"Stahlzeit" fuhren vor ausverkauftem Haus eine ganze Armada an Pyrotechnik auf. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, züngelten und loderten die Flammen, krachte es wie anno dazumal, als auf der Plassenburg noch mit Kanonen geschossen wurde. Man fühlte sich an weihnachtlichen Lichterglanz erinnert. 1550 Fans waren Feuer und Flamme für eine Show, die sich vor dem Original nicht zu verstecken braucht.
Einer in der Gruppe hatten allen Grund zur Freude: Frontmann und Sänger Heli Reißenweber. Für ihn war das Gastspiel auf der Plassenburg ein Heimspiel und ein lang ersehntes obendrein. Bei seinen Worten fühlte man sich an das altbekannte Sprichwort "Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande" erinnert: "Vor über zehn Jahren spielten wir zum letzten Mal in Kulmbach. Seitdem wollte uns niemand mehr haben in der Bierstadt. Umso mehr freuen wir uns, auf der wunderschönen Plassenburg sein zu dürfen." Einen Dank richtete der Künstler auch an die Bayerische Schlösserverwaltung, der bei dem Gedanken an eine feurige Rock"n"Roll-Show in historischen Gemäuern anscheinend etwas mulmig zumute gewesen sein muss: "Die Burg steht noch und wird auch noch am Ende stehen."

"Rammstein" ist eine der erfolgreichsten Formationen Deutschlands. Eine, die das Martialische und das Männliche kultiviert. Und "Stahlzeit" gelten als eine der besten Rammstein-Coverbands Europas. Warum? Weil sie mit Flammenwerfern, Funkenblitzen, Funkenfontänen und vielem mehr das feurige Spektakel abliefern, das "Rammstein-Fans" eben nun mal sehen wollen. Weil sie eine Choreographie auf die Bühne zaubern, die dem große Vorbild mit viel Liebe zum Detail abgeguckt ist.

Heli Reissenweber, Matthias und Mike Sitzmann (beide Gitarre), Thilo Weber (Keyboards), Bora Öksüz (Bass) und Thomas Buchberger-Voigt erzeugten beim Konzert auf der Plassenburg, die Illustion, auf einem echten "Rammstein"-Konzert zu sein. Die tiefe, beschwörende Bassstimme von Sänger Heli Reißenweber, das immer präsente und rollende "R", der chaplineske Stechschritt in dem Stück "Links, zwei, drei, vier", der Keyboarder im Kochtopf (Thilo Weber) und das Spiel mit der radikalen Männlichkeit waren die Zutaten zu einem erstklassigen Tribut an Deutschlands düstere Krawall-Rocker.

Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen zur Plassenburg und passend dazu sang Heli "Hier kommt die Sonne". Der perfekte Auftakt für ein perfektes Konzert. Die Rhythmen donnerten, die Gitarren glühten, die Stimme schrie sich die Seele aus dem Leib - fetzige Rammstein-Hits wie "Benzin" wühlten auf, brachten die Fan-Seele zum Kochen. Und beim eingängigen, fast schon poppigen "Amerika" wurde eifrig mitgesungen.

"Seemann", eine der wohl bekanntesten Balladen "Rammsteins" präsentierte einer aus der Gruppe in ganz schlichtem Gewand, denn schließlich ist Bescheidenheit auch eine Tugend: "Stahlzeit"-Bassist Bora Öksüz spielte das Lied ganz allein und in aller Seelenruhe auf seinem Bass. Ein Gänsehautmoment zum Herunterkommen und Durchschnaufen. Und gleich darauf - das wohl düsterste Schlaflied aller Zeiten: "Mein Herz brennt" sang Heli mit tiefer Stimme und in den Herzen der Zuhörer züngelten vor lauter Begeisterung die Freudenfeuer.