Große, breite Schneisen bahnen sich ihren Weg. Abgeknickte Bäume stehen verlassen da. Wege sind von tiefen Spurrillen gezeichnet - es ist kein schöner Anblick, der sich Waldbesuchern in diesen Tagen im Staatswald Neudrossenfeld bietet. Das findet auch Gaby Mayer-Hoffmann, die ihrem Ärger in einem Brief an die Bayerische Rundschau Luft macht.

"Ich nenne sie Baumleichen"

Gaby Mayer-Hoffmann geht jeden Tag mit ihren Hunden in besagtem Wald spazieren, nun möchte sie "aufmerksam machen, wie man mit der Natur umgeht."

Sie wolle Menschen sensibilisieren, erklärt die Naturliebhaberin. Es seien nicht nur die großen Maschinen, die über den weichen Waldboden fahren, die sie ärgern.
Auch die Tatsache, dass man abgeschlagene Äste und Reisig einfach liegen lasse und erst nach dem Ende der Holzernte wieder mitnehme, ist der Spaziergängerin ein Dorn im Auge.

Ebenso wenig versteht sie, weshalb auch Laubbäume abgeholzt würden, da ja "im Rahmen der Nachhaltigkeit ein Mischwald gewünscht wird", schreibt sie im ihrem Brief.

Besonders störten sie jedoch die teilweise nur zur Hälfte abgeschlagenen Bäume. "Ich nenne sie Baumleichen", beschreibt Gaby Mayer-Hoffmann ihre Sicht der Dinge.

Und ganz Unrecht hat sie mit ihrer Formulierung nicht. Tatsächlich würden Reste von Baumstämmen absichtlich im Wald zurückgelassen, weil dieses Totholz wiederum Lebensraum für andere Lebewesen - dazu zählen Vögel, Pilze und Insekten - biete, wie Gerhard Müller, stellvertretender Forstbetriebsleiter in Nordhalben, erklärt.
Wieviel Totholz im Wald zurückbleibt, richte sich streng nach einem Plan. "Ein Teil steht den sogenannten Brennholzselbstwerbern zur Verfügung, ein Teil wird abtransportiert, ein Teil bleibt im Wald. Das ist eine Naturschutzmaßnahme", unterstreicht Müller.

Das übrige Reisig werde als Teppich für die schweren Maschinen genutzt, um den Boden zu schonen. "Dabei werden immer wieder dieselben Gassen genutzt", erklärt Müller die meterlangen Schneisen.

Vergleichbar mit Baustelle

"Während der Holzerntemaßnahmen herrscht ein gewisses Durcheinander im Wald. Es ist vergleichbar mit einer Baustelle. Ich kann verstehen, dass einige Waldbesucher das nicht ästhetisch finden", so Müller.
Damit Menschen die Maßnahmen verstehen können, seien Informationen über die Arbeitsweise der modernen Forstwirtschaft grundlegend.

Verjüngung des Waldes

"Wir verarbeiten nicht nur Holz, sondern wollen auch Erholung gewährleisten sowie das Holzvorortherstellen. Wir handeln ausschließlich mit Blick auf Nachhaltigkeit", stellt Müller die Multifunktionalität der Forstwirtschaft dar.

Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, müsse eine Verjüngung des Waldes stattfinden. "Es werden gezielt einzelne Laubbäume gefördert, die aufgrund ihrer starken Krone am meisten fruktifizieren. Diese benötigen viel Licht, weswegen einige Bäume geschlagen werden", erklärt auch Matthias Schulze, Revierförster der Forstverwaltung Jöslein.