Kuopio, Finnland: Gelegen etwa auf 27 Grad östlicher Länge, 62 Grad östlicher Breite. Mittlere Tageshöchsttemperatur im Oktober 6 Grad Celsius. Sonnenaufgang heute um 8.19 Uhr, Sonnenuntergang um 17.27 Uhr - skandinavischer Winter. Warum also ausgerechnet Kuopio?

"Ich hatte für mein Auslandssemester immer Skandinavien im Auge", sagt Juliana Schmidt. "Spanien, Italien oder Frankreich, wo sich die Mehrheit der Studenten bewirbt, haben mich überhaupt nicht gereizt. Ich wollte die Kälte und die Dunkelheit hautnah miterleben."


Internationale Atmosphäre

Seit Anfang September lebt die 21-jährige Kulmbacherin, die am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium ihr Abitur absolviert hat und seither in Regensburg Betriebswirtschaftslehre studiert, in Kuopio im Osten Finnlands. An der University of Eastern Finland nimmt sie am "Erasmus"-Austauschprogramm teil. Die Atmosphäre an der Universität ist international. Julianas WG-Zimmer liegt in einem Wohnblock, in dem sehr viele Auslandsstudenten leben. Aber dennoch ist die Kulmbacherin schon tief eingetaucht in eine fremde, eine faszinierende Welt - und hat dort sogar ihre Liebe zur Natur und ihre Leidenschaft für Outdoor-Aktivitäten entdeckt.

Ein Auslandssemester wollte Juliana Schmidt unbedingt machen. Die Englischkenntnisse verbessern, sich persönlich weiterentwickeln, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität trainieren und eine neue Kultur kennenlernen - das waren ihre Beweggründe. Das Bewerbungsverfahren sei einfach gewesen, sagt sie. "Nachdem man sich drei Universitäten ausgesucht hat, muss man nur die Unterlagen für das Erasmus-Programm ausfüllen - und auf eine Antwort der Partner-Universität warten."

In Skandinavien war die Kulmbacherin zuvor noch nie. Ihr erster Eindruck: "Ich bin absolut begeistert und kann Finnland nur jedem ans Herz legen. " Die Menschen seien zurückhaltend, sagt die 21-Jährige. "Aber sobald man auf sie zugeht, sind sie hilfsbereit und nett, und sie blühen auf, sobald man ein Gespräch anfängt."

Das Studium in Finnland unterscheidet sich von dem in Deutschland. "Die akademische Freizeit, die jedem Studierenden hier zugesprochen wird, gefällt mir besser", sagt Juliana Schmidt. Jeder Studierende sei selbst für die Planung seines Semesters verantwortlich. Es gibt kaum Lehrveranstaltungen, bei denen die Anwesenheit Pflicht ist, dafür aber viele individuelle Aufgaben wie Essays und Präsentationen. "Das setzt Disziplin und Selbstmanagement-Kompetenz voraus" - was nichts anderes heißt als: Man muss sich gut organisieren können.


Outdoor-Aktivitäten sind beliebt

In den wenigen Wochen ihres Finnland-Aufenthaltes hat die Kulmbacherin schon einiges vom Land gesehen: Sie hat die Hauptstadt Helsinki besucht und ist von dort aus mit der Fähre nach Tallin in Estland gefahren. Die Inselfestung Suomenlinna zu besuchen, sei ein Muss, sagt sie. Und natürlich stehen auch noch die Stadt Tampere im Südosten des Landes und Lappland auf dem Besuchsprogramm.

Nach ihrer Ankunft in Finnland hat Juliana, wie sie sagt, eine völlig neue Seite an sich entdeckt: "Ich konnte mich nie so sehr für die Natur begeistern. Aber weil Kuopio eine kleine Stadt ist und die Innenstadt nicht viel bietet, gehen wir gerne raus in den Wald, interessieren uns für Outdoor-Aktivitäten wie 'Abseiling' (z.B. Abseilen von einer Skisprungschanze - die Red.) oder Trips mit dem Kanu oder dem Kajak."


Im Skianzug am Strand

Der beste Trip in den letzten Wochen sei eindeutig der Kanu- und Kajak-Trip auf eine Insel mit Sandstrand gewesen. "Wir waren 20 Leute, haben dort gegrillt, den Sonnenuntergang an einem Lagerfeuer genossen, Polarlichter angeschaut - und sind letztlich im Sand mit drei Pullis, Skianzug, Schal und Mütze eingeschlafen. "
Die Polarlichter haben die junge Kulmbacherin besonders fasziniert. "Anfang Oktober konnten wir jeden zweiten Tag Polarlichter am Himmel sehen - und die sind definitiv schöner als auf den Bildern. Wir waren jeden Tag aufgeregt wie kleine Kinder auf unseren Balkonen gesessen und haben gewartet, bis das Lichterspiel beginnt."


Ist Finnisch schwer?

Ist der skandinavische Winter also nicht so schlimm, wie man ihn sich immer vorstellt? "Nein, überhaupt nicht!" versichert Juliana. Langsam merke man zwar schon, dass es schneller dunkel werde, und die Temperaturen bewegten sich bereits im Minusbereich. Die Winterjacke hat die Kulmbacherin längst aus dem Koffer geholt. "Aber ich habe mir die Kälte und die Dunkelheit ja ausgesucht und bin schon sehr gespannt...."

Und wie ist das mit dem Vorurteil, dass Finnisch eine schwere Sprache sei, die man kaum erlernen könne? Auch das kann Juliana ein Stück weit entkräften. Am Anfang sei Finnisch natürlich super kompliziert: "Die Wörter haben so viele doppelte Buchstaben, es werden viele 'Ä' benutzt - und was im Deutschen ein ganzer Satz ist, ist im Finnischen manchmal nur ein Wort." Aber sie komme voran, und es gebe schon Erfolgserlebnisse: "Ab und zu kann man beim Einkaufen an der Kasse mal den Preis verstehen."

Noch hat die Kulmbacherin ja Zeit, zu üben.... Bis Mitte Dezember bleibt sie noch in Kuopio. An Weihnachten will sie wieder daheim bei ihrer Familie sein.