Mit den Ziffern 93 und 95 sind die Vorranggebiete zur Nutzung der Windenergie zwischen dem Kasendorfer Ortsteil Azendorf und der Gemeinde Krögelstein vom Planungsverband Oberfranken-Ost ausgewiesen.
Die rund 500 Hektar großen Flächen, auf denen 18 Windräder gebaut werden sollen, tangieren auch das Gebiet des Marktes Wonsees mit den Ortsteilen Schirradorf, Zedersitz und Feulersdorf. Obwohl von den Kommunalparlamenten Wonsees, Stadelhofen und dem angrenzenden Weismain abgelehnt, will die Bürgerinitiative "Jurawindpark" keine Ruhe geben. Denn am kommenden Mittwoch tagt der Planungsverband in Hof.

"Wir befürchten, dass das Vorranggebiet 95 zwar herausgenommen, aber das 93er einfach nur verkleinert wird", sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Edwin Bergmann, und kündigt für den 24.
Juli zusammen mit dem Verein "Pro Heimat Fränkischer Jura" eine Protestaktion in Hof an.

"Willen der Bürger beachten"

Mit Plakaten und Spruchbändern wollen die Windkraft-Gegner ihrer Forderung nach einer vollständigen Eliminierung der beiden Vorranggebiete Nachdruck verleihen. "Der Planungsverband soll den Willen der Bürger beachten", so Bergmann, nach dessen Schätzung 95 Prozent der Bevölkerung nicht wollen, dass der Jura mit Windrädern "zugepflastert" wird. "Wir haben das mit einer Unterschriftensammlung, die von über 6300 Bürgern aus der Region unterzeichnet wurde, eindrucksvoll dokumentiert." Bergmann hofft, dass das Bürgermeister Günther Pfändner (CSU) und Landrat Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) in der Sitzung deutlich herausstellen.
Zusätzlich haben die Bürgerinitiative und der Verein einen Offenen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben, von dem sie sich Unterstützung erhofft. Seehofer hatte kürzlich - wenige Monate vor der Landtagswahl - die "10H-Regelung" als sinnvolle Lösung bezeichnet. Das bedeutet konkret: Windenergieanlagen sollen mindestens zehn Mal so weit von Siedlungen entfernt stehen wie sie hoch sind. Weil die Rotorspitzen moderner Anlagen erst bei rund 200 Metern enden, wären das zwei Kilometer.

Doch noch gibt es die 10H-Regelung nicht. "Wir fordern aber", betont Edwin Bergmann, "dass diese bayernweit und damit auch rechtzeitig für unsere Region gültig gemacht wird. Und bis das geklärt ist, darf es auch keine Baugenehmigung für Windräder geben." Der Schutz der Bürger sei das oberste Ziel, und das könne mit dieser Abstandsregelung am besten erreicht werden.

"Sind kein Schrottplatz Bayerns"

Überhaupt wundert sich der Vorsitzende der Bürgerinitiative, dass in der Region das bayernweit größte Windkraft-Vorranggebiet ausgewiesen wurde, obwohl überhaupt keine Messungen durchgeführt worden seien. Im Schreiben an den Ministerpräsidenten heißt es dazu unter anderem: "Für die so genannte Energiewende haben wir im Jura schon sehr viel geleistet, Mit über 100 Hektar Freiflächen Photovoltaik, zwölf Biogasanlagen und 14 Windrädern haben wir genug erneuerbare Energie... Unsere Bevölkerung ist jedoch jetzt eindeutig nicht mehr bereit, auch noch Schrottplatz Bayerns in Bezug auf wirtschaftlich letztendlich unrentable Windkraftparks in unserer Gegend zu sein."

Bergmann führt noch einen Aspekt an - die Tatsache, dass Bamberg aufgrund seiner historischen Bausubstanz von einem Ring mit einem Radius von neun Kilometern umgeben ist, innerhalb dessen keine Windräder errichtet werden dürfen. "Das gleiche sollte auch für Wonsees mit seiner Burg Zwernitz gelten", fordert er.
Der Vorsitzende des Vereins "Pro Heimat Fränkischer Jura", Hans-Peter Zahner, geht sogar noch weiter. Er bemängelt, dass die Zwernitz als Baudenkmal von kommunaler Seite "anscheinend überhaupt keine Beachtung findet". Alleine mit diesem Argument stünden seiner Ansicht nach die Chancen sehr gut, um einen Großteil der Planungen abzuwenden.

Schutz für die Zwernitz

Unterstützt werden Hans-Peter Zahner und Edwin Bergmann jedenfalls von Professorin Sabine Henze-Döhring (Universität Marburg). Henze-Döhring kämpft für eine Schutzzone rund um die Burg Zwernitz in Sanspareil, das sie unter Hinweis auf die unter Schutz gestellten Denkmäler der Bayreuther Markgräfin Wilhelmine als "Weltkulturerbe-Satelliten" bezeichnet.
Ob die Burg Zwernitz am kommenden Mittwoch bei der Sitzung des Planungsverbands in Hof ein Thema sein wird, ist fraglich.

Sowohl Hans-Peter Zahner als auch Edwin Bergmann hoffen aber auf eine starke Unterstützung der Windkraft-Gegner. "Wie viele mitfahren, ist natürlich an einem Mittwochmorgen unklar. Aber so um die 30 Leute schätze ich schon", ist Zahner zuversichtlich. Treffpunkt ist um 8 Uhr am Wonseeser Marktplatz.