Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er einem 22-jährigen Arbeiter ohne Grund einen heftigen Faustschlag versetzt hatte. Folgen waren unter anderem eine Nasenprellung, eine Gehirnerschütterung, eine offene Wunde im Gesicht und ein gebrochener Finger.

Der junge Mann musste mit dem Rettungswagen ins Klinikum gebracht werden, verbrachte dort eine Nacht stationär und war anschließend fast zwei Wochen lang krankgeschrieben.


Alkohol im Blut


Tatzeit war der frühe Morgen des 4. September 2016 gegen 3.45 Uhr. Der Angeklagte hatte 1,5, sein Opfer 1,6 Promille Alkohol im Blut. Er habe sich nur gewehrt, der andere habe angefangen, sagte der Angeklagte und berichtete von dem unvermittelten Angriff auf der Herrentoilette.

Zuerst sei er verbal attackiert worden, dann sei sein Gegenüber handgreiflich geworden.

Eine ganz andere Version präsentierte das Opfer, der 22-jährige Arbeiter aus Kulmbach. Auch er will sich nur gewehrt haben. Er habe eigentlich nur seine Hände trocknen wollen, doch als er den Mann freundlich antippte, habe der gleich zu pöbeln begonnen und ihm mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen. "Irgendwas hat ihm wohl nicht gepasst", sagte der Zeuge.

Sein ganzes Gesicht sei sofort heftig angeschwollen, er habe geblutet, später im Krankenhaus sei dann die Gehirnerschütterung diagnostiziert worden. Mit dem Schlag auf der Herrentoilette war die Sache allerdings noch nicht zu Ende.


Schlägerei auf dem Parkplatz


Wie ein Security-Mitarbeiter aus Himmelkron berichtete, hätten die beiden Streithähne anschließend vor dem Tanzcenter noch einmal die Fäuste sprechen lassen. Weil der Zeuge dabei den Angeklagten geschlagen haben soll, muss sich in den kommenden Wochen auch der 22-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Zweimal war der Angeklagte bereits vorbestraft, einmal wurde er wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe von 600 Euro, ein weiteres Mal ebenfalls wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 800 Euro verurteilt.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war es auch diesmal wieder ein klarer Fall von vorsätzlicher Körperverletzung. Aufgrund der Schwere der Verletzungen als auch der einschlägigen Vorstrafe forderte der Anklagevertreter deshalb eine Geldstrafe in Höhe von 160 Tagessätzen zu jeweils 25 Euro.


Retourkutsche auf dem Parkplatz


Ganz so hoch wollte Richterin Sieglinde Tettmann aufgrund der Gesamtumstände der Tat dann allerdings doch nicht gehen. Sie entschied auf 90 Tagessätze zu jeweils 25 Euro. Der Angeklagte sei alkoholbedingt enthemmt gewesen, eine vorangegangene Provokation seitens des Opfers sei nicht auszuschließen, außerdem habe er dann später vor dem Tanzcenter ganz offensichtlich auch die Retourkutsche bekommen.

Ohne die einschlägige Vorstrafe, so die Richterin, hätte sie es sich eventuell sogar vorstellen können, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Der Angeklagte trägt auch die Kosten des Verfahrens.