Ein erholsamer Nachmittag im Garten - der war für Christine und Rainer Hatzold bis dato nicht drin. "Man hat draußen sein eigenes Wort nicht verstanden", sagt Rainer Hatzold, der die Seele nicht im Liegestuhl im Freien baumeln lassen konnte, sondern viel freie Zeit mit seiner Frau im Wintergarten verbracht hat - im überdachten Hausgarten, der mit Schallschutzfenstern ausgestattet ist.

Die A 70 als Nachbar

Die Familie Hatzold leidet seit Jahrzehnten unter Verkehrslärm. Kein Wunder, denn sie wohnt im Thurnauer Ortsteil Berndorf nur einen Steinwurf von der Autobahn entfernt. Schwere Lastwagen quälen sich an der A 70 den Weißen Berg in Richtung Bamberg hoch, donnern an dem Anwesen vorbei. Einen Lärmschutz gibt es nicht. Der wurde beim Bau der Autobahn 1990 zwar auf der dem Ort Berndorf zugewandten Seite geschaffen, nicht aber auf der Thurnauer Seite, auf der die Hatzolds zuhause sind.

"Letzte Messung vor Jehrzehnten"

Christine und Rainer Hatzold haben Schutzmaßnahmen gefordert, bekommen haben sie diese aber nicht. Weil die zulässigen Grenzwerte nicht überschritten werden, wurde ihnen immer wieder gesagt. "Dabei wurde die letzte Lärmmessung vor der Wiedervereinigung vorgenommen, unter völlig anderen Bedingungen. Denn erst seit der Deutschen Einheit hat der Verkehr stark zugenommen", betont Rainer Hatzold.

Es hat sich was getan

Das Leiden der Familie könnte bald ein Ende haben, denn inzwischen hat sich etwas getan. Wenn Rainer Hatzold im November 2020 aus dem Wintergarten blickt, sieht er nicht mehr den Autobahnverkehr, sondern schaut auf einen riesigen Erdwall. 14 Meter hoch ist der Berg, der sich hinter dem Anwesen auftürmt. Verbaut wurde Aushubmaterial, das im Zuge der Verlegung der Autobahntrasse zwischen Thurnau-Ost und Neudrossenfeld abgetragen worden ist. "Beim A 70-Neubau sind rund 250 000 Kubikmeter Erdaushub angefallen, mit denen wir in Thurnau, Neudrossenfeld und Lanzendorf entlang der A 70 beziehungsweise der A 9 Seitendeponien errichtet haben", sagt Thomas Pfeifer, der Leiter der Dienststelle Bayreuth der Autobahndirektion. Erdwälle, die der Bund auf freiwilliger Basis angelegt habe, die eine Abschirmwirkung mit sich brächten.

Ein Puzzleteil fehlt

Dass die Erdmassen ihre Wirkung zeigen, der Lärm geringer geworden ist, das können neben Christine und Rainer Hatzold auch Andreas und Tanja Rehe bestätigen. Sie wohnen in der Hohenzorn, keine 15 Meter von der Autobahntrasse entfernt. Der Erdwall ist nahe an das Haus herangerückt, doch das Ehepaar Rehe stört das nicht, denn es verbindet mit dem Berg eine große Hoffnung. "Dass unsere Lebensqualität, die doch sehr unter dem Verkehrslärm gelitten hat, steigt." Andreas Rehe macht jedoch deutlich, dass für das große Glück noch ein entscheidendes Puzzleteil fehlt. Der Lückenschluss an einer Brücke, die sich zwischen zwei Erdwällen befindet und über die Kreisstraße Thurnau-Menchau führt. "Wir brauchen dort eine Lärmschutzwand, damit die Maßnahme auch richtig Wirkung zeigt."

Er hofft auf zeitnahe Lösung

Einen Brückenschluss, den auch Rainer Hatzold fordert, der die Autobahndirektion in die Pflicht nimmt. Die Lärmschutzwand sei im Planfeststellungsbeschluss enthalten. Sie hoffen, dass die Maßnahme bald in Angriff genommen wird, damit der Traum vom erholsamen Nachmittag im Garten zeitnah Wirklichkeit wird. Hatzold hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Er hat seine zur Autobahn ausgerichtete Terrasse vergrößert.