Wer hätte nach dem 5. Spieltag einen Cent auf den SSV Kasendorf als kommenden Meister der Fußball-Bezirksliga Ost gesetzt? Wohl nicht einmal Berufsoptimisten. Denn gerade hatte der SSV beim Lokalrivalen TSV Neudrossenfeld II (0:2) völlig enttäuscht und lag mit nur drei Punkten auf Rang 13 - punktgleich mit dem Letzten. Natürlich diskutierten die SSV-Anhänger schon, ob denn der neue Spielertrainer Markus Taschner der Richtige wäre, erinnert sich SSV-Vorsitzender Volker Täuber. Heuer bestreitet aber keiner mehr: der 33-Jährige ist ein Glücksgriff für den Verein. Von den folgenden 26 Spielen verloren die Kasendorfer nur noch eines, spielten vier Mal unentschieden und krönten sich bereits am vorletzten Spieltag zum Meister. Wenn am 12. Juli die neue Landesliga-Saison beginnt, sind erstmals auch die Kasendorfer mit von der Partie.

Es ist der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

3:0 gegen den VfB Kulmbach war die Wende
Markus Taschner gesteht ein, nach jenem 5. Spieltag im August 2013 "das Nachdenken angefangen" zu haben, obwohl ihm die Mannschaft signalisiert habe, "dass wir da schon wieder raus kommen". Sie sollte Recht behalten. Das 3:0 am 6. Spieltag gegen den VfB Kulmbach war die Wende. Danach folgten 20 Siege, vier Unentschieden und nur eine Niederlage. SSV-Vorsitzender Volker Täuber kennt die Ursache für den Aufschwung: "Markus Taschner ist in die Innenverteidigung zurückgerückt und war Stabilisator der Abwehr."

Markus Taschner selbst bezeichnet "den Charakter der Mannschaft" als das Erfolgsgeheimnis. Der 33-Jährige sagt: "Ich habe keinen einzigen Stinkstiefel im Team, keiner macht Theater.

Jeder Spieler bringt sich bestmöglich ein." Deshalb bereite es ihm auch "Riesenspaß", mit jungen, lernwilligen Talenten wie Daniel Weiner, Patrick Dippold oder Simon Hösch zu arbeiten. "Sie haben einen Riesensprung gemacht. Jetzt bin ich gespannt, wie sie sich an das höhere Niveau in der Landesliga gewöhnen."

Dass dort ein anderer Wind als in der Bezirksliga weht, weiß Taschner. Er vertraut aber ganz dem Lernwillen seiner Mannschaft. "Wir werden uns der Herausforderung stellen." Natürlich zähle nichts anderes als der Klassenerhalt.

Für SSV-Fußballabteilungsleiter Hans Weggel ist es bereits der siebte Aufstieg als Funktionär beim SSV Kasendorf. Er bescheinigt seinem Trainer, der in Kulmbach wohnt und als Lehrer an der Gesamtschule Hollfeld tätig ist, einen excellenten Draht zur Mannschaft. "Markus kommt bei den Spielern prima an.

Man merkt, dass er eine pädagogische Ausbildung hat." Aufmerksam auf Taschner wurde man beim SSV im Winter 2013. Damals noch Spielertrainer beim SV Stechendorf, führte der gebürtige Hollfelder den Kreisklassisten zum Pokalerfolg über die favorisierten Kasendorfer. Taschner ist froh, dass er dem Lockruf des SSV gefolgt ist: "Der Verein ist sehr gut aufgestellt, wird bodenständig geführt. Da gibt es viele helfende Hände, so dass man als Trainer nicht auch noch die Bratwürste braten muss."

Defensive das Prunkstück
Prunkstück der Kasendorfer Meister-Mannschaft war zweifellos die Defensive. Weniger als einen Treffer pro Spiel (28 in 30 Partien) gestattete sie dem Gegner.

"Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass wir hinten sicher stehen, denn mit unserer hohen individuellen Qualität in der Offensive schießen wir irgendwann immer ein Tor", verrät Taschner seine Philosophie.

Und im Gehäuse hätten laut Taschner erst Tobias Löhrlein, der nur sechs Spiele bestritt und im Winter zum SV Würgau wechselte, dann Bernd Putschky und nach der Winterpause Neuzugang Sebastian Eck "einen Superjob gemacht". Weil Putschky nun aufhören will, sucht der SSV einen neuen Ersatzkeeper.

Taschner kürt auch einen Spieler der Saison: Daniel Grasgruber. "Er hat auf der Außenbahn eine konstant gute Leistungen gezeigt und Fähigkeiten, höherklassig zu spielen." Vor allem als Vorbereiter glänzte der 26-Jährige, war diesbezüglich mit acht Vorlagen Bester seiner Mannschaft.

Drei Neuzugänge
Mit drei Verstärkungen

glaubt man beim SSV Kasendorf, für die Landesliga gewappnet zu sein: Der bayernligaerfahrene Dominik Schorn (25/ASV Hollfeld) und Matthias Pistor (20), der nach zwei Jahren vom TSV Presseck zurückkehrt, sollen die Offensive verstärken. Matthias Pistor traf in der abgelaufenen Kreisliga-Saison 18 Mal, einmal mehr als sein Bruder Andreas für die Kasendorfer. Der fiel jedoch zuletzt mit einer Knieverletzung lange aus. Zum Trainingsauftakt am nächsten Dienstag will Andreas aber wieder angreifen. Ein erfahrener Mann für Abwehr oder Mittelfeld ist der Grafengehaiger Sebastian Wirth. Der 24-Jährige gehörte in den vergangenen beiden Jahren zur Stammelf der SpVgg Selbitz, mit der er jüngst aus der Bayernliga abgestiegen ist.

In der Vorbereitung werden die Kasendorfer unter anderem auf den Bayernliga-Aufsteiger TSV Neudrossenfeld (beim Sportfest in Lindau) treffen - ein echter Härtetest für die neue Mannschaft.

Vorsitzender Volker Täuber wünscht sich für die Landesliga vor allem dies: "Ich hoffe, dass die Zuschauer auch mal wieder Niederlagen verkraften können." Eine Situation, die die Fans lange nicht mehr erleben mussten. Denn 2014 ist der SSV in Punktspielen noch ungeschlagen. Wer hätte das nach dem 5. Spieltag gedacht?


Alle Spieler des Meisters
30 Spiele Thomas Ellner
29 Markus Taschner,
Florian Luft, Simon Hösch
28 Stefan Sesselmann,
Daniel Grasgruber,
Daniel Weiner
27 Sebastian Luft
26 Oliver Wagner
25 Patrick Dippold,
Jochen Hollfelder
22 Andreas Pistor
20 Martin Stübinger
19 Bernd Putschky
16 Oliver Reif
15 Tobias Löhrlein
12 Johannes Potzel,
Sebastian Eck
11 Maximilian Erlmann
8 Dominik Hösch
4 Michael Hein,
Maximilian Bayer
2 Holger Hösch,
Sebastian Klaus
1 Andre Krüger,
Maximilian Popp,
Maximilian Mösch

Aufgeführt sind alle Spiele, in denen die SSV-Akteure im Kader standen.


Alle Torschützen des Meisters
17 Tore Andreas Pistor
11   Sebastian Luft
7  Thomas Ellner,
Simon Hösch.
6 Jochen Hollfelder,
Daniel Weiner
4 Markus Taschner
3 Daniel Grasgruber,
Oliver Wagner.
2 Stefan Sesselmann
1 Florian Luft