Das glänzende Chrom der alten Karossen strahlte in der Mittagssonne mit dem malerischen Ambiente des Arkadenhofs um die Wette. Automobile Kostbarkeiten parkten am Samstag im Schönen Hof der Plassenburg. Der Oldtimer-Stammtisch Kulmbach hatte zum 20. Mal zu seinem Oldtimer-Treffen geladen. Liebhaber automobiler Antiquitäten aus Nah und Fern pilgerten am Wochenende in die Bierstadt, die sich in ein Oldtimer-Mekka verwandelt hatte. Zum Jubiläum wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: Als Mittagsrast für die 130 Kilometer lange Ausfahrt am Samstag hatte man sich die Plassenburg ausgesucht, wo sich 120 Eigentümer von Old- und Youngtimern einfanden.
"Damit ging für uns ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Wir präsentieren edles Blech in geschichtsträchtigen Umgebung", strahlte Vorsitzender Walter Schaller übers ganze Gesicht. "Den Gästen, die aus ganz Deutschland und seinen Nachbarländern kommen, zeigen wir das touristische Glanzstück Kulmbachs", ergänzt Mitglied Stephan Lauterbach. Die Besucher waren begeistert von der mächtigen Festung mit ihrem malerischen Innenhof, die hoch über der Stadt thront. Bei Führungen erfuhren sie viel über die bewegte Geschichte der Hohenzollernburg.


Route durch den Buchwald

Damit die Oldtimer bei der Fahrt auf den Burgberg hinauf nicht ins Schnaufen geraten, durften sie die weniger beschwerliche, aber umso malerischere Route durch den Buchwald benutzen. "Die Autos aus der Vorkriegszeit sind mit schwachen Seilzugbremsen ausgestattet und auch schwach motorisiert", erklärt Lauterbach. Die Youngtimer hingegen, die einige Jahrzehnte weniger auf dem Buckel haben, meisterten spielerisch die Durchfahrt durch das Burgtor, wo sie von Mönch Thorsten Schlensog erwartet wurden. Er wies die Fahrer zu ihren Parkplätzen ein.
Die 130 Kilometer lange Ausfahrt durch den Landkreis und der Aufenthalt auf der Plassenburg waren mit amüsanten Sonderprüfungen gespickt, bei denen die Fahrer Punkte sammeln können. Bei der Fahrt galt es das Hinweisschild auf einen Nachttopf zu entdecken und auf der Burg durften Alt und Jung beim Keilriemenwerfen ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Die Gewinner wurden mit wertvollen Sachpreisen belohnt, die Kulmbacher Firmen, darunter die Mönchshof als Hauptsponsor der zweitägigen Veranstaltung, gespendet hatten.
Nach einer Oldie-Nacht mit einer Live-Band auf dem Gelände der Mönchshof, ging das Oldtimer-Treffen dort am Sonntag in seine zweite Runde. Über 700 historische Prachtstücke waren auf dem Mönchshof-Gelände zu sehen. Tausende Besucher flanierten an ihnen vorbei. Eine weiße Limousine aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zog die Blicke der Besucher auf sich. Gerd Fleischmann aus dem sächsischen Schwarzenberg öffnete die Fahrertüre, und zum Vorschein kam eine Rückfahrkamera, die unterhalb des Radios eingebaut ist. "Die Stretch Limousine Town Car der Marke Lincoln aus dem 1983 war ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Schon damals gab es eine Art Einparkhilfe, die bei dem großen und langen Mobil auch nicht verkehrt am Platze ist", erzählt der Eigentümer fachmännisch. Was schätzt der Sachse an der Nobelkarosse aus den 80er Jahren? "Man lässt sich in die Ledersessel fallen und schon fühlt man sich wohl."


Klein, aber oho

Lothar Kuhnt aus Bayreuth mag es lieber "klein, aber oho". Deshalb hat sich der Italien-Fan für einen Fiat 500 F aus dem Jahre 1970 entschieden. "Ich brauche keine großen und schnellen Schluckspechte, wie die Ami-Schlitten, die 20 Liter saufen", bringt es der Oberfranke auf den Punkt. Mit seinem offenen Dach fahre sich der schnuckelige Fiat wie ein Cabrio. Der Bayreuther hat seinem altehrwürdigen Gefährt kleine Veränderungen verpasst. Er deutet auf den Sportauspuff. "Der wirkt viel besser als das ursprüngliche Röhrchen", sagt der Liebhaber alter Automobile. Über den Brenner nach Bella Italia ist Kuhnt mit seinem Fiat, den er vor 16 Jahren gekauft hat, noch nicht gefahren. "Da wäre mir das Fahrzeug viel zu Schade".