Was wäre wenn? Was wäre, wenn auch in Kulmbach eine Notlage wie im Westen der Republik eintritt? Wenn auch hier Hochwasser droht? Darüber haben wir mit Kräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) gesprochen.

Wie Zugführer Andreas Hock (38) vom THW erklärt, wird im Ernstfall zunächst der Fachberater des THW zu den Einsatzbesprechungen hinzugerufen. Auch wenn der Landkreis einen Katastrophenstab bildet, ist in der Regel das THW dabei.

Je nach Notfall informiert der Fachberater über die Einsatzmöglichkeiten des THW. Dazu gehören unter anderem die Bereitstellung von Pumpen, Räumgeräten oder Booten, Elektroversorgung und Logistik. "Was wir in Kulmbach nicht zur Verfügung haben, kann über andere THW-Verbände angefordert werden. Da kann man einiges mobilisieren", sagt Hock, der die Einsätze vor Ort führt - unterstützt aus der Zentrale im Goldenen Feld, in der Ortsbeauftragter Udo Wende sitzt

Das Einsatzspektrum ist groß - angefangen von der Gebäudesicherung mit Sandsäcken bei Hochwasserereignissen bis hin zu Sprengungen. Denn in Kulmbach gibt es eine Sprenggruppe, die auch bei Überschwemmungen zum Einsatz kommen kann - beispielsweise um Treibgut zu beseitigen. In Bad Berneck musste sie einmal aufgestautes Eis an einem Wehr sprengen.

Bereits in der Grundausbildung durchlaufen die ehrenamtlichen THWler das ganze Einsatzspektrum, um alle Gerätschaften bedienen zu können. Dazu kommen dann die einzelnen Fachgruppen, die auf speziellen Gebieten besonders geschult sind. Neben der bereits erwähnten Sprenggruppe gibt es Baufachberater, die einsturzgefährdete Gebäude bewerten und geschulte Kräfte für Damm- und Deichsicherung.

Selbst wenn die Helfer in der Regel im Landkreis gefordert sind, so haben sie auch schon größere und längere Einsätze in anderen Regionen hinter sich. Hock nennt hier zwei der spektakulärsten aus den vergangenen Jahren: das Elbhochwasser und den Schneeeinsatz in Berchtesgaden.

Doch egal, worum es geht: Auf die Eigensicherung wird immer ein großes Augenmerk gelegt. Bei Hochwassereinsätzen werde schon bei der Anfahrt versucht, Überschwemmungsgebiete zu umfahren und einen Fluchtweg aufrechtzuerhalten. "Am besten schaut man von Anfang an darauf, dass man in keine Gefahrensituation kommt." Die Helfer selbst sind mit selbstaufblasenden Rettungswesten ausgestattet und mit Leinen gesichert.

Für die Feuerwehr klärt Sprecher Yves Wächter über die Notfallkette auf. "Wir werden von der Integrierten Leitstelle in Bayreuth alarmiert. Je nach Schadensereignis ist zu klären, ob die Feuerwehren einzelne Einsätze abzuarbeiten haben oder ob man bei mehreren Einsatzstellen eine regionale Leitung aufbaut." Diese könne die Kräfte zum Erkunden aussenden und arbeite die Einsätze nach Dringlichkeit ab. "Aber für eine solche Katastrophe wie jetzt in NRW gibt es keine Blaupause, die man Punkt für Punkt abarbeiten kann. Das ist immer abhängig von Lage und Örtlichkeit. Solche regionalen Ereignisse sind nicht planbar in der Abwicklung. Die Feuerwehr kann nach der Alarmierung hier meist nur reagieren, im Vorfeld wären höchstens Sicherungsmaßnahmen denkbar."

Als zusätzliche Ausrüstung stehen der Feuerwehr im Landkreis sogenannte Flachwasser-Schubboote zur Verfügung, unterstützend können Einheiten von Wasserwacht und DLRG mit eingebunden werden. "Bei solchen Naturkatastrophen bleiben Einsatzlagen ja meist nicht örtlich begrenzt. Entsprechend hilft man sich überregional." Dabei gelte nicht zuletzt, als Helfer das Augenmerk auf den Schutz der eigenen Unversehrtheit zu richten. "Eigenschutz ist absolut hoch anzusiedeln, und wir achten immer auf uns, nichtsdestotrotz sind diese Einsätze zum Teil eben auch lebensgefährlich."