Vor einem Jahr startete in Kulmbach die Impfkampagne. Mit einem Tag Verspätung, denn der ursprünglich am 27. Dezember geplante Auftakt musste wegen einer Panne abgesagt werden. Bei der Auslieferung der ersten Impfstoff-Charge von Biontech für die Landkreise Kulmbach, Bayreuth, Kronach, Lichtenfels, Coburg, Hof und Wunsiedel war es zu einer Unterbrechung der Kühlkette gekommen. Die oberfränkischen Landräte hatten sich deshalb darauf geeinigt, die betroffene Charge nicht mehr zu verwenden und den Impfstart auszusetzen.

Sie waren die Ersten

Einen Tag später, am 28. Dezember, war es dann soweit. Die damals 96-jährige Kulmbacherin Elisabeth Charlotte Zimmermann war die erste Frau, der frühere Klinikums-Chefarzt Johann Hunger der erste Mann, die im Impfzentrum im vierten Obergeschoss des "Fritz" ihre Spritzen erhielten.

Seit einem Jahr läuft die Impfkampagne nun. Viel hat sich in dieser Zeit getan. Der Anfang gestaltete sich aufgrund der Impfstoff-Knappheit schleppend, Termine waren heiß begehrt. Als dann genügend Serum da war, geriet das Vakzin von Astrazeneca in Verruf, und es zeigte sich, dass die Impfwilligkeit der Bevölkerung hinter den Erwartungen zurückblieb. Im Sommer schien das Virus weit weg, und Impfmüdigkeit machte sich breit. Auch im Kulmbacher Impfzentrum waren die Tage der riesigen Nachfrage vorbei. Der Landkreis entschied sich dennoch dafür, das Impfzentrum offen zu halten - wenn auch in etwas verkleinerter Form. Die Einrichtung zog vom vierten Stock des Spinnerei-Hochhauses in das Erdgeschoss des "Fritz"-Einkaufszentrums, wo seit Oktober auf gut einem Drittel der ursprünglich 1000 Quadratmeter Fläche geimpft wird.

Das ist der aktuelle Stand

Und das ist der aktuelle Stand zum Thema Impfen im Landkreis Kulmbach:

Impfquote

Seit Beginn der Impfkampagne wurden im Landkreis Kulmbach insgesamt rund 128 000 Impfdosen verabreicht. Diese Zahl schlüsselt sich wie folgt auf (Stand 27. Dezember): 52 836 Erstimpfungen (Impfquote 73,97 Prozent), 50 497 vollständig Geimpfte (70,70 Prozent), 24 812 Drittimpfungen (rund 35 Prozent). Wo wurde wieviel geimpft? 63 389 Mal im Impfzentrum, 8049 Mal durch mobile Impfteams des Landkreises, 3006 Mal im Klinikum, 52 067 Mal bei Hausärzten (dazu noch 748 Johnson-&-Johnson-Impfungen, die auf der Landkreis-Homepage gesondert aufgeführt werden, alles Stand 23.12.).

Zum Vergleich die Impfquote in den Nachbarlandkreisen: Spitzenreiter ist der Landkreis Lichtenfels. Dort liegt die Quote der vollständig Immunisierten bei 79,29 Prozent, die der Auffrischimpfungen bei 50,22 Prozent (Stand 27. Dezember). Im Landkreis Kronach sind 73 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Corona geimpft, 35,5 Prozent haben eine Auffrischung erhalten (Stand 27. Dezember). Bayreuth hat eine Impfquote von 72,2 Prozent, geboostert sind dort 32,7 Prozent (Stand 26. Dezember).

Auslastung Impfzentrum

Nach einer Impf-Flaute im Sommer hat man im Kulmbacher Impfzentrum wieder alle Hände voll zu tun. Vor allem seit dem Herbst mit seinen steigenden Infektionszahlen und den zunehmenden Einschränkungen für Ungeimpfte ist der Piks wieder stark nachgefragt. "Wir haben im Durchschnitt 350 Impfungen pro Tag nur im Impfzentrum", sagt dessen organisatorischer Leiter, Marcel Hocquel. Dazu kommen noch die Impfungen durch die mobilen Teams und die Hausärzte. Rund 85 Prozent der Termine im Impfzentrum sind Auffrischungen. Die Verfügbarkeit des Impfstoffs ist nach einem kleinen Engpass vor einigen Wochen kein Problem mehr. Man bekomme, was man bestelle, so Hocquel. Darüber hinaus habe der Freistaat auch die sogenannten Ultrakühlstandorte wieder mit einem Puffer aufgefüllt.

Verabreicht werden im Impfzentrum nach den Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) die Vakzine von Biontech, Moderna und Johnson & Johnson. Im Herbst war vor allem das Serum von Johnson & Johnson gefragt, weil für den vollständigen Impfschutz nur eine Spritze notwendig ist. "Die Nachfrage ist aber mittlerweile nicht mehr so groß wie am Anfang", weiß Marcel Hocquel, der von unter zehn Impfungen pro Woche spricht. Auch für Johnson & Johnson wird seit einiger Zeit eine Auffrischung nach vier Wochen mit einem mRNA-Serum empfohlen. "Und die Vorteile eines Geboosterten habe ich dann noch nicht." Dafür wäre dann wie bei allen anderen Vakzinen eine dritte Dosis nötig.

Kinder-Impfung

Eine Woche vor Weihnachten wurde im Kulmbacher Impfzentrum mit dem Impfen von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren begonnen, nachdem die Europäische Arzneimittelagentur grünes Licht für die Zulassung des entsprechenden Serums von Biontech gegeben und die Stiko eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte. Die Kinder-Impfungen finden im Rahmen eigener Zeitfenster außerhalb des normalen Impfbetriebs statt, um Wartezeiten und Stress für die Kleinen zu vermeiden und die Gefahr des Vertauschens von Impfstoff zu bannen. Zwei Kinder-Impfaktionen gab es bislang: am Samstag, 18. Dezember, und am zweiten Weihnachtsfeiertag. 120 Buben und Mädchen, auch aus Nachbarlandkreisen, erhielten dabei ihren ersten Piks. "Es ist alles sehr ruhig und entspannt für alle Beteiligten abgelaufen", berichtet Marcel Hocquel. In Absprache mit den Kinderärzten soll in der nächsten Woche wieder ein Kinder-Impftermin angeboten werden.

Impfgegner

Wenn es um das Thema Impfen geht, kann man auch die Proteste von Impfgegnern nicht (mehr) ausblenden. In Kulmbach hält die Gruppierung "20plus1" des Bayreuthers Harald Steger, der Verbindungen zu Kulmbacher AfD-Politikern hat, regelmäßig Demonstrationen auf dem Marktplatz ab, die als "Montagsdemos" tituliert werden. 100 bis 200 Menschen, auch von außerhalb, protestieren dabei gegen Impfpflicht und Corona-Maßnahmen und sprechen unter anderem von "Corona-Märchen" und "Plandemie".