Als gebürtiger Oberfranke hat er die Plassenburg schon in Jugendjahren kennen- und schätzen gelernt. Heute, Jahrzehnte später, als weit über die Region hinaus anerkannter Wissenschaftler, verfolgt Herbert Popp die Diskussion um die Erschließung der Burg mit großer Verwunderung und Besorgnis. Und er hat eine klare Meinung zu der von der Schlösserverwaltung favorisierten Trasse durch den Buchwald: "Sehr problematisch!"

Sehr problematisch sei es, Touristenbusse durch die Altstadt und über Spiegel und Wolfskehle nach Leithen zu lenken. Sehr problematisch sei es auch, eine drei Kilometer lange Straße mitten durch den Wald zu bauen. "Da müsste ganz Kulmbach vehement dagegen sein." Er sei auch erstaunt, dass sich die Schlösserverwaltung so detailliert als Institution für Stadtentwicklungsplanung gebärdet. Er betont, dass er keineswegs glaube, die ideale Lösung bieten zu können. Aber er könne hoffentlich Denkanstöße geben und Diskussionen fördern.

Popp hat, was die Erschließung der Burg für den Kulturtourismus angeht, einen klaren Favoriten: "Eine Seilbahn vom Grünwehr/Schwedensteg auf die Plassenburg wäre die verträglichste Lösung." Im Weißmaintal gäbe es Parkplätze. Und es gäbe die Museen im Mönchshof. "Das lässt sich doch wunderbar kombinieren." Und diese Lösung wäre extrem stadtbildverträglich.

Für denkbar hält der Wissenschaftler anstelle einer Seilbahn auch einen Aufzug im Inneren des Burgberges nahe des Parkplatzes. "Der Buntsandstein würde sich dafür eignen; geologische Komplikationen wären nicht zu befürchten." Wenn die Bergstation eines solchen Aufzuges außerhalb des eigentlichen Burggeländes, etwa auf dem ehemaligen Reitgelände, angelegt und architektonisch ansprechend gestaltet würde, könnte das sogar ein Touristenmagnet sein.

Der Weg von einer solchen Bergstation zum Kasernenhof sei eben und gut zu Fuß zu meistern. Zudem könne man beispielsweise kleine Elektromobile für Menschen zur Verfügung stellen, denen der Fußweg zu beschwerlich ist. "Es müssen keine Busmassen auf den Burgberg gelenkt werden."

Das eigentliche Problem für die in Teilen der Museen auf der Plassenburg rückläufigen Besucherzahlen liegt Popp zufolge allerdings nicht nur in der Frage der Zufahrt begründet. "Hier wird ein wertvolles Kulturdenkmal und ein Schmuckstück der Burgenlandschaft unter Wert verkauft", sagt er. "Wir haben es hier mit einem einzigartigen historischen Objekt zu tun, einer Festung, die durch Napoleon nur in Teilen geschleift wurde. Man sollte alles tun, um auch diese Festungsanlage für die Besucher erlebbar zu machen." Anders ausgedrückt: Die Plassenburg als herausragendes Objekt des nationalen Kulturerbes könnte sowohl in der Wissens- als auch Erlebnisvermittlung für die Besucher viel stärker aufgewertet und präsentiert werden.

Dazu gehört es Popp zufolge unter anderem, nicht nur die Hoch- und Niederburg kulturtouristisch zu erschließen, sondern auch die Reste der Kleinen und Großen Bastei sowie der Langen Batterie und des Roten Turms östlich der Hochburg.

Was er vermisse, so der Wissenschaftler, sei eine klare Position der Stadt Kulmbach, die notwendigerweise am Anfang jeder Diskussion stehen müsse. "Will die Stadt Kulmbach überhaupt eine Stärkung des Städtetourismus? Will sie die Plassenburg als Highlight eines Kulturerbe-Tourismus entwickeln und präsentieren - natürlich bei Wahrung von Gesichtspunkten des Denkmalschutzes und der Nachhaltigkeit bei Verkehr und Eingriffen in die natürliche und kulturelle Umwelt?"

Wenn diese Fragen nicht eindeutig bejaht werden könnten, sei alles Weitere vergebliche Liebesmüh, so der Experte - der einen gewissen Pessimismus nicht verbergen kann, was das Verhältnis zwischen Kommunen und Schlösserverwaltung angeht: "Hier sind die Gräben schon gegraben. Es wird schwer sein, sie wieder zuzuschütten."

Zur Person

Herbert Popp Der 73-Jährige ist gebürtiger Bayreuther, besuchte in seiner Heimatstadt das Gymnasium und legte das Abitur ab. Nach einem Geografiestudium, der Promotion und Habilitation an der Universität Erlangen-Nürnberg war er zunächst als Assistent und dann als Professor für Geografie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Passau (1985-1994) und der Technischen Universität München (1994-1999) tätig, bevor er 1999 an die Universität Bayreuth berufen wurde, wo er fortan den Lehrstuhl für Stadtgeografie und Geografie des ländlichen Raumes innehatte. In Bayreuth wurde er 2012 emeritiert.

Zu seinen Werken gehört unter anderem "Bayreuth - neu entdeckt. Ein stadtgeographischer Exkursionsführer"red