"Wir hatten alle stark getrunken, mit zwei Bier war keiner mehr dabei." So brachte einer der Beteiligten die Situation in einer Kneipe in Neuenmarkt am 1. Mai dieses Jahres auf den Punkt. In dieser aufgeheizten Stimmung hatte eine 42-jährige Frau eine 41-Jährige vom Barhocker geschubst und ihr dabei blaue Flecken und Prellungen zugefügt.

Wenn die 42-Jährige jetzt vor Gericht trotzdem nicht dafür verurteilt wurde, dann deshalb, weil sie ein zweites Verfahren wegen Betrugs zulasten des Jobcenters am Hals hat.


Es herrscht Funkstille


"Das hätte auch anders enden können", sagte die Frau, die zu mitternächtlicher Stunde vom Barhocker geschubst worden war. "Was, wenn ich mit dem Kopf aufgeschlagen wäre?", so das Opfer, das seitdem mit der Widersacherin kein Wort mehr gewechselt hat. Selbst im Gerichtssaal würdigten sich die beiden Frauen kaum eines Blickes.

Die Angeklagte wunderte sich noch immer über das Geschehen. Es habe Meinungsverschiedenheiten gegeben an jenem Abend, aber früh um vier Uhr hätten sich beide Frauen sogar noch zusammen auf den Heimweg gemacht.

Am nächsten Morgen habe man sich noch geschrieben. Erst einen Tag später sei die Anzeige gekommen. Die Angeklagte sprach von einem harmlosen Schubs. "Eigentlich war es eine Lappalie", so die 42-Jährige.


Kein Attest vorgelegt


Nachdem zum einen das Opfer kein ärztliches Attest eingereicht hatte und sich die Folgen des Barhockersturzes ganz offensichtlich in Grenzen hielten, stellte Richterin Sieglinde Tettmann den Vorwurf der Körperverletzung im Hinblick auf das zweite Verfahren wegen Betruges kurzerhand ein.
Der zweite Vorwurf sollte schwerer wiegen. Die Frau hatte für sich und ihre zwei minderjährigen Kinder zunächst knapp 200 Euro, später im Zuge eines Weiterbewilligungsantrags weitere knapp 500 Euro zu viel an Hartz-IV-Leistungen bekommen, weil sie eine Nebentätigkeit verschwiegen hatte. Der Gesetzgeber kennt dabei keine Gnade, schließlich geht ein derartiger Betrug immer zulasten der Allgemeinheit.

"Es war mein Fehler, ich habe es aus Faulheit und Bequemlichkeit nicht gemeldet", sagte die Angeklagte. Die Sachbearbeiterin vom Jobcenter bestätigte den Betrag in ihrer Zeugenaussage und gab auch an, dass der Schaden noch nicht vollständig wiedergutgemacht wurde. Soll heißen: Das Geld wurde noch nicht ganz zurückbezahlt.


Zweimal vorbestraft


Mit ihrem Urteil von 120 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro (1800 Euro) blieb Richterin Tettmann unter dem Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft, der 120 Tagessätze zu jeweils 20 Euro (2400 Euro) beantragt hatte.

Die Richterin hielt der Angeklagten zugute, dass sie alles zugegeben und einen Teil des Schadens bereits zurückbezahlt hatte. Zulasten wertete Tettmann, dass die Angeklagte bereits zweimal vorbestraft war und der Schaden nicht ganz unerheblich war. Die Angeklagte muss außerdem die Kosten des Verfahrens tragen.