Im Bierstadel, wo vor wenigen Tagen noch viele Kulmbacher und Auswärtige feuchtfröhlich feierten, herrscht jetzt wieder dichtes Gedränge: Zum 25. Mal findet hier die Zinnfigurenbörse statt. Es ist ein Treffpunkt für Menschen aller Nationalitäten. Man hört viele italienische Worte, aber auch aus Belgien, Dänemark, aus Griechenland, Polen, Tschechien Russland und sogar aus Japan und Sri Lanka sind Sammler und Händler gekommen. Und schon eine halbe Stunde nach der Öffnung der Börse herrscht dichter Betrieb.
Der Japaner Yoji Tachikaw hat sich auf Fantasy-Figuren der frivolen Art spezialisiert. Und seine Figur "Nighstick" ist vor allem bei den männlichen Besuchern der Renner - dauernd klicken die Fotoapparate. Die Männer sind begeistert von der drallen vollbusigen Brünetten, die in kurzen Höschen posiert, die Handschellen dabei hat und ihre üppigen Brüste blank gezogen hat.
Aber auch Samuraikämpfer hat der Japaner dabei. Solche Figuren liegen im Trend.
Natürlich gibt es viele Stände auf der Börse, die sich mit Geschichte beschäftigen: Soldaten, Reiter, geschichtsträchtige Personen. In allen Größen und Formen gibt es die Figuren. Manche sind vollplastisch und stattlich groß, andere wieder sind so winzig klein, dass in eine Streichholzschachtel ein ganzes Diorama passt.

Mehrere Wochen für eine Figur

Oben auf der Bühne versinkt indes Suzanne Plédavent-Zahajko in ihre eigene Welt. Sie reißt ein Taschentuch in Streifen, tupft einen Pinsel, der nur aus wenigen Haaren besteht, in Farbe, streift einen Teil der Farbe wieder ab und zaubert aus den Rohlingen Kunstwerke. Dabei verwendet sie eine Lupe, denn sonst sind die Feinheiten gar nicht zu bewerckstelligen. "Wie lange ich für eine Figur brauche, kann ich nicht sagen: Wochenlang, man muss sich so eine Figur wochenlang immer wieder vornehmen und immer wieder verbessern", sagt Pfédavent-Zahajko. Sie zeigt eine Büste von Königin Luise und eine hauchzart bemalte Schwanen-Flachfigur. "Bei diesen Figuren sind mindestens dreißig Schichten Farbe übereinander gemalt, denn dann wirkt alles besonders plastisch", erklärt die Expertin.
Auf der Börse gibt es große Charakterköpfe und auch einfache Dekofiguren: Weihnachtsengelchen, die herzallerliebst bemalt sind, Osterhasen und kunterbunte Zinnobjekte. Und das junge Publikum findet die bunt bemalten Comicfiguren, die so klein sind, dass sie in eine Streichholzschachtel passen, einfach toll. In diesem Jahr stehen zudem die Büttner im Mittelpunkt. Es gibt eine eigene Büttnerserie zur Zinnfigurenbörse.
Natürlich findet anlässlich der Zinnfigurenbörse auch wieder ein großer Figuren- und Dioramenwettbewerb statt - in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren. Die Preise werden am Sonntag um 10 Uhr in der Dr. Stammberger-Halle vergeben.