Am Mittwoch war der Tag der Plädoyers im Bunker-Mann-Prozess vor dem Landgericht Bayreuth, der Tag von Staatsanwalt Bernhard Pöxler und Pflichtverteidiger Johannes Driendl. Für beide ist klar: Der 36-Jährige wird wohl ins Gefängnis müssen. Während der Staatsanwalt eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten forderte, plädierte der Verteidiger für vier Jahre.

Zum Schluss ergriff der Angeklagte selbst das Wort und bat um ein mildes Urteil - vor allem mit Blick auf seine Tochter und auf seine Krankheit, die in der Justizvollzugsanstalt nicht so gut behandelt werden könne. Der Mann leidet unter brennenden Dauerschmerzen (Morbus Sudeck) in beiden Handgelenken.


Vorwurf: Untreue in 23 Fällen

Gewerbsmäßige Untreue in 23 Fällen hält Staatsanwalt Pöxler dem - erst spät geständigen - Angeklagten vor. Der Mann habe seine Stellung als Buchhalter in einem Elektrobetrieb im Landkreis Kulmbach ausgenutzt und 2010, 2012 und 2013 vier- bis fünfstellige Beträge vom Firmenkonto abgezweigt. Damit habe er Rechnung für den Bunker bezahlt, den er in seinem Garten angelegt hat.

Der Bau sei dem Angeklagten deutlich teurer gekommen als geplant. Ursprünglich sei der Mann von bis zu 50 000 Euro ausgegangen, Fachleute schätzten den Wert der Anlage mit den bis zu 1,3 Meter dicken Stahlbetonwänden auf bis zu 250 000 Euro. "Das konnte der Angeklagte nicht mit eigenem Vermögen bestreiten."

Als "krachendes Finale" im Jahre 2010 bezeichnete der Staatsanwalt den Umstand, dass der Bunker-Mann 25 000 Euro vom Firmenkonto abhob, die der Inhaber aus seiner privaten Lebensversicherung eingezahlt hatte, damit der Betrieb nicht in Insolvenz geriet.


Knapp 200 000 Euro abgezweigt

Dann habe der Angeklagte gewartet, bis es der Firma wieder besser ging, um ab 2012 erneut Geld abzuheben - bis zu 17 000 Euro in einem Zug. Sein Handeln habe er bis 16. August 2013 durchgezogen, als es bereits Verhandlungen mit einer Bank gab, um die Firma vor der Insolvenz zu retten. "Das zeigt schon eine enorme kriminelle Energie." Insgesamt zweigte der Mann knapp 200 000 Euro ab.

Doch nicht nur Untreue wird dem 36-Jährigen vorgeworfen. Er habe auch nicht unerhebliche Mengen an Waffen und Sprengstoff (unter anderem 38 Handgranaten, Rohrbomben, ein Kilo Schwarzpulver) aufbewahrt - zum großen Teil in seinem Bunker. "Alles hochexplosiv", so der Staatsanwalt. Sogar bei seiner Festnahme habe der Mann zwei Handgranaten in seinem Auto dabei gehabt.


Fast ein Kilo Marihuana gefunden

Zudem seien im Himmelkroner Bunker 971 Gramm Marihuana gefunden worden. Auch wenn der Mann die Droge gegen seine Schmerzen genommen, spreche diese große Menge gegen ihn.

Positiv wertete der Staatsanwalt dagegen das Geständnis. "Letztlich hat er die Kurve gekriegt." Und nicht zuletzt habe er eine vollständige Rehabilitierung des Geschädigten vorgenommen und sich entschuldigt. Hätte der Mann nicht gestanden, dann hätte er acht Jahre Haft gefordert, betonte der Staatsanwalt.

Pflichtverteidiger Johannes Driendl verwies auf ein "wohlgeordnetes Leben" des Angeklagten - bis zu dessen 32. Lebensjahr habe alles nach Karriere ausgesehen. "Familie, Kind, Beruf - alles perfekt. Doch dann kam der Bruch."

Bei der Hausrenovierung seien die Kosten aus dem Ruder gelaufen, dazu der Bau des Bunkers, der immer teurer wurde. In dieser Situation habe sich sein Mandant falsch verhalten. Der Rechtsanwalt wies aber darauf hin, dass der Angeklagte die Vermögenslage der Firma perfekt gekannt und immer nur so viel Geld entnommen habe, dass der Betrieb nie in Insolvenznähe geraten sei.

Zum Waffen- und Sprengstoffbesitz erklärte er, dass sein Mandant die Sachen entsorgen wollte. "Niemand war objektiv gefährdet."

Zu guter Letzt begründete er den Besitz von fast einem Kilo Marihuana damit, dass der Himmelkroner nicht ständig mit Dealern zu tun haben wollte und deshalb einen Vorrat angelegt hatte. Beim Auftreten von Schmerzen habe er dann sofort das Mittel parat gehabt. Und auch er würdigte das Geständnis. "Vier Jahre Gesamtstrafe für alle Delikte sind ausreichend."

Am Schluss ergriff der Bunker-Mann selbst das Wort: "Ich habe Fehler gemacht und trage allein die Verantwortung und Konsequenzen", sagte er auch mit Blick darauf, dass seine Mutter und Tochter beim Einkaufen beschimpft worden seien.


Urteil fällt am Donnerstag

Nach der Entlassung aus der Haft wolle er seiner Tochter oberste Priorität einräumen. "Dass ich sie nicht aufwachsen sehe, ist neben den Schmerzen das Schlimmste", sagte er. Er hoffe zudem, dass die Beziehung mit seiner Freundin die Haft übersteht. "Die Haftdauer ist für die Behandlung meiner Schmerzen und für meine Familie entscheidend", erklärte er.

Das Urteil wird am Donnerstag, 27. August, verkündet.