Ausverkauft? Von wegen! Gerade mal 80 Zuschauer wollten das Stadtderby zwischen dem ATS und dem TSV 08 Kulmbach sehen - 20 weniger als erlaubt. Und das nach einem halben Jahr Corona-Zwangspause für den Fußball! Eine echte Überraschung. Normalerweise lockt das brisante Nachbarduell 300 bis 400 Fußball-Fans an. Interessiert die Leute der neue Liga-Pokal nicht? Oder bleiben die Leute aus Angst vor dem Virus zu Hause? "Ich kann es den Leuten nicht verdenken, dass sie bei diesen Bedingungen nicht zuschauen wollen", zeigt ATS-Fußballabteilungsleiter Christian Kolb Verständnis. Denn ihm selbst macht Fußball unter den strengen Corona-Sicherheitsvorschriften auch keinen großen Spaß. 90 Minuten mit Maske vor dem Mund auf der Tribüne sitzen - darauf haben offensichtlich die wenigsten Lust. "Wir beim ATS waren bei der ersten Umfrage des Verbandes auch für eine Fortsetzung der Saison. Aber angesichts der Entwicklung hätte man die Entscheidung überdenken, die Saison abbrechen und die Erstplatzierten aufsteigen lassen sollen. Das hätte man in den nächsten Spielzeiten durch verschärften Abstieg wieder ausgleichen können", meint Kolb.

Belehrung für Ex-OB

Die 80 Zuschauer verlieren sich im großen Stadion in Weiher, das auch ein paar tausend Zuschauer verträgt. Die 1,50 Meter Abstand sind also kein Problem, die Maskenpflicht ist es dagegen schon. So legen einige den Mund-Nasenschutz auf ihren markierten Sitzplätzen ab. Abteilungsleiter Christian Kolb muss die Leute ermahnen, auch Ex-Oberbürgermeister Henry Schramm. Zumindest darf er auf seinem Stammplatz nahe der Auswechselbank, nach dem Hygienekonzept des ATS eigentlich Spielern und Offiziellen vorbehalten, stehen bleiben. Vorbildlich verhält sich dagegen Platzwart Mathias Graser: Er trägt sogar Mundschutz, als er in der Pause auf dem Rasen die Löcher in der Grasnarbe stopft.

Die ATS-Fußballabteilung hat jedenfalls alles Menschenmögliche getan, um die Hygienevorschriften umzusetzen. "Wir hatten in dieser Woche neun Mann im Einsatz, um die Sektoren zu markieren, die Pfeile für die Laufwege aufzusprühen und die Hinweisschilder aufzustellen", sagt Kolb.

Für das ATS-Sportheim gelten dagegen wieder andere Gesetze, nämlich die Corona-Gaststättenverordnung. Die Zuschauer auf der Tribüne brauchen an ihrem Tisch keine Maske tragen, sie bekommen auch etwas zu essen: es gibt Wiener und belegte Brötchen.

Einer von ihnen ist Johnny Franzl, seit vielen Jahren ATS-Fan. Er verpasst kein Spiel, wie er sagt. Wie erklärt sich Franzl die enttäuschende Zuschauerresonanz? "Viele haben wohl gedacht, beim Limit von 100 Zuschauern komm' ich eh nicht rein." Er macht keinen Hehl daraus, dass er die strenge Limitierung für Quatsch hält. Und auch Franzl hätte die Saison im Amateurbereich abgebrochen. "Die Bayern sind die einzigen, die weitermachen", sagt er kopfschüttelnd.

Immerhin - den Spielern hat es Spaß gemacht, dass sie ihr Hobby endlich wieder im Wettkampfmodus ausüben können. ATS-Spieler Johannes Koch sagt: "Das halbe Jahr Pause hat sich ewig angefühlt." Dass die Resonanz so schwach war, stört Koch nicht. "Es war wichtig, überhaupt wieder mal vor Zuschauern zu spielen, das macht einfach mehr Spaß."

Liga-Pokal für Kreisliga, Männer

ATS Kulmbach - TSV 08 Kulmbach 1:2 (0:0) Die Gäste siegten nicht unverdient. Sie fanden zunächst besser ins Spiel, der ATS probierte es mit langen Bällen. Die ersten Chancen der Gäste parierte ATS-Keeper Schuberth jedoch souverän. Mit zunehmender Spieldauer erarbeitete sich das Team von Spielertrainer Florian Hohla ein leichtes Übergewicht, ließ aber beste Chancen aus. Der gute Gästekeeper Jannick Martin war unter anderem gegen Ahmet Topal, Izzet Nacak und Johannes Adam auf dem Posten. Nach dem Seitenwechsel profitierten die Gäste von individuellen Fehlern des ATS. Fabian Früh überwand nach einer Unachtsamkeit in Anschluss an einen Einwurf den ATS-Keeper, der auf einen mitlaufenden Spieler spekulierte.

Nur fünf Minuten später gab es Elfmeter, als Torwart Schuberth nach einer Bogenlampe den Ball nicht wegfaustete, sondern einen Gästespieler foulte. Benedikt Höfner verwandelte eiskalt. Der ATS stemmte sich gegen die Niederlage und erzielte durch einen Flachschuss von Nack den Anschlusstreffer. Doch der Gastgeber agierte offensiv zu überhastet und planlos, so dass es beim 1:2 blieb.T.G. Tore: 0:1 Früh (57.), 0:2 Höfner (62./Foulelfmeter); 1:2 Nacak (70.) / Schiedsrichter: Gündüz (Kulmbach) / Zuschauer: 80.