Neudrossenfeld und Marktleugast stehen auf einer Liste mit bedrohten Schulstandorten, die die Bayern-SPD in der vergangenen Woche veröffentlicht hat. Grund: die Entwicklung der Schülerzahlen. Denn nach der Grundschule sehe es für die Einrichtungen düster aus, so die Prognose.

Die Lösung der Sozialdemokraten: die Einführung der bayerischen Gemeinschaftsschule, die sich an Konzepte in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg orientiert. Dort werden die Kinder nach der Grundschule nicht mehr auf die verschiedenen Schularten aufgeteilt, sondern bis zur zehnten Klasse unter einem Dach unterrichtet - mit der Möglichkeit, alle Abschlüsse zu erlangen.
Doch dieser Vorschlag ist umstritten.


"Worthülse ohne Inhalt"

Für den Leiter der Grund- und Mittelschule Marktleugast, Siegfried Sesselmann, ist die von der SPD propagierte Gemeinschaftsschule "eine Worthülse, die erst einmal mit Inhalt gefüllt werden muss. Es gibt hier so viele Arten, dass man sich erst einmal fragen muss, wie die Gemeinschaftsschule überhaupt aussehen soll". Auch organisatorisch müsse alles erst einmal durchdacht werden.

Für Sesselmann, der zugleich Koordinator des Schulverbundes Marktleugast/Neuenmarkt/Stadtsteinach ist, stellt sich zudem die Frage, ob Eltern, Wirtschaft, Handwerk und Gesellschaft dieses Gemeinschafts-Modell überhaupt annehmen.

Durch die Verbünde in Stadt und Landkreis sieht Sesselmann keinen Standort in Gefahr. "Im kommenden Schuljahr haben wir sogar zwei erste Klassen in Marktleugast."

Rückendeckung erhält er von Schulamtsdirektor Jürgen Vonbrunn. Der stellt klipp und klar fest: "Solange die Schulen in den Verbünden sind, ist auf absehbare Zeit keine Schule gefährdet." Selbst wenn in einer Einrichtung einmal eine Klasse herausbreche, bringe das den Standort nicht in Bedrängnis.

Das Bestreben der SPD, eine Gemeinschaftsschule einzuführen, hält er für legitim. "Das ist einfach eine andere Schulform. Man muss abwarten, wie die Politik darauf reagiert." Ob die Gemeinschaftsschule tatsächlich das bessere Modell ist, das könne er nicht beurteilen. Er weiß allerdings um den Umstand, dass es diese Einrichtungen bereits in anderen Bundesländern gibt. "Und im Vergleich zu denen schneidet Bayern gut ab." So lange ein System gut laufe, werde man es wohl nicht ändern, glaubt Vonbrunn.. "Das ist die Position der Staatsregierung."
Aufgrund stabiler Zahlen im Schulverbund mit Eckersdorf und Hummeltal sieht die Leiterin der Friedrich-von-Ellrodt-Schule, Anja Buchdrucker, keine akute Gefahr für den Schulstandort.


Durchaus eine Alternative

Allerdings hält sie in die Gemeinschaftsschule durchaus für eine Alternative: "Die Gemeinschaftsschule würde weite Fahrtwege verhindern und Schulstandorte in ländlichen Gebieten langfristig erhalten. Pädagogisch gesehen finde ich sie ebenfalls sinnvoll. Das Aussieben nach hinten zu verlagern und Gruppen möglichst leistungsdifferent zu unterrichten, kann ein Vorteil für alle Schüler bedeuten."

Allerdings weiß sie auch, dass eine Gemeinschaftsschule eine komplette Änderung des bestehenden Systems bedeutet. "Da sehe ich große Schwierigkeiten, Eltern, Verbände der verschiedenen Schularten und so weiter mit in ein Boot zu holen."

Die Bürgermeister aus Neudrossenfeld und Marktleugast, Harald Hübner und Franz Uome (beide CSU), sorgen sich derzeit nicht um ihre Schulstandorte.

Franz Uome zeigte sich von den Aussagen der SPD überrascht. "Wir haben einen starken Verbund, der läuft 1a. Die nächsten Jahre sind gesichert, was dann kommt, muss man sehen." Er wisse um den Umstand, dass die Gemeinschaftsschule ein Thema der SPD sei. Dass das jetzt aber "so krass publik gemacht wird, hat mich schon etwas irritiert. Vor allem, weil in den Äußerungen explizit von Marktleugast und Neudrossenfeld die Rede ist".

Ähnliche Töne auch von Harald Hübner, der sich auf absehbare Zeit nicht um den Standort sorgt. "Natürlich sind wir laufend dabei, den Verbund zu stärken und gegebenenfalls einen neuen Partner zu finden." Es sei zwar sinnvoll von der SPD, sich mit dem Thema zu befassen, "aber manchmal wird auch übertrieben. Man kann die Leute in Angst und Schrecken versetzen, wenn man eine Gefährdung des Schulstandorts in den Raum stellt", so Hübner.