"Wenn du in Deutschland nicht zurechtkommst, ausländische blöde Kuh, dann fahr doch zurück, wo du herkommst." Mit diesem Satz handelte sich eine 44-jährige Lichtenfelserin im Straßenverkehr eine Klage wegen Beleidigung ein. Vorgefallen am Vormittag des 18. Oktober 2015.
Gestern kam die Angelegenheit am Amtsgericht zur Sprache. Verwunderlich war, dass es das nicht einmal hätte müssen.
Rückblende: An jenem Oktobertag stand die Beschuldigte mit ihrem Auto im Straßenverkehr und hupte eine vor ihr stehende Fahrerin an. Die stieg aus, sich nach dem Grund des Hupens erkundigend. Dann fiel der verhängnisvolle Satz. Mehr Erhellung folgte zu dem Umstand nicht. Aber eine Überraschung.
Tatsächlich nämlich erhielt die Frau vor Zeiten ein Angebot der Staatsanwaltschaft, die Sache gegen Zahlung von 100 Euro einzustellen. Diesen Betrag überwies die 44-Jährige auch, da sie davon ausging, dass die Angelegenheit somit vom Tisch wäre. Wäre sie auch, wenn sie das Aktenzeichen angegeben und das beigefügte Formblatt zurückgeschickt hätte. So aber konnte sich die Staatsanwaltschaft keinen rechten Reim auf den Eingang der 100 Euro machen.
"Ich bin geneigt, das Verfahren angesichts der besonderen Umstände einzustellen", sprach Richter Stefan Hoffmann. Zustimmung erhielt er von Staatsanwalt Matthias Schmolke. Auch die Beschuldigte willigte ein. Bedingt. Denn wenige Minuten vorher, bald nach Verlesung der Anklageschrift, zeigte sie sich noch über den ihr zu Last gelegten Vorwurf irritiert. "Jetzt, wo ich höre, was mir vorgeworfen wird, hätte ich das Geld nie überwiesen."
Dieser Satz deutete an, dass die Beleidigung ihrer Sicht nach so wohl nicht stattgefunden habe. Das Verfahren jedenfalls war beendet und es steht in keinem Zusammenhang mit der Notiz, die Staatsanwalt Schmolke hernach verlas. Hierbei soll die Angeklagte gegenüber zweier anderer Frauen ein deutlich drastischeres Wort losgeworden sein. Doch in diesem Falle, so die 44-Jährige, sei sie die Beschimpfte gewesen.