Überspitzt ausgedrückt, benutzt der Lichtenfelser selbst für die kleinste Wegstrecke das Auto. 74 Prozent aller Wege werden mit dem Auto getätigt. Etwa 18 Prozent der Haushalte besitzt gar kein Fahrrad.

Ein klares Bekenntnis gab die Lichtenfelser Bevölkerung auch zu ihrer Fußgängerzone, für die sich 50 Prozent der Befragten aussprachen. Fünf Prozent befürworteten sogar eine Erweiterung. Interessante Details zur Verkehrssituation in Lichtenfels ergab ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten des Verkehrsplanungsbüros Stadt-Land-Verkehr München. Neben der Verkehrszählung wurden eine Befragung der Autofahrer, eine Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten und eine Erhebung zum ruhenden Verkehr in der Innenstadt bezüglich Auslastung und Parkdauer durchgeführt.

Bürgermeister Andreas Hügerich sprach vor den Zuhörern, dass man hier nicht zu einer normalen Bürgerversammlung, zusammengekommen sei, sondern zu einer "Planungswerkstatt", in der dem Bürger die Ergebnisse der Verkehrserhebungen vom Juli letzten Jahres vorgestellt wurden. Knapp 40 Bürger waren am Mittwochabend ins Stadtschloss gekommen.

Von 1980 stammt das letzte Verkehrsgutachten für die Stadt Lichtenfels. Damals gab es den Bürgermeister-Dr.-Hauptmann-Ring noch nicht. Ebenso wenig die A 73, das Einkaufszentrum in der Mainau und die beiden Parkhäuser. Auch der Radverkehr hatte damals eine eher untergeordnete Bedeutung.

Inzwischen hat sich der Verkehr grundlegend verändert. Eine im des Juli letzten Jahres durchgeführte Verkehrszählung sollte darüber Aufschlüsse bringen. "Gezählt wurde am 21. Juli an 34 Knotenpunkten über acht Stunden", erklärte Verkehrs- und Stadtplaner Alexander Süßmuth vom ausführenden Planungsbüro. Durchgeführt wurde die Erhebung von 141 Schülern des Meranier-Gymnasiums.

Im Erhebungszeitraum wurde auf dem Hauptmann-Ring mit rund 14 400 Kraftfahrzeugen die höchste Verkehrsdichte im Stadtgebiet gemessen, gefolgt von der Coburger Straße mit 12 300, der Zweigstraße mit 11 500 und der Köstener Straße mit immerhin noch 7700 Fahrzeugen.

Im Vergleich dazu nehmen sich die Zahlen des Radverkehrs verhältnismäßig gering aus. Die höchste Raddichte wurde mit 370 vor dem Bahnhof gemessen. In der Viktor-von- Scheffel-Straße fuhren 190 Radler und in der Coburger Straße lag der höchste Wert bei 240.

Weitere Erkenntnisse haben sich auch zum Durchgangsverkehr ergeben. "Es fahren viel mehr Fahrzeuge in die Stadt rein (rund 20 000) als aus der Stadt (10 000) raus. Mit 1700 Fahrzeugen hält sich der Durchgangsverkehr in überschaubaren Grenzen. Was allerdings verblüfft, ist die Parkplatzsituation in der Innenstadt. Die oft gehörte Klage, in der Lichtenfelser Innenstadt gebe es zu wenige Parkplätze habe sich so nicht bestätigt.

"Theoretisch gibt es in der Lichtenfelser Innenstadt noch freie Parkplätze", sagt Planer Alexander Süßmuth. Dass es dennoch zu einer "gefühlten" Parkplatzknappheit bei 154 Parkplätzen kommt, liege zum einen daran, dass die Parkzeit oft länger als erlaubt (bis zu acht Stunden) überschritten werde und gerade da kein Parkplatz frei sei, wo er gerade gebraucht werde. Beispiel Laurenzistraße: Dort liege die Parkzeit bei einer Stunde. Wie eine Grafik zeigte, wurde sie im Erhebungszeitraum oft überschritten.

Ein Ergebnis der Haushaltsbefragung zeigte, dass 79 Prozent der Lichtenfelser über einen Pkw und Führerschein verfügt. 16 Prozent befindet sich im Besitz einer Fahrerlaubnis, aber nicht im Besitz eines Pkw. Die Zahl derer, die nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis sind, sei mit sechs Prozent verschwindend gering.

Rund sieben Prozent der Haushalte verfügen nicht über ein Auto, 52 Prozent sind im Besitz eines Fahrzeugs; über einen Zweitwagen verfügen 32 Prozent und elf Prozent der Haushalte gaben an, im Besitz von mehr als zwei Autos zu sein. Anders sieht die Sache bei den Fahrädern aus. Wie bereits eingangs erwähnt, liegt die Zahl der Haushalte, die nicht über ein Fahrrad verfügen, bei 18 Prozent. Weitere 13 Prozent sind in Besitz eines Fahrrads, und 28 der Haushalte verfügen über zwei Räder.

Bei der Haushaltsbefragung konnten die Bürger auch ihre Wünsche und Anregungen äußern. Auf der Prioritätenliste ganz oben stand der Wunsch nach mehr Kreisverkehr, gerade an den Knotenpunkten wie in der Mainau. Für die Kronacher Straße wünschen sich die Befragten einen Radweg.
Danach waren die Bürger an der Reihe. Mit Fachleuten und den Mitarbeitern der Verwaltung konnten sie die Ergebnisse diskutieren, und Vorschläge zu den verschiedenen Themenbereichen unterbreiten. Man sollte mit den Geschäftsinhabern und Innenstadtbewohnern ein Gespräch führen und ihnen bei der Preisgestaltung der Parkhäuser entgegenkommen, lautete ein Vorschlag. Die Kronacher - und die Bamberger Straße für den Radverkehr attraktiver machen, war ein anderer Vorschlag.

Eine bessere Anbindung an den Stadtverkehr wünschte sich ein Teilnehmer der Planungswerkstatt. Thematisiert wurde auch die Situation am Fachmarktzentrum.

"Wir sammeln alle Vorschläge und Anregungen", erklärte Bürgermeister Andreas Hügerich. Sie werden im Stadtrat in die Diskussionen zum Thema einfließen. Allerdings weist Hügerich darauf hin, dass die Entwicklung eines zukunftsfähigen Verkehrsentwicklungsplans ein langer Prozess sei und bittet um Verständnis, dass die Punkte, die dem Bürger auf den Nägel brennen, erst nach und nach abgearbeitet werden können.