Vor Gericht wusste ein 49-jähriger Mann aus dem Landkreis Bayreuth selbst nicht mehr so recht, was in ihn gefahren war. Als Beschäftigter einer Tankstelle im Kulmbacher Landkreis hatte er eine vergessenen Geldbeutel mit über 100 Euro Inhalt auf einem Bistrotisch vor dem Kassenhäuschen entdeckt. Anstatt die Börse im Fundamt oder bei der Polizei abzugeben, steckte er sie einfach ein und machte sich somit einer Unterschlagung schuldig.
Die Quittung vor dem Kulmbacher Amtsgericht kam prompt: Der Mann wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 750 Euro (30 Tagessätze zu jeweils 25 Euro) verurteilt.


Den Arbeitsplatz hat er schon verloren


Doch damit nicht genug: Der Mann hatte wegen des Vorfalls außerdem seine Arbeitsstelle verloren und ist seitdem auf Jobsuche.

Dabei hätte er sich doch denken können, dass die Sache auffliegt. In dem Kassenhäuschen, in dem auch eine Poststelle untergebracht ist, war eine Videoüberwachung installiert. Mithilfe der Aufzeichnung sei man dem Angeklagten auf die Schliche gekommen, berichtete die ermittelnde Polizeibeamtin der Kulmbacher Inspektion.


Dreistes Vorgehen


Dreist war der Mann schon vorgegangen, denn der 30 Jahre alte Besitzer aus dem Landkreis Bamberg war noch am Nachmittag des Tattages, am 7. Juni dieses Jahres, in die Tankstelle zurückgefahren und hatte nach der Geldbörse gefragt. Der Angeklagte gab vor, nichts von dem verlorenen Teil zu wissen und notierte sich noch scheinheilig die Adresse des ratlosen Besitzers. Der Mann bedauerte nicht nur den Verlust von gut 100 Euro, auch Kreditkarten, Krankenkassenkärtchen, Personalausweis, Führerschein und verschiedene Mitgliedsausweise waren weg und mussten umständlich gesperrt beziehungsweise neu beantragt werden.

Vor Gericht machte der Angeklagte medizinische Probleme, seine schwierige persönliche Situation und eine gewisse Geldknappheit geltend. "Normalerweise ist das nicht meine Art", sagte er. Er wisse nicht, was ihn da geritten habe. Obwohl er das Geld schon für eigene Zwecke entnommen hatte, sei er aufgrund seines schlechten Gewissens abends zurückgefahren und habe die Geldbörse unter einen Baum in der Nähe versteckt. Sie ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.


Opfer nicht nachtragend


Trotz der immensen Scherereien, die der Mann aus dem Bamberger Landkreis wegen des Verlustes hatte, zeigte er sich vor Gericht nicht nachtragend. Der Angeklagte habe ihn angerufen und sich für sein Verhalten entschuldigt. "Damit ist der Fall für mich erledigt", sagte der 30-Jährige. Auch gegenüber der Polizei hatte der Angeklagte seine Verfehlung sofort und ohne Umschweife zugegeben. Die letztlich auch verhängte Geldstrafe von 750 Euro hatte bereits die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert. Der Angeklagte sei bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, sagte sie. Allerdings hätte der Mann noch am gleichen Tag die Chance gehabt, die Geldbörse zurückzugeben.

Gesundheitliche Probleme, ein finanzieller Engpass und eine schwierige persönliche Situation, das alles sei zugegeben nicht einfach, so Richterin Sieglinde Tettmann, habe allerdings keinen Einfluss auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten. Vor allem den hohen Schaden und die vielen Unannehmlichkeiten zur Wiederbeschaffung der diversen Karten und Ausweise wertete sie zulasten des Mannes, der nun auch noch die Prozesskosten berappen muss.