Wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte hat das Amtsgericht eine 34-jährige Frau aus Kulmbach am Freitag zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.


Freund mit Haftbefehl gesucht


Die Frau hatte sich ganz heftig gegen vier Polizisten zur Wehr gesetzt, die ihre Wohnung gestürmt hatten, unter anderem weil sie darin den Freund der Frau vermuteten, gegen den ein Haftbefehl vorlag. Wegen eines Gewaltdelikts sollte der Mann eine fünfmonatige Freiheitsstrafe antreten.

Die Beamten tauchten aber auch in der Wohnung der Frau in Kulmbach auf, weil sich ein Nachbar über den Lärm beschwert hatte. Der Mann berichtete unter anderem von Schreien und Schlägen.

Also rückten zunächst vier Kulmbacher Polizisten kurz nach ein Uhr nachts in der Wohnung an.
Die Angeklagte sei nackt gewesen und habe hysterisch und aggressiv gewirkt, berichteten alle vier Beamten einhellig. Es habe lange gedauert, bis sich die Polizisten schließlich gewaltsam Zugang verschaffen konnten.


Badezimmerfenster stand offen


Vom Freund gab es keine Spur, dafür stand das Badezimmerfenster sperrangelweit offen. Ob der Gesuchte tatsächlich geflüchtet war, konnte nicht nachgewiesen werden. Er wurde erst Wochen später gefasst.

Auch für ein Gewaltdelikt gab es keine Spur. Das konnten die Beamten aber nicht wissen. Also fixierten sie die Frau am Boden. Zuvor hatte sie sich trotz mehrfacher Aufforderung hartnäckig geweigert, etwas anzuziehen. "Wir haben sie mit Samthandschuhen angefasst, damit uns ja nichts untergeschoben werden kann", berichtete einer der Polizisten. Trotzdem war es der Frau gelungen, einen der Polizisten in die Hand zu beißen.


"Ich fühlte mich in meiner Ehre verletzt"


"Ich fühlte mich in meiner Ehre verletzt", sagte die Frau vor Gericht. Sie habe so hysterisch reagiert, weil sie bei der Fixierung keine Luft bekommen habe und sie komplett nackt gewesen sei. Die zahlreichen blauen Flecken und Hautrötungen, die ein Arzt später feststellte, führte die Angeklagte ausschließlich auf die Polizeigewalt zurück.

Die Angeklagte habe sich unheimlich stark gewehrt und ihm in den Handrücken gebissen, sagte einer der Polizisten. "So etwas erlebt man nicht alle Tage." Er gehe schon davon aus, dass der per Haftbefehl gesuchte Freund die Wohnung über das offen stehende Badezimmerfenster verlassen hatte. Der Beamte berichtete auch von wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen, teilweise unter der Gürtellinie. "Das ganze Verhalten war nicht normal", so der Beamte, der Drogenkonsum witterte.


Mit Engelszungen geredet


Dennoch habe man auf einen Drogentest verzichtet, um die Situation nicht noch mehr eskalieren zu lassen.
"Wir hatten unsere liebe Mühe, die Angeklagte zu bändigen", so der Kollege des Polizeibeamten. Man habe mit Engelszungen auf die Frau eingeredet, doch nichts habe geholfen. "Es war auch für uns ganz schön peinlich, die Frau niederzuringen, weil sie komplett nackt war", sagte ein weiterer Beamter. Trotz mehrfacher Aufforderungen habe sie keine Anstalten gemacht, sich etwas anzuziehen.

Pech für die Angeklagte waren zwei offene Bewährungen. Einmal wurde sie vom Amtsgericht Wunsiedel wegen einer Drogengeschichte zu einem Jahr auf Bewährung und zuletzt im Dezember 2012 vom Amtsgericht Kulmbach wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte deshalb auf acht Monate ohne Bewährung.


Schwere Vorwürfe gegen die Beamten


Zur Generalabrechnung mit der Polizei nutzte Verteidiger Werner Brandl aus Kulmbach sein Plädoyer. Das Vorgehen der Beamten sei auf keinen Fall durch die Strafprozessordnung gedeckt, der Haftbefehl sei gar nicht vorgelegt worden, einen Durchsuchungsbefehl habe es nicht gegeben, Gefahr sei nicht in Verzug gewesen. "Ich bezweifle, dass hier ein rechtmäßigen Vorgehen der Polizei vorliegt", sagte der Rechtsanwalt. Verhältnismäßig sei das Vorgehen ohnehin nicht gewesen. Vielmehr seien die Widerstandshandlungen der Frau durchaus gerechtfertigt gewesen. Den Biss in die Hand stufte Brandl als Notwehr ein und forderte Freispruch für seine Mandantin.

Amtsrichterin Sieglinde Tettmann urteilte schließlich auf sechs Monate ohne Bewährung. Der Polizeieinsatz sei keinesfalls illegal sondern in vollem Umfang gerechtfertigt gewesen. "Wie lange hätte die Polizei denn noch warten sollen?", so Tettmann. Sie räumte ein, dass die Situation für die Angeklagte peinlich gewesen sei, aber auch für die Polizisten. Die Angeklagte muss nun damit rechnen, dass auch die sechs Monate aus der Vorstrafe widerrufen werden. Sie muss außerdem die Kosten des Verfahrens tragen.