Es ist ruhig auf dem Gelände der ehemaligen Spinnerei. Nur Vogelgezwitscher ist zu hören. Vereinzelt stehen Baumaschinen herum. Die Fahrerkabinen sind leer. Noch vor nicht allzu langer Zeit sah das anders aus. Da herrschte reges Treiben auf der 14 Hektar großen Industriebrache, waren die Abrissarbeiten in vollem Gange. Dass sich im Moment nichts tut, liegt daran, dass die Abrissfirma abgezogen ist. Denn die Gemeinde hat die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beendet und wird einen neuen Auftragnehmer suchen.

"Es bestanden Diskrepanzen hinsichtlich des erbrachten Leistungsumfangs und des Termins zur Fertigstellung der Baustelle", erklärte Bürgermeister Robert Bosch (CSU) gegenüber der Bayerischen Rundschau. Viel mehr kann er nicht sagen, denn: "Beides wird gegenwärtig von der Gemeinde und dem bisherigen Auftragnehmer eruiert und ist Gegenstand einer laufenden rechtlichen Auseinandersetzung. Die Gemeinde wird entsprechend rechtlich beraten." Deshalb ruhen seit Februar die Arbeiten. Bosch rechnet mit einer Zwangspause, weil der Auftrag nun neu vergeben werden muss. Es soll aber in diesem Jahr noch weitergehen.

Wir haben auch die Firma um eine Stellungnahme gebeten, aber keine Antwort erhalten.

Doch auch wenn der Markt Mainleus nicht zufrieden ist mit den erbrachten Leistungen, so hat sich dennoch viel getan auf dem östlichen Teil des Areals Mitten im Herzen des Marktes, seit vor einem Jahr die Abrissarbeiten vergeben worden sind. Viele Gebäude sind mittlerweile verschwunden. Was in diesem Teil des Geländes noch steht, soll bleiben.

Die Fassaden der alten Gebäude unterschiedlichsten Baualters (zwischen 1908 und 1969 wurden sie damals errichtet) sollen wieder so erstrahlen wie früher: in Backsteinoptik. Der fahle, eierfarbene Putz, der an vielen Stellen schon fast alleine von den Wänden bröckelt und mit bloßer Hand entfernt werden kann, soll dort ganz verschwinden. "Früher hat man wohl gedacht, wir verputzen alles, damit es sauberer aussieht", sagt Robert Bosch mit Blick auf den Zeitgeist vergangener Jahrzehnte. Heute sieht man das anders. Selbst Verfärbungen der Steine würden nicht stören, im Gegenteil. "Das tut dem Charme nicht weh."

Viele Flächen sind mittlerweile freigeräumt, dort ist das Abbruchmaterial fein säuberlich getrennt. Schilder mit Bezeichnungen wie RC-4.8 stecken in den Häufen, die sich dicht an dicht aneinanderreihen und auf den Abtransport waren. Sie sind für Fachleute Hinweis darauf, um was für ein Material es sich handelt und wie es entsorgt beziehungsweise recycelt werden muss. Ziegel, die sich ebenfalls auf Häufen türmen, sollen vor Ort wiederverwendet und bei der Sanierung der alten Gebäude eingesetzt werden.

"Der Abriss bildet die Vorbereitung für die weitere Entwicklung, um Verkehrswege, veräußerbare und bebaubare Flächen zu erschließen", erklärt Bosch. Rund drei Millionen Euro sind anberaumt für den östlichen Abschnitt, der zu 90 Prozent von der Förderoffensive Nordbayern bezuschusst wird.

Was muss die neue Abrissfirma noch tun? "Einige Keller sind noch nicht zurückgebaut, Material muss noch abgefahren werden. Auch die Geländemodellierung fehlt noch", zählt Bosch die anstehenden Arbeiten auf.

Parallel soll zudem der Abriss West ausgeschrieben werden. Der sei zwar von der Fläche geringer, aber spannender, weil Korridore in der große Halle herausgerissen werden. Sie sollen die Außenbereiche in dem vorgesehenen Wohngebiet bilden. Bosch rechnet mit ähnlichen Kosten wie im ersten Bauabschnitt, also wieder mit drei Millionen Euro. "Wenn das klappt, liegen wir im zugesagten Förderrahmen von rund sechs Millionen Euro."

Was möglichst schnell umgesetzt werden soll (das hängt von der Förderung ab), das ist die Sanierung des Dachs des sogenannten Batteurgebäudes unweit des Eingangsbereichs. Das Dach, auf dem schon kleine Bäume wachsen, sei undicht, erklärt Bosch weiter.

Dass die Baustelle auch von der Bevölkerung beobachtet wird, weiß Bosch. "Da spürt man eine gewisse Erwartungshaltung." Aber das Projekt brauche nicht nur aufgrund seiner immensen Größe Zeit, sondern die Gemeinde sei auch von den Fördertöpfen abhängig.