"Mir ist schon länger aufgefallen, dass einige Bewohner der beiden Außenwohnanlagen der Himmelkroner Heime nicht mehr hier in Wirsberg leben", sagt Susanne Schlegel. Mit Erstaunen habe sie auf Nachfrage von den Menschen mit Behinderung erfahren, dass sie nach und nach wieder in das "alte Schloss" nach Himmelkron umsiedeln sollen.


Seit 2002 in Wirsberg

Für die Wirsbergerin ein Unding: "Seit 2002 sind die Leute schon hier. Sie haben sich wunderbar integriert, fühlen sich wohl und sind von uns Bürgern sehr gut aufgenommen worden. Wir feiern zusammen Geburtstag. Sie gehören einfach zu uns", sagt sie und ist fest überzeugt, dass es viele andere Wirsberger auch so sehen.

Schlimm ist für Susanne Schlegel, dass die Gruppe auseinandergerissen wird.
"Somit müssen sie sich nach so vielen gemeinsamen Jahren räumlich und mental wieder umgewöhnen, was ja für behinderte Menschen noch schwieriger ist, zumal es für diese auch ein großer Rückschritt in Bezug auf Lebensqualität bedeutet." Die Zimmer in den Häusern in Wirsberg seien hell und freundlich, beim Schloss handele es sich dagegen um einen Altbau.

Zwar habe sie auch Verständnis, sollten wirtschaftliche Gründe für den Abzug der Menschen mit Behinderung ursächlich sein, doch hält sich das in Grenzen: "Es kann doch nicht sein, dass der finanzielle Aspekt auf dem Rücken unserer Behinderten ausgetragen wird. Hier in Wirsberg haben sie sich wohlgefühlt und kannten sich aus."

Ihr Appell an die Führungskräfte der Diakonie lautet deshalb: "Ich möchte die Leitung der Himmelkroner Heime bitten, diesen Schritt noch einmal zu überdenken."

Dass Wirsberg ein schöner Ort zum Wohnen ist, räumt der Leiter des Bereichs Wohnen, Armin Wissel aus Himmelkron, unumwunden ein und verweist zugleich darauf, dass niemand gegen seinen Willen von dort abgezogen wird. Vielmehr finde ein Umzug stets in Abstimmung mit den Behinderten und deren Familie beziehungsweise Betreuern statt.


Die Hilfsbedürftigkeit steigt

Allerdings kämen die Bewohner inzwischen in ein Alter, in dem die Hilfsbedürftigkeit zunehme. Die Gebäude eigneten sich aber nicht für die Pflege. Anders das Himmelkroner Schloss, wo Zimmer zur Verfügung stünden.
Die einzelnen Häuser stünden gewissermaßen in Konkurrenz. Ältere Menschen würden das Schloss bevorzugen, weil sie dort Mitbewohner kennen und immer etwas los sei. Bei jungen Leuten sei dagegen die Außenwohngruppe in Neuenmarkt sehr gefragt, die dort neu entstanden ist.

Wenn jetzt viele Bewohner der Wirsberger Häuser das Angebot annehmen und umziehen, ergebe sich als nächstes Problem, dass eine Gruppe unter einer bestimmten Größe nicht existieren kann. Wissel bestätigt auch, dass die Mietverträge für die beiden Gebäude, die im Oktober 2017 und im Dezember 2019 auslaufen, noch nicht verlängert worden sind.


Wirtschaftlichkeit muss da sein

Dass noch keine abschließende Entscheidung in der Sache getroffen ist, erklärt der Pressesprecher der Diakonie Neuendettelsau, Thomas Schaller, im Namen des zuständigen Abteilungsdirektors Jürgen Zenker. Gleichwohl verweist er auf den Umstand, dass auch für die Diakonie beim Betrieb einer Außenwohngruppe die Wirtschaftlichkeit gegeben sein muss.


Betreuerin hat einen Vorschlag

Dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, wird Irmtraud Ackermann gerne hören. Sie ist die Betreuerin einer Bewohnerin aus einer Wirsberger Gruppe. Sie möchte zwar auch, dass die Menschen bleiben, sie wehrt sich aber nicht zwangsläufig gegen einen Umzug, sondern vor allem dagegen, die über Jahre gewachsene Wirsberger Gemeinschaft zu zerreißen. Für sie wäre es zumindest eine Option, dass alle gemeinsam umziehen und damit als Gruppe zusammenbleiben.