Wenn Kerstin Weber mittags in der Küche steht, schaut sie sich nebenbei gerne über die Mediathek Dokumentationen im Fernsehen an. Das heißt: Sie würde sich die gerne anschauen, denn pünktlich um 12 Uhr kommt ihre Internetverbindung zum Erliegen. "Da geht dann plötzlich nichts mehr." Das ist nicht ausnahmsweise so, sondern praktisch täglich, erzählt die 51-Jährige.

"Ab 20 Uhr ruckelt und stockt es"

Das gleiche Spiel abends: Einen Film über Netflix streamen? "Ab 20 Uhr ruckelt und stockt es dauernd, vor allem, wenn noch einer meiner Söhne versucht, etwas aus dem Netz runterzuladen. Das macht dann einfach keinen Spaß mehr. Wir wünschen uns, dass das endlich störungsfrei klappt."

50 Mbit stehen Kerstin Weber theoretisch in Melkendorf zur Verfügung. Wenn sie die tatsächliche Leistung checkt, kommt sie selten auf mehr als 20 Mbit. So wie ihrer Familie, die auch für ihren kleinen Schreinerbetrieb auf verlässliche Online-Dienste angewiesen ist, geht es vielen Kulmbachern .

Grundsätzlich ist die Breitbandversorgung im Stadtgebiet gut, sagt Gerd Belke, für die Stadtplanung zuständiger Abteilungsleiter bei der Stadt. Aber es gibt Lücken. "Das Stadtgebiet ist ein Flickenteppich, die Ausbaustufen sind extrem unterschiedlich." Zwischen 30 und 250 Mbit stehen zur Verfügung. Das meiste davon liegt im unteren Bereich. Letztlich ist das Angebot abhängig von dem genauen Standort, von der Entfernung zum nächsten Knotenpunkt und von der Frage, ob es sich um Glasfaser oder Glasfaser in Verbindung mit Kupfer handelt, oder um durch sogenanntes Vectoring verbesserte Kupferverbindungen.

Wo ist die Anbindung top, und wo genau sind die Defizite? "Diese Frage lässt sich belastbar nicht auf Anhieb beantworten", sagt Gerd Belke. "Da muss man tatsächlich jeden einzelnen Anschluss prüfen." Die Stadt sei dazu gerne bereit, wenn Bürger sich mit entsprechenden Fragen an sie wenden. "Entweder können wir selbst Auskunft geben oder wir besorgen die entsprechende Info", sagt er. "Diesen Service möchten wir unseren Bürgern in jedem Fall gerne anbieten und sind bei Bedarf Ansprechpartner."

Während in einigen Bereichen die Arbeiten der dritten Ausbaustufe noch laufen, hat in diesem Jahr schon die nächste Phase begonnen. Der Freistaat Bayern bereitet neben der Umsetzung der bisherigen Förderprogramme zum Breitbandausbau eine weitere Stufe der Glasfaserversorgung vor. Nachdem die Europäische Kommission die künftige bayerische Gigabitrichtlinie genehmigt hat, können auch Gebiete, die schon von einem Netzbetreiber mit mindestens 30 Mbit versorgt werden, gefördert ausgebaut werden. Die Stadt Kulmbach ist dabei eine von sechs Modellkommunen in Bayern, in denen der Ausbau von hochleistungsfähigen Breitbandnetzen gefördert wird - mit dem Ziel, Übertragungsraten von mindestens einem Gigabit pro Sekunde symmetrisch für gewerbliche Anschlüsse und 200 Mbit für Privatanschlüsse zu generieren.

Kulmbach als Modell gut geeignet

Die Stadt Kulmbach eignet sich dafür gut, denn sie hat eine gewisse Komplexität, so Siegbert Reuther von Reuther NetConsulting aus Staffelstein. Sein Büro berät und betreut mit Ausnahme von Himmelkron alle Gemeinden des Landkreises beim Breitbandausbau. "Kulmbach besteht nicht nur aus dem Stadtkern, sondern hat auch ländliche Züge."

Im Modellprojekt, das die Stadt mit der Telekom durchführt, möchte der Freistaat das Förderverfahren testen und auch der Europäischen Union gegenüber zeigen, wie die Umsetzung aussehen kann. Gefördert werden rund 130 Anschlusspunkte. Der Freistaat gibt dafür eine Zuwendung von knapp einer halben Million Euro. 60 000 Euro muss die Stadt aus eigenen Mitteln aufbringen, erläutert Gerd Belke.

Als "hervorragend im Vergleich zu vielen anderen Landkreisen" bewertet Friedrich Weinlein von der Telekom-Technik die Kulmbacher Breitbandversorgung. Weinlein ist Breitbandberater für die oberfränkischen Kommunen, die Bürgermeister und Landräte.

Im Stadtgebiet habe die Telekom sehr viel ausgebaut, sowohl über geförderte Programme als auch eigenwirtschaftlich. "Wir haben allerdings kein Angebot für einige abgelegene Kulmbacher Ortsteile abgeben können. Wenn man für wenige einzelne Anwesen sehr weite Strecken bauen muss, ist das trotz Förderung wirtschaftlich kaum darzustellen. Am Ende muss für ein Unternehmen doch wenigstens ein kleines Plus stehen." Deshalb gehen beispielsweise Affalterhof und Rosengrund beim Ausbau vorerst leer aus.

Und wie lässt sich das Problem der Familie Weber aus Melkendorf lösen? Friedrich Weinlein hat die Möglichkeiten geprüft. Im Grunde könnten die Webers in ihrem Haus sogar 250 Mbit bekommen. Woran es liegt, dass selbst die bislang vereinbarten 50 nicht so laufen wie sie sollten, lässt sich per Ferndiagnose nicht feststellen. Doch Weinlein ist gern bereit zu helfen, um der Sache auf die Spur zu kommen.

"Es spielen viele Faktoren eine Rolle, damit beim Kunden ankommt, was wir liefern können. Manchmal braucht man Spezialmessegeräte, um die Netze auszumessen und vor Ort die Ursache zu finden." Die Familie dürfe sich gern an das Unternehmen wenden, und die Telekom werde auf eigene Kosten prüfen, ob ihrerseits vor Ort etwas nicht in Ordnung ist.

"Für einwandfreie Verbindungen ist in jedem Fall ein gutes Inhouse-Netz nötig, zum anderen gibt es oft Störquellen, mit denen man gar nicht gerechnet hat. Diese liegen nicht zwangsläufig im Netz des Anbieters." Kurioses Beispiel: "Wir hatten schon den Fall, dass ein Rasenmähroboter, der nicht korrekt entstört war, das WLAN-Netz des Nachbarn massiv beeinträchtigt hat."

Kerstin Weber freut Weinleins Angebot. Sie will sich umgehend an den Provider wenden, damit ihre Familie möglichst bald mit einer stabilen Verbindung alle Online-Möglichkeiten nutzen kann.