bürger dahinterstehen und mitmachen, denn schließlich sollten sie ja ihre Privatgärten für die Besucher öffnen. Die Horsdorfer hätten signalisiert, dass sie nichts dagegen hätten, den "Tag der offenen Gartentür" mitzutragen, wenn sich genügend Leute finden, die ihre Gärten zur Verfügung stellen. "Eigentlich hatten wir genügend Gärten", sagte Stromer. Das Interesse allein in Horsdorf sei sogar so groß gewesen, dass der ursprüngliche Plan, die Veranstaltung in Horsdorf und Loffeld auszurichten, fallen gelassen wurde. Im Einvernehmen mit den Loffelder Bürgern sei vereinbart worden, 2015 den "Tag der offenen Gartentür" in Horsdorf und 2016 den Kreisgartentag in Loffeld zu veranstalten.

"Leute fühlen sich übergangen"

Damit jedoch seien die Horsdorfer nach Aussage von Ortssprecher Hans-Karl Hertel nicht einverstanden gewesen. "Die Leute fühlten sich übergangen", sagte er dem FT, denn es habe zu dieser Sache keinen Vorstandsbeschluss gegeben. "Nun ist alles geplatzt", fügte er an. "Die Leute in Horsdorf wollen diesen Tag nicht", ergänzte er, das habe er auch dem Kreisfachberater mitgeteilt. Aus seiner Sicht funktioniere es nicht, über die Köpfe der Leute hinweg eine so groß dimensionierte Veranstaltung zu organisieren: "Die Leute wollen gefragt und informiert werden", urteilte Hertel.

Kreisfachberater Michael Stromer versucht zu retten, was zu retten ist. Er sehe wohl die große logistische Herausforderung, die so eine Veranstaltung für Bürger und Vereine eines Dorfes darstelle.
Der "Tag der offenen Gartentür" sei nun jedenfalls für 2015 ganz abgesagt, erklärte Stromer. Und mit dem Kreisgartentag sei es ohnehin schwierig, denn den wolle keine Dorfegemeinschaft mehr ausrichten. Nun müsse sich der Obst- und Gartenbauverein Horsdorf-Loffeld neu sortieren, "jetzt muss ein bisschen Ruhe ins Dorf kommen", sagte Stromer.

"Golddorf" ist wunderschön

Inwieweit die Horsdorfer müde sind, solche Großveranstaltungen mit mehreren Tausend Gästen auszurichten, wollte Stromer nicht diskutieren. Er könne sich nicht vorstellen, dass es an einer Ermüdung gelegen habe, denn "das ist ja fast schon eine Generation her".

Dabei hätte Horsdorf durchaus das Zeug dazu, sich öffentlich zu präsentieren. Der Ort hatte 1995 Bundes-Gold im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" geholt und war 1997 auf europäischer Ebene mit dem "Gold Award" im Contest "Entente Floreale Europe" ausgezeichnet worden. Zudem brachte die vor kurzer Zeit abgeschlossene Dorferneuerung manches neue Kleiod ins Dorf, etwa den Wasserspielplatz an der Lauter.
Trotz der logistischen Herausforderung, die so eine Veranstaltung für die Dorfbewohner sei, fuhr Michael Stromer fort, werde er weiter für den "Tag der offenen Gartentür" werben, denn das sei "ein klasse Tag, eine schöne Aktion, den eigenen Ort gut darzustellen". Das hätten ihm auch alle bisherigen Ausrichter bestätigt. "Dafür ist dieser Tag da - so wollen wir's weiter beibehalten."
Der neue Vorsitzende, Peter Donath, sagte auf Anfrage des FT, dass der neue Vorstand nun in aller Ruhe mit den Bürgern zusammen abklären werde, was möglich sei und was nicht. In den nächsten Monaten werde man sich damit beschäftigen und gemeinsam ausloten, ob und wie eine solche Veranstaltung eventuell für 2016 möglich sei.
Monika Schmitt wollte sich am Telefon zwar nicht zu ihrer Abwahl und den Gründen äußern, die dazu führten. Sie sandte dem FT aber eine Mail, in der sie erklärte dass sie am 12. Februar, bei der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes in der Katzogelhalle in Hochstadt, zu der Veranstaltung nach Horsdorf eingeladen habe. Seit 5. März sei sie nun keine Vorsitzende mehr und auch nicht mehr im Vorstand tätig. Die neue Vorstandschaft, schreibt sie weiter, wünsche keinen "Tag der offenen Gartentür" in Horsdorf. Das tue ihr Leid.



Neuer Vorstand

Der Obst- und Gartenbauverein Horsdorf-Loffeld wird künftig von folgenden Personen geführt: Vorsitzender Peter Donath, Zweite Vorsitzende Karin Murmann, Kassier Jürgen Scheidawind, Schriftführer Falk Zimmermann, Beisitzer Marga Koch, Birgit Fleischmann, Georg Fleischmann, Ottmar Geldner, Svenja Wicht und Cornelia Schaller-Kraus.