Hut ab vor dem Gedächtnis unserer Redaktionsassistentin Romy Denk, die zur Wende eine dreijährige Göre war, aber die Tage des Mauerfalls in bester Erinnerung hat. Selbst die ungewohnten Gerüche des Westens kann sie, das Kind des Ostens, noch heute mit blumigen Worten beschreiben. Alle Achtung.

Mir sind die Gerüche des Ostens, die aus den hunderten Trabis kamen, die im Herbst 89 die Kulmbacher Innenstadt verstopften, eher unangenehm in Erinnerung - die Gäste aus dem Osten natürlich nicht. Man freute sich mit und für die Menschen aus der DDR. Es waren spannende Zeiten für einen 14-jährigen Burschen. Als die Grenze öffnete, fuhr man mit der Familie nach Neustadt bzw. Sonneberg, um das Schauspiel der ins gelobte Konsum-Land ziehenden Trabi-Karawane zu bestaunen.Man reichte Bananen und Schokolade durch die Wagenfenster der im Stau stehenden Plaste-Elaste-Bomber. Die Grenzgänger mit dem seltsamen Dialekt griffen dankbar zu, es flossen Tränen drinnen wie draußen.

Dann erkundete man das unbekannte Land hinter dem Eisernen Vorhang. Man erinnert sich an grau-triste Fassaden, an Straßen voller Schlaglöcher - und die erste Thüringer Bratwurst in der Partnerstadt Saalfeld, über deren Qualität man lieber einen Senf-Mantel des Schweigens legt. Abends ging's zurück nach Kulmbach, Stau war nun auf der anderen Seite.

Auch in den Wochen danach stürmten meist grau gekleidete "Ossis" die Kulmbacher Geschäfte, verluden die vom Begrüßungsgeld gekauften Fernseher auf oder in ihre Trabbis und Wartburgs, die den Zentralparkplatz verstopften, und "machten wieder rüber".

Geblieben ist die Erinnerung an eine Zeit großer Euphorie, Aufbruchstimmung und - vor allem - Willkommenskultur. Stinkende Kisten, seltsamen Dialekt und miese Würste haben wir ausgehalten.